Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c34.s2.11
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c34.s2.11
- Language
- German
c34.s2.11
§ 37. Psychologie und Kosmologie. — Die Philosophie der medicinischen Autoren ist im Wesentlichen die des Sāṁkhyasystems, ¹ wie es auch bezeichnend ist, dass Punarvasu C. 1, 13, 1 von Anhängern dieser Philosophie (*sāṁkhya*) umgeben seine Belehrungen spendet. So bezeichnet Su. 3, 1 das »Unentfaltete« (*avyakta*), das aus den 3 *guṇa*: *sattva*, *rajas* und *tamas* besteht, als die Entstehungsursache der ganzen Welt. Aus dem *avyakta* entsteht der »Grosse« (*mahān*), aus diesem der »Bewirker des Ich« (*ahaṁkāra*) in den drei Formen *vaikārika*, *taijasa* und *bhūtādi*. Aus der ersten Form des *ahaṁkāra* entstehen die 11 Sinne (*indriya*), nämlich 1. die 5 Wahrnehmungssinne: Gehör, Gefühl, Gesicht, Geschmack, Geruch; 2. die 5 Thatsinne: Reden, Greifen, Zeugen, Entleeren, Gehen, resp. die Organe für diese Sinne; 3. der innere Sinn (*manas*). Aus der dritten Form des *ahaṁkāra* entstehen die 5 *tanmātra* (»nur dieses«), d. h. die Grundstoffe des Tons, des Gefühls, der Farbe, des Geschmacks und des Geruchs, aus diesen die groben Elemente (*bhūta*) Luft oder leerer Raum², Wind, Feuer, Wasser und Erde. Hiermit sind die 24 Principien (*tattva*) erklärt. Hiervon sind *avyakta*, *mahān*, *ahaṁkāra* und die 5 *tanmātra* die 8 Grundformen (*prakṛti*), die übrigen 16 sind die Produkte (*vikāra*). Im Gegensatz zu den 24 vernunftlosen *tattva* ist das 25. mit Vernunft begabt (*cetayitā*), es ist die Seele (*puruṣa*). Wie der Grundstoff oder die Materie (*prakṛti*), so ist auch die Seele ohne Anfang und Ende, ewig und allgegenwärtig; während aber die Materie einheitlich, vernunftlos ist, aus 3 *guṇa* besteht, sich fortpflanzt und nicht neutral bleibt, giebt es eine Vielheit von Seelen, die alle mit Vernunft begabt, immateriell (*aguṇa*), unproduktiv und neutral sind. C. 4, 1 spricht von der Seele als dem *cetanādhātu*, der *puruṣa* genannt wird und aus den 24 obigen Elementen besteht. Der *puruṣa* ist anfangslos und ewig, auch die Bezeichnungen *ātman*, *kṣetrajña*, *vibhu*, *sākṣin* u. a. werden ihm beigelegt. Wenn es keinen *puruṣa* gäbe, gäbe es auch weder Licht noch Finsternis, weder Wahrheit noch Unwahrheit, keinen Veda, keine guten oder bösen Thaten, weder Freude noch Schmerz, weder Geburt noch Tod, weder Gebundensein noch Erlösung. Bei der Auflösung der Welt (*pralaya*) tritt auch bei dem *puruṣa* eine Rückbildung ein, der unentfaltete wird zum entfalteten und umgekehrt. Nach dem Tode hören die Äusserungen der Seelenthätigkeit wie Freude und Schmerz, Begreifen und Sicherinnern u. a. auf, der Körper ist nach dem Auszug der Seele gleichsam ein leeres Haus und vernunftlos. Über *avyakta*, *buddhi* (= *mahān*), *ahaṁkāra*, die 5 *tanmātra*, die 5 Wahrnehmungs- und 5 Thatsinne, das *manas*, die 5 groben Elemente (*khādīni*) und die 16 *vikāra* äussert sich C. ähnlich wie Su. In 4, 5 bespricht C. die Erlösung und die Mittel dazu. Nach C. 4, 6 ist der Körper ein Produkt der 5 groben Elemente (*mahābhūta* s. o.), unter der Leitung der Seele. Wenn das Gleichgewicht der Elemente gestört wird, leidet der Körper oder stirbt ab; Ab- oder Zunahme der einzelnen Elemente tritt ein durch nicht entsprechende oder entsprechende Ernährung u. dgl. In 1, 8 wird eingehend das Verhältnis der Sinne zum Geist oder inneren Sinn, *manas*, auch *sattva* oder *cetas* genannt, erörtert. Nur unter Führung des Geistes können die Sinne die ihnen zugänglichen Objecte erfassen. Wie der Geist oder Charakter sich bei jedem einzelnen Menschen gestaltet, hängt davon ab, welcher der drei *guṇa* (*sattva*, *rajas*, *tamas*) in ihm vorherrscht. Vgl. auch § 41.
Cites (2)
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit