Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s2.14
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s2.14
- Language
- German
c36.s2.14
Die Kolik (*śūla*), heutzutage in Bengalen ein häufiges Leiden, auch bei den besseren Klassen,¹ scheint in der älteren Pathologie (C. Su. S. A.) noch nicht als eine selbständige Krankheit zu gelten, obschon sie neben anderen Krankheiten wie Verstopfung, Durchfall u. dgl., oder als Symptom, sehr häufig erwähnt wird. Im weiteren Sinn werden unter *śūla* »Speer«, insbesondere »Speer des Śiva«, stechende Schmerzen jeder Art verstanden, wie z. B. *pārśvaśūla* »Seitenschmerzen«, *hṛdi śūlāni* »Herzweh« (B. 2, 79); häufig aber hat es, wie *parikartana*, *parikartikā* »das Schneiden«, die engere Bedeutung »Kolik, vom Darm oder Magen ausgehende heftige Schmerzen«. Nach M. 195—8 gibt es acht Arten von *śūla*, nämlich sieben von Störungen der drei Grundsäfte, einzeln, paarweise oder vereint, und eine Art von Verdauungslosigkeit (*āma*); hierzu kommen noch »Verdauungskolik« (*pariṇāmaśūla*) und »Kolik von Speise und Trank« (*annadravaśūla*). Die Schädlichkeiten, welche diese Zustände veranlassen, bestehen zumeist in verschiedenen Diätfehlern. *Pariṇāmaśūla* entsteht während der Verdauung, die Begleiterscheinungen sind bei Wind: Flatulenz, Aufgetriebenheit, Verstopfung, Harnverhaltung, Unlust, Zittern, wobei ölige und heisse Arzneien Erleichterung gewähren; bei Galle: Durst, Hitze, Unlust, Schweiss, Verschlimmerung bei Genuss von Scharfem, Sauerem oder Salzigem, Besserung bei Genuss von Kaltem; bei Schleim: Erbrechen, Übelkeit, Benommenheit, leichter, aber anhaltender Schmerz, Erleichterung bei Genuss von Scharfem und Bitterem. Bei *annadravaśūla*, Kolik, die während oder nach der Verdauung entsteht, macht es keinen Unterschied, ob man zuträgliche oder schädliche Speisen geniesst, isst oder fastet oder Diät hält, nur Erbrechen hilft (M. l. c.; V. 441 ff.; Bh. 2, 3, 1 f.). Zur Vertreibung von *śūla* werden Brechmittel, Fasten, Schwitzmittel, die Verdauung befördernde Mittel, Stuhlzäpfchen, Ätzmittel und Pillen empfohlen (Vr. 26, 1 == V. 442 == Cd. 180). Hemādri erwähnt auch eine Ceremonie, bei der einem Opferpriester ein goldener und silberner Speer (*śūla*) geschenkt und an den Speer die Aufforderung gerichtet wird, *śūla* im Bauch, den Seiten oder dem Rücken zu beseitigen (Caturvargacint. 1, 755—7).
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