Die Religion des Veda c8.s1.20
Die Religion des Veda c8.s1.20
- Language
- German
c8.s1.20
Ohne Zweifel ist die im Veda herrschende Vorstellung die folgende. Das Opfer geht zum Gott als eine ihm gebrachte Gabe. Der Opferer hofft, daß es auf die Gesinnung des Gottes wirken wird, nicht durch Zwang, sondern durch Erweckung seines mächtigen Wohlwollens, das sich dann dem Menschen gegenüber betätigt. Durch den ganzen Ṛgveda kehrt immer dasselbe Motiv wieder: diese Opferspeise, dieser Trank soll den Gott sättigen, stärken, erfreuen. Drastisch drückt dies eine Geschichte in einem jüngeren vedischen Text² aus. Indra geht zu Suśravas und sagt: „Opfere mir, ich habe Hunger.“ Jener opfert, und nun geht Indra mit dem Opferkuchen in der Hand umher. Der Gott liebt, wie sich von selbst versteht, den Opferer; er hat wohl Nachsicht mit dem Armen, der nur Geringes geben kann¹), aber den Geizigen haßt er. Dem Freigebigen wird er befriedigt seine Gaben spenden, wie er sie ihm früher gespendet hat. „Trinke, erstarke!“ sagt der Ṛgveda, „dein sind ja die Somatränke, die gepreßten, Indra, jetzt wie sonst. Wie du den alten Soma getrunken hast, Indra, so trinke du Gepriesener heute den neuen... Auf, bring herbei! Keiner soll dich hindern! Wir kennen dich ja, den Schatzherrn der Schätze. Indra, was deine große Gabe ist, die schenke uns, Herr der falben Rosse“ (III, 36, 3. 9). „Nimm den Soma in Empfang, stille dein Verlangen an ihm: dann wende deinen Sinn dazu Schätze zu spenden“ (I, 54, 9). „Der Held waltet unentwegter Kraft durch Indra, durch seine Mannen, der dir tiefe Somagüsse preßt, o Vṛtratöter, und mit Wasser sie bereitet“ (VII, 32, 6). „Ich ward“ — Indra spricht — „des Opfernden Förderer; in jedem Kampf habe ich die überwunden, die nicht opfern“ (X, 49, 1). In einer Formel von etwas jüngerer Herkunft redet der Opferer den Gott an: „Gib mir; ich gebe dir. Lege hin für mich; ich lege hin für dich. Darbietung biete du mir; Darbietung biete ich dir“ (Ts. 1, 8, 4, 1). Und im selben Sinn die Sūktavākaformel²), wo nach vollzogenen Darbringungen der Priester sagt: „Gott N. N. nahm dies Opfer an; er ist erstarkt; er hat sich höhere Macht geschaffen.“ Darauf der Opferveranstalter: „Möge dem Siege des Gottes N. N. folgend auch ich siegen.“ Immer ist es der Gott, auf den das Opfer zunächst wirkt; der Lohn, den sich der Mensch verspricht, kommt aus der Hand des Gottes; sein Wohlsein folgt dem durch das Opfer bewirkten Wohlsein des Gottes. Er weiß sich dem Mächtigeren gegenüber und verläßt sich doch ohne ein Gefühl unendlichen Abstandes oder eigener Unwürdigkeit auf die altbewährte Freundschaft; auf die beruft er sich in einem Ton, dessen Unbefangenheit gelegentlich an Zudringlichkeit streift. So bringt er dem Gott seine Gabe, indem er „dessen rechte Hand ergreift“. Die Erwartung der Gegengabe steigert sich kaum bis zu der Vorstellung, daß der Gott sein Schuldner geworden ist¹), daß eine über ihm stehende Rechtsordnung Bezahlung dieser Schuld von ihm fordert. Aber er hat doch immerhin das Bewußtsein, daß bei den Beziehungen, in denen er zu dem Gott steht, dieser nicht gut anders können wird als die empfangenen Freundlichkeiten reichlich erwidern.
Cites (2)
- Kṛṣṇayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit