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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t4.2

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t4.2

Language
German

c8.s2.t4.2

Vorläufer der modernen Zeitungskorrespondenzen kann man in den sog. Vijnaptis sehen. Es sind dies Briefe, die von Jainas am letzten Tage der Paryushana-Woche an ihre geistlichen Oberen geschrieben wurden. Bekanntlich sollen die Jainas keinen Streit über diesen letzten Tag ihres Jahres hinaustragen und keine Sünde des alten Jahres ungebeichtet lassen. Sie schicken deshalb Briefe in die Ferne an Personen, welche mit ihnen einen Zwist gehabt haben, um sich mit ihnen zu versöhnen, und senden ihrem Guru ein Schreiben, in welchem sie ihre Sünden beichten, um Vergebung zu erhalten. In der Vergangenheit wurden die an den Guru gesandten Vijnaptis oft zu ausführlichen Berichten über die Ereignisse der letzten Zeit. Mitunter wurden sie geradezu zu kleinen literarischen Arbeiten, die in kunstvollem Sanskrit abgefaßt waren, so sind z. B. die in Nachahmung von Kâlidâsas „Meghadûta“ verfaßten Gedichte Indu-dûta und Ceto-dûta ursprünglich Vijnaptis gewesen. Die Vijnaptis von Mönchen waren oft von beträchtlicher Länge; so gibt es welche, die eine Rolle von fast 60 Fuß Länge bedecken. Sie sind mitunter mit hübschen Bildern geschmückt, die freilich (ebenso wie in den modernen indischen Büchern) oft in keiner Beziehung zum Inhalt stehen, wie Darstellungen von Moscheen, Akrobaten usw. Als authentische Dokumente sind die Vijnaptis mitunter von historischem Interesse, weswegen die Jaina-Âtmânanda-Sabhâ in Bhâvnagar in jüngster Zeit einige von ihnen in der Sammlung „Itihâsamâlâ“ hat drucken lassen. Eine solche Vijnapti schildert z. B. die Reise eines Mönches nach Kângrâ, einer ganz im Norden am Himâlaya gelegenen Stadt des Panjâb, im 15. Jahrhundert⁵⁶.

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