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Die Religion des Veda c8.s1.31

Die Religion des Veda c8.s1.31

Language
German

c8.s1.31

Neben all dem nun steht das um die göttliche Gnade durch Gaben werbende Opfer einerseits zwar als etwas Eigenes, sich aus sich selbst Erklärendes. Aber auf der anderen Seite mußten hier doch vielfache gegenseitige Beeinflussungen und Vermischungen eintreten. Ursprüngliche Zauberopfer — wenn diese kurze Bezeichnung erlaubt ist — und überhaupt Zauber aller Art konnten sich infolge der im Veda dominierenden Stellung des Gabenopfers mit einer Oberschicht von Bestandteilen dieses letzteren bedecken. Das uralte Roßopfer beispielsweise scheint, wie unten gezeigt werden soll²), seinem ursprünglichen Wesen nach ein Exemplar — wohl im Veda das besterhaltene — eines zauberischen, nicht von der Idee der Gabe beherrschten Opfers zu sein. Aber die Vorstellung hat sich, wenn auch nur oberflächlich, darüber gebreitet, daß das Opferroß wie ein gewöhnliches Opfertier gewissen Göttern als Gabe dargebracht wird. Umgekehrt konnte und mußte auf der anderen Seite das Gabenopfer Elemente des Zauberopfers sich aneignen. Der Genuß beispielsweise eines Teils der Opferspeise von seiten des Opfernden¹ läßt zwar, wie mir scheint, auch auf dem Boden des Gabenopfers eine Erklärung zu, aber es ist durchaus glaublich, daß hier — in diesem Falle lange vor der vedischen Zeit — ältere Riten sakramentalen Speisegenusses eingewirkt haben. Und ganz im allgemeinen ist es ja klar, daß die mit den Vorstellungen der göttlichen Nähe, des geheimnisvollen Gelingens gesättigte Umgebung des Gabenopfers ein Terrain darbot, das wie kein anderes dazu einlud Zauberei zu treiben. Das Bestreben, Riten des Opfers in ihren oft zufälligen Besonderheiten zu erklären, mußte dahin führen, daß man Wirkungen von der Art der Zauberwirkungen in ihnen entdeckte. Nicht zum wenigsten werden auch die Opferpriester, um die Unentbehrlichkeit ihrer eigenen Kunst darzutun, die Vorstellung von einer dem Opfer zukommenden Zauberkraft gepflegt und gesteigert haben. Schließlich wird das Hinüberspielen der Opferhandlung in Zauberhandlung durch einen benachbarten, parallelen Vorgang befördert worden sein: durch die Vermischung von Gebetsspruch und Zauberspruch — des Worts, das den Gott wie einen Menschen überredet, und des Worts, das vermöge seiner Korrespondenz mit dem dadurch bezeichneten Gegenstand oder Vorgang, ähnlich wie das Bild mit dem abgebildeten Gegenstand in zauberhafter Korrespondenz steht, Wirkungen in der Welt der Objekte hervorruft. Zum Opfer gehört Gebet: nimmt das Gebet etwas von den Wirkungen des Zauberspruchs an, so muß sich auch die Wirkungsweise des Opfers entsprechend modifizieren, zauberisch zwingende Kraft über Götter, Dinge, Vorgänge gewinnen.