Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s10.6
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s10.6
- Language
- German
c32.s10.6
5. Griechische Länder. Leicht zu constatiren sind die indischen Elemente in dem Arzneischatz des Dioskorides und früherer Autoren, wie πέπερι — *pippalī*, πεπερέως ῥίζα — *pippalīmūla*, Costus — *kuṣṭha*, ζιγγίβερις — *śṛṅgavera*, καρδάμωμος — *kardama* (*elā*), κιννάμωμος — *tvaca*, ἄκορος — *vaca*, βδέλλιον — *guggulu*, κύπειρος — *mustaka*, σάκχαρον — *śarkarā*, σήσαμον — *tila* u. a.¹¹ Weit schwieriger ist es, den Ursprung der vielen anderweitigen Analogieen zwischen indischer und griechischer Medicin zu ergründen¹². Ich nenne z. B. die durchgeführte Humoralpathologie (§ 33), das rohe, reifende und reife Stadium des Fiebers (§ 51), der Geschwülste (§ 69) und anderer Leiden entsprechend der ἀπεψία, πέψις und Krisis, die Einteilung der Heilmittel in heisse und kalte (§ 23), auch in trockene (*rukṣa*) und ölige d. h. feuchte (*snigdha*, *picchila*), die Heilung der Krankheiten durch Arzneien von entgegengesetztem Charakter, die echt hippokratische Betonung der Prognostik (§ 21), die Charakterisirung der Ärzte und die an den Eid der Asklepiaden erinnernden Verhaltungsregeln für dieselben, in der Diätetik den Einfluss der Jahreszeiten und die den religiösen Anschauungen der Inder zuwiderlaufende Empfehlung geistiger Getränke, bei den einzelnen Krankheiten das Quotidian-, Tertian- und Quartanfieber, *kṣaya* — Phthisis (§ 61) u. a., in negativer Beziehung das Zurücktreten der Herzleiden (§ 63), von den Symptomen die öfter vorkommende Empfindung des Herumkriechens von Ameisen auf dem Körper, das Essen von Erde bei Bleichsucht (§ 59), in der Entwicklungslehre und Geburtshilfe die gleichzeitige Anlage aller Körperteile, die Entstehung von Zwillingen durch Spaltung der Samenmenge, die Beziehung der rechten Körperseite zu dem männlichen Geschlecht des Fötus, die Lebensfähigkeit des Fötus im 7., das Gegenteil im 8. Monat (§ 41), die Zerstückelung des toten Fötus und seine Herausziehung mit einem in der Augenhöhle befestigten Haken (§ 48), die Schüttelungen zur Beförderung der Nachgeburt (§ 42), in der Chirurgie die Methode des Steinschnittes (§ 57), die Paracentese bei Wassersucht (§ 54), das Brennen, Ätzen und Ausschneiden der Hämorrhoidalknoten (§ 76), die Aderlässe, Blutegel (darunter die aus Griechenland *Yavana* stammenden Su. 1, 13) und Cauterien (§ 29 f.), manche chirurgische Instrumente (§ 28), in der Ophthalmologie das Operiren mit der linken Hand am rechten Auge und umgekehrt und andere Details der Staaroperation (§ 83). Dass in der Zeit des noch starken griechischen Einflusses, aus der sich ausser den mannigfachen in Indien geprägten griechischen Münzen sogar ein in seiner Form an die Papyrusrollen erinnerndes Handschriftfragment (1. Jahrh. n. Chr.?)¹³ erhalten hat, auch nicht näher bestimmbare medicinische Schriften der Griechen Eingang gefunden haben mögen, ist allerdings um so leichter möglich, als auch die griechische Astronomie und Astrologie bekanntlich in Indien recipirt wurde¹⁴. Doch dürfen die griechischen Elemente auch nicht überschätzt werden, wie z. B. die Humoralpathologie, die in ihrer ausgebildeten Form so sehr an die griechische erinnert, andererseits auch mit der Harmonie der drei *guṇa* in der Sāṃkhyaphilosophie zusammenhängen kann und in ihren Anfängen schon frühe nachweisbar ist (§ 33). Am stärksten mag die griechische Einwirkung auf dem chirurgischen Gebiet gewesen sein. Es ist auch beachtenswert, dass B. C. noch nichts über Chirurgie enthalten, wie dann auch in den späteren Werken die Chirurgie wieder völlig zurücktritt.
Cites (1)
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit