Die Religion des Veda c8.s1.2
Die Religion des Veda c8.s1.2
- Language
- German
c8.s1.2
Der vedische Kult schlägt den großen Göttern gegenüber vorwiegend den ersten dieser beiden Wege ein. Die überragende Macht des Gottes schließt hier den Gedanken an einen gegen ihn zu übenden Zwang aus oder läßt diesen Gedanken nur inkonsequenterweise und als etwas in zweiter Linie Stehendes auftreten. Da die großen Götter überwiegend als wohlwollende Mächte angesehen werden, kommt hier nur selten der Zug zur Erscheinung, daß der Verehrer den Gott, indem er ihn anbetet und speist, durch gütliches Zureden zu entfernen sucht: dies die charakteristische Eigentümlichkeit namentlich des Rudrakultus ¹). Anders gestaltet sich das Verhalten gegenüber den kleinen dämonischen Mächten, unter denen die feindlichen überwiegen. Ihnen glaubt sich der Mensch gewachsen, nicht nur durch den Beistand der segenbringenden großen Götter, sondern auch durch eigene Kraft und List. Hier bewegt sich dementsprechend die Abwehr, um die es sich ganz überwiegend handelt, in den Formen des Zaubers ²). Ein Doppelgesicht zeigt der Totenkult. Die Seelen der Väter, ihren Kindern freundlich und zugleich unheimlich, empfangen bald Pflege, die sie günstig stimmt, bald tritt zauberische Abwehr dagegen ein, daß sie den Lebenden Schaden tun und ihre Nähe über die Zeit hinaus ihnen aufdrängen ³). Ganz und gar mit den Mitteln des Zaubers endlich wird selbstverständlich, wie schon berührt ist, gegenüber den unpersönlichen Mächten oder Substanzen gearbeitet, bei denen ein Erregen freundlicher Stimmung nicht in Frage kommt.