Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t4: 4. Die Tagesliteratur
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t4
- Language
- German
4. Die Tagesliteratur
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Eine Tagesliteratur in der heutigen Ausdehnung entstand in Indien wie in anderen Ländern erst seit der Einführung der Druckerpresse und der Vervollkommnung der Verkehrsmittel. Ansätze zu einer solchen mag es in bescheidenem Umfange aber schon früher gegeben haben, wenn auch wenig davon auf uns gekommen ist, weil das, was aus der Zeit heraus, für die Zeit geschaffen wurde, zumal wenn es nur in ganz wenigen Exemplaren handschriftlich verbreitet worden war, bald völlig der Vergessenheit anheimfallen mußte, schon allein, weil es nicht mehr genügend Interesse besaß, um jemanden dazu zu veranlassen, es aufzubewahren, geschweige denn es erneut zu kopieren.
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Vorläufer der modernen Zeitungskorrespondenzen kann man in den sog. Vijnaptis sehen. Es sind dies Briefe, die von Jainas am letzten Tage der Paryushana-Woche an ihre geistlichen Oberen geschrieben wurden. Bekanntlich sollen die Jainas keinen Streit über diesen letzten Tag ihres Jahres hinaustragen und keine Sünde des alten Jahres ungebeichtet lassen. Sie schicken deshalb Briefe in die Ferne an Personen, welche mit ihnen einen Zwist gehabt haben, um sich mit ihnen zu versöhnen, und senden ihrem Guru ein Schreiben, in welchem sie ihre Sünden beichten, um Vergebung zu erhalten. In der Vergangenheit wurden die an den Guru gesandten Vijnaptis oft zu ausführlichen Berichten über die Ereignisse der letzten Zeit. Mitunter wurden sie geradezu zu kleinen literarischen Arbeiten, die in kunstvollem Sanskrit abgefaßt waren, so sind z. B. die in Nachahmung von Kâlidâsas „Meghadûta“ verfaßten Gedichte Indu-dûta und Ceto-dûta ursprünglich Vijnaptis gewesen. Die Vijnaptis von Mönchen waren oft von beträchtlicher Länge; so gibt es welche, die eine Rolle von fast 60 Fuß Länge bedecken. Sie sind mitunter mit hübschen Bildern geschmückt, die freilich (ebenso wie in den modernen indischen Büchern) oft in keiner Beziehung zum Inhalt stehen, wie Darstellungen von Moscheen, Akrobaten usw. Als authentische Dokumente sind die Vijnaptis mitunter von historischem Interesse, weswegen die Jaina-Âtmânanda-Sabhâ in Bhâvnagar in jüngster Zeit einige von ihnen in der Sammlung „Itihâsamâlâ“ hat drucken lassen. Eine solche Vijnapti schildert z. B. die Reise eines Mönches nach Kângrâ, einer ganz im Norden am Himâlaya gelegenen Stadt des Panjâb, im 15. Jahrhundert⁵⁶.
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In der Gegenwart ist die Tagesliteratur der Jainas sehr bedeutend und bei der Größe ihres Umfangs kaum übersehbar. Eine Reihe von Zeitungen und Zeitschriften in den verschiedensten Sprachen suchen ihre Interessen wahrzunehmen. Ich nenne hier nur die wichtigsten. Die Digambaras unterhalten eine Reihe von Blättern: die in Surat erscheinende Monatsschrift „Digambara Jain“ mit Aufsätzen in mehreren Sprachen, die „Hindi Jain Gazette“, den „Jain Mitra“ und die Frauenzeitschrift „Jain Nârî Hitkârî“. Offizielles Organ der Interessenvertretung der Shvetâmbaras ist der hauptsächlich Aufsätze in Gujarâtî enthaltende „Shrî Jain Shvetâmbar Kânpharans Harald“ (Conference Herald); andere ihrer Blätter sind das in Benares herausgegebene „Jain Shâsan“ und der „Jain Dharm Prakâsh“. Die Sthânakavâsîs geben einen „Conference Prakâsh“ und eine Monatsschrift „Jain Hitecchi“ heraus. Die Central Jain Library in Arrah, welche der Mittelpunkt der Bestrebungen aller Richtungen sein will, läßt eine Monatsschrift „Jaina Siddhânta Bhâskara“ in der Hindî-Sprache in Kalkutta erscheinen. Die All-India Jaina Association veröffentlicht eine englische Monatsschrift „Jaina Gazette“ in Madrâs usw.
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Neben diesen periodisch herauskommenden Schriften werden alljährlich noch eine Fülle von Flugschriften, Aufsätzen und Artikeln in den verschiedenen Teilen Indiens publiziert, welche zu aktuellen Fragen Stellung nehmen und diese vom Jaina-Standpunkte beleuchten.