Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s9.1
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s9.1
- Language
- German
c33.s9.1
— Die täglichen Pflichten (*dinacaryā*) sind ebenso sehr Sache der Religion als der Medicin, daher stimmen die bez. Angaben in den medicinischen Werken oft wörtlich mit den Vorschriften der Smṛtis und Gṛhyasūtras überein¹. Nach frühem Aufstehen, schon vor Sonnenaufgang, besteht die erste Tagespflicht in der Fürsorge für den Stuhlgang, wobei der Kopf verhüllt wird; die Reinigung geschieht mit Wasser und Erde. Dann folgt das Reinigen der Zähne mit frischen Zahnstöckchen, die von den Zweigen gewisser Bäume genommen sein müssen, mit zusammenziehendem, scharfem oder bitterem Geschmack; dabei muss man sich hüten, das Zahnfleisch zu verletzen. Nach C. werden die Zähne täglich zweimal gebürstet. Die Zunge wird dann ebenfalls mit einem Zungenschaber (*jihvānirlekhana*) abgeschabt, der Mund mit kaltem Wasser ausgespült und das Gesicht gewaschen. Die Augen sind täglich mit einer Salbe von *sauvīrāñjana* (Schwefelantimon oder Bleiglanz)² zu behandeln, die auf die Bindehaut gebracht wird; dadurch werden die Augen schön und scharf. Ausserdem soll alle 5 oder 8 Tage (C.) oder alle 7 Tage (S. A.) eine Augensalbe von *rasāñjana*, einem Extract aus Berberis asiatica mit Milch³, gebraucht werden, um die Augen zum Thränen zu bringen und dadurch von Schleim zu reinigen und die Sehkraft zu befördern. Der ganze Körper soll mit wohlriechenden Ölen eingerieben werden, um übeln Geruch, Schwere und Müdigkeit in den Gliedern, Jucken, Appetitlosigkeit u. s. w. zu beseitigen. Tägliches Einölen des Kopfes hindert das Ausfallen oder Ergrauen der Haare, vertreibt das Kopfweh und befördert den Schlaf. Einölen der Ohren schützt vor Ohrenleiden, Steifheit des Halses, Mundsperre, Schwerhörigkeit und Taubheit. Einölen der Füsse beseitigt Rauhheit, Trockenheit, Hitze, Müdigkeit und Einschlafen der Füsse, Ischias, Aufspringen der Füsse u. a. Betelblätter, Kampfer, Kardamomen und andere Gewürze soll man im Mund halten (kauen), um die Reinlichkeit, den Wohlgeruch und den Appetit zu befördern. Bewegung oder körperliche Anstrengung (*vyāyāma*) gibt Gewandtheit, Kraft, gute Verdauung und vermindert das Fett; doch ist sie bei Wind- und Gallenkrankheiten, Indigestion u. dgl. zu meiden. Reiben oder Massiren des Körpers (*udvartana*) vertreibt Schleim und Fett, macht die Glieder stark und die Haut stramm. Baden reinigt, befördert den Appetit, die Potenz und die Lebenskraft, verleiht Frische und Stärke und vertreibt Jucken, Müdigkeit, Schweiss, Durst, Hitze u. s. w. Warme Bäder oder Waschungen sind nur für die untere Hälfte des Körpers zuträglich, für die obere schädlich; Bäder überhaupt sind schädlich bei Flatulenz, Schnupfen, Indigestion und nach dem Essen. Wohlgerüche und Kränze zu gebrauchen, frische Kleider, Kleinodien und Schmuck zu tragen, bewirkt Potenz, guten Geruch, Lebenskraft, Beliebtheit u. s. w.; ebenso ratsam ist es, Schuhe, einen Schirm und einen Stock zu tragen. Auch Pflege der Haare, des Bartes und der Nägel wird empfohlen, nach Bh. 1, 1, 93, der auch den Spiegel zu gebrauchen rät, muss man sie alle 5 Tage schneiden. Natürliche Bedürfnisse wie Stuhlgang, Uriniren, Niesen, Schlaf, Husten u. dgl. darf man nicht unterdrücken, aber auch nicht künstlich hervorrufen, nicht am Tage schlafen ausser im Sommer, nicht in die auf- oder untergehende Sonne blicken u. s. w. (C. 1, 5; 1, 4; S. 1, 3; 1, 5; 1, 8; A. 1, 2; 1, 4; Bh. 1, 1, 89 ff.; Vṛ. 81).
Cites (5)
- Aṣṭāṅgahṛdayasaṃhitā — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Aṣṭāṅgasaṃgraha — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Siddhayoga (Vṛndasuni) — Vṛndasuni, Sanskrit