Die Religion des Veda c8.s1.6
Die Religion des Veda c8.s1.6
- Language
- German
c8.s1.6
Die Pflege des Gottes, von den bescheidenen Spenden an die kleinen Wesen im Geisterreich bis hinauf zu den großen Darbringungen, mit denen der wohlhabende Opferer die höchsten Herren dieses Reiches verehrt, besteht vornehmlich in der Gabe von Speise und erfrischendem, nährendem oder berauschendem Trank, also im Opfer: wobei sich von selbst versteht, daß diese gastliche Aufnahme des Gottes gewisse nebensächliche Aufmerksamkeiten, wie das Darbieten eines bequemen Sitzes, von Wohlgerüchen u. dgl., mit umfaßt oder umfassen kann. Gaben von Kleidung scheinen — dies fällt auf — nur im Totenkult, nicht für die Götter vorzukommen, die doch auch als bekleidet gedacht werden; ebensowenig begegnen, soviel ich sehe, Gaben solcher zur Ausrüstung des Gottes gehöriger Gegenstände wie Waffen, Streitwagen u. dgl. Vermögensobjekte vollends, die über das zum persönlichen Gebrauch Gehörige hinausgehen, scheinen im vedischen Kultus dem Gott nicht gewidmet zu werden. Dies beruht wohl einerseits darauf, daß die kultische Sitte ihren Grundzügen nach in ein Zeitalter zurückgeht, dem ein ausgebildetes Privateigentum, also auch die Idee göttlichen Privateigentums noch fremd war, anderseits mag es mit dem Fehlen von Gotteshäusern zusammenhängen, in denen solches Eigentum hätte aufbewahrt werden können. Auch wird hier mitgespielt haben, daß die brahmanischen Ordner des Kultus es natürlich vorzogen, Gaben etwa von dem allbegehrten Gold vielmehr der gegen den Priester als der gegen den Gott zu übenden Freigebigkeit zu empfehlen.