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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s5: § 26. Quecksilber und Opium

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s5

Language
German

§ 26. Quecksilber und Opium

c33.s5.1

--- Auf die Anwendung und Geschichte der einzelnen Arzneimittel näher einzugehen, hiesse eine Geschichte der indischen Botanik, Mineralogie, Pharmacie und Chemie schreiben, wozu hier der Raum fehlt. Ich darf auf das reiche Material in Watts Economic Products of India, Hoernles B., Garbes Indische Mineralien und anderen in § 17 angeführten Werken verweisen. Im Allgemeinen scheint der Gebrauch von Mineralien als Arzneistoffe stetig zugenommen zu haben, besonders gelangte das Quecksilber (*pārada*) zu dem Ruf eines Universalmittels, das sowohl äusserlich gebraucht wurde, in späterer Zeit besonders für Syphilis, als auch innerlich. Eine ganze Litteraturgattung über *rasa* entstand (§ 3), worin allerdings auch über andere Metalle und Mineralien, wie Schwefel, Gold u. a. gehandelt wird. Daher heisst das Quecksilber *rasendra*, *rasarāja*, *rasanātha* »der König der Metalle«, in dem Rājanighaṇṭu werden ihm 33 verschiedene Namen beigelegt¹. Auch bei den Asketen war der Genuss eines Quecksilberpräparats (*rasapāna*) zur Verlängerung des Lebens üblich, und die Philosophie entwickelte (spätestens im 14. Jahrh.) ein Quecksilbersystem (*raseśvaradarśana*)². In B. kommt das Quecksilber noch nicht vor, auch bei Su. S. A. wird es als *rasendra*, *pārada* nur einige Male erwähnt, ob C. es kennt, ist zweifelhaft³. Jedenfalls finden sich das Reinigen (*śodhana*) durch Erhitzung und darauf folgende Eintauchung in gewisse Flüssigkeiten und das »Töten« (*māraṇa*) d. h. Calciniren oder Pulverisiren des Quecksilbers und andere metallurgische Processe, die es zur pharmaceutischen Verwendung geeignet machen sollen, in diesen alten Werken noch nicht erwähnt.

c33.s5.2

Watt⁴ lässt die Frage offen, ob die Inder vor oder nach den Arabern die medicinischen Wirkungen des Quecksilbers erkannt hätten. Es ist aber doch wohl, da die Calcination des Quecksilbers erst in der mohammedanischen Epoche auftritt, anzunehmen, dass sie aus der arabischen Alchemie stammt, in der das Quecksilber eine so grosse Rolle spielt. Aus Arabien erhielten die indischen Ärzte auch das Opium, das erst seit dem 16. Jahrh. in Indien gebaut wird, vorher aus Arabien importirt wurde⁵. Die Bezeichnung des Opiums als *ahiphena* »Schlangenschaum« ist offenbar nur eine volksetymologische Umgestaltung des älteren *aphena*, *aphīma*, *āphīna*, *āphūka*, und diese Ausdrücke gehen auf eine der arabischen Umgestaltungen (gew. *afyun*) des griechischen ὄπιον zurück, kommen auch erst in späteren Werken wie Madanavinoda, Rājanighaṇṭu, Ś., Rasendrasārasaṃgraha, Yogaratnakara vor, während C. Su. S. A. das Opium noch nicht kennen. Es wird ihm eine verstopfende und narkotische Wirkung zugeschrieben (*grāhin*, *mohakṛt*), weshalb es besonders für Durchfall (*atisāra*, *grahaṇī*) empfohlen wird⁶.

c33.s5.3

⁴ Economic Products of India 5, 234.

c33.s5.4

⁵ l. c. 6, 24.

c33.s5.5

⁶ Vgl. Dutt, Mat. Med. 111 ff.