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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s9.2

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s9.2

Language
German

c33.s9.2

Die Modificationen, welche die diätetischen Regeln durch den Wechsel der Jahreszeiten erleiden, heissen *ṛtucaryā*. Neben dem bürgerlichen gibt es nach Su. ein medicinisches Jahr⁴, das wie ersteres 6 Jahreszeiten (*ṛtu*) hat, aber erst am 15. Februar beginnt und *śiśira*, die erste Jahreszeit des bürgerlichen Jahres, weglässt, dafür aber als 3. Jahreszeit *prāvṛṣ*, die frühere Regenzeit vom 15. Juni—15. August, einschiebt; doch wird gewöhnlich nach dem bürgerlichen Jahr gerechnet. Nach C. soll man im *hemanta* (15. Nov.—15. Jan.), da die Kälte die Verdauungskraft stärkt und zur Verarbeitung schwerer und reichlicherer Nahrung befähigt, fette, saure und salzige Brühen von dem Fleisch von Wasser- und Sumpftieren und Ziegen und am Spiess gebratene Leguane u. dgl. und Raubtiere oder Raubvögel (*prasaha*) geniessen, ferner Branntwein, Milchspeisen, Süssigkeiten, Fett, Öl, jungen Reis, heisses Wasser; auch empfiehlt er den Gebrauch von Salben, Massage, Einölung des Kopfes, Aufenthalt in einer Schwitzkammer, in der Sonne, oder in einem warmen unterirdischen Raum oder inneren Gemach, Bedeckung der Wagen, Betten und Sitze mit warmen Decken, warme Kleidung und Einreibung des Körpers mit einem dicken Teig von Aloeholz, sowie Schlafen bei einer Frau von vollen Formen. Ähnliche Regeln gelten für *śiśira* (15. Jan.—15. März), nur soll man einen noch besser gegen den Wind geschützten und wärmeren Wohnraum aufsuchen, und scharfe, leichte, kalte u. dgl. Speisen und Getränke vermeiden. In diesen beiden kalten Jahreszeiten ist man am kräftigsten. Im *vasanta* (15. März—15. Mai) ruft der angesammelte Schleim viele Krankheiten hervor, daher sind Brechmittel u. dgl. zu geben, schwere, saure, ölige und süsse Speisen sowie Schlafen am Tage zu vermeiden. Bewegung, Massage, Inhalationen, Gurgelwasser, Salben, Waschungen und Bäder in kühlem Wasser, als Speisen Gerste und Weizen und das Fleisch von Hirschen, Hasen, Antilopen, Wachteln und Francolinen, als Getränke gewisse Arten von Branntwein werden ebenfalls empfohlen. Im Sommer (*grīṣma*, 15. Mai—15. Juli) geniesse man wohlschmeckende, kalte, flüssige und ölige Dinge, kalten Rührtrank von Gerstenmehl mit Milch und Zucker, Wildpret, zerlassene Butter, Milch, Reisspeise, dagegen geistige Getränke nur in kleinen Quantitäten oder gar nicht oder stark mit Wasser vermischt; auch meide man salzige, saure, scharfe und heisse Dinge, sowie körperliche Anstrengung und Beischlaf und schlafe bei Tag in einem kalten Raum, Nachts in einem durch die Strahlen des Mondes abgekühlten Raum, besonders auf dem windigen Dach des Hauses, salbe sich mit (kühlender) Sandelsalbe, lasse sich mit nassen Fächern fächeln, weile in kühlen Wäldern u. s. w. In der Regenzeit (*varṣāḥ*, 15. Juli—15. Sept.) ist die Verdauungskraft geschwächt, daher lebe man diät, meide Tagesschlaf, körperliche Anstrengung, Beischlaf, die Sonnenhitze u. dgl., geniesse Gerste, Weizen und Reis nur alt, mit Wildpret und gekochten Brühen, medicinische Liqueure mit Honig und in kleinen Dosen, oder Wasser, das vom Regen herrührt oder vorher abgekocht wurde u. s. w.; Massage, Bäder, Aufenthalt an trockenen Plätzen u. s. w. werden auch angeraten. Im Sommer und in der Regenzeit ist der Mensch am schwächsten. Im Herbst (*śarad*, 15. Sept.—15. Nov.) geniesse man in mässigen Quantitäten süsse, leichte, kalte, bittere, die Galle verringernde Dinge, Wildpret, Reis, Gerste und Weizen, benutze das reine Wasser des Herbstes zum Waschen, Trinken und Baden, meide dagegen bittere Getränke, zerlassene Butter, Abführmittel, Blutentziehung, Fett und Öl, östliche Winde u. s. w. (C. 1, 6; Su. 1, 6; 6, 64; S. 1, 4; A. 1, 3; Vr. 81; Bh. 1, 1, 121 ff.).

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