Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s3.2
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s3.2
- Language
- German
c36.s3.2.1
Unter den Begriff des *udara* »Bauch« fallen z. T. den vier ersten *gulma* ähnliche Leiden. Von *udara* werden besonders an Verdauungsschwäche leidende Personen (*mandāgni*) befallen, indem in Folge unpassender Ernährung und anderer Schädlichkeiten die angesammelten Grundsäfte (*doṣa*) zwischen Haut und Fleisch eindringen und den Bauch stark aufblähen. Es gibt acht Arten von *udara*, mit den Vorboten: Appetitlosigkeit, süsser Geschmack, ölige und fette Speisen werden langsam verdaut, man merkt es nicht, ob die Verdauung vorüber ist oder nicht, erträgt keine Übersättigung, die Füsse schwellen etwas an, die Blase schmerzt, man ist kraftlos und kommt selbst bei geringen Anstrengungen ausser Atem, die Stühle sind angehalten, der Bauch wird selbst von leichter und spärlicher Nahrung aufgebläht, es treten die Adern darauf hervor, und die Falten verschwinden u. a. Weitere allgemeine Erscheinungen sind: Flatulenz, Unfähigkeit zu gehen, Schwäche, Verdauungsschwäche, Anschwellen der Füsse und Hände, Mattigkeit in den Gliedern, Verstopfung und Harnverhaltung, Hitze, Abspannung, Abmagerung. 1—4. Die speciellen Symptome der drei ersten *udara*, die auf den Grundsäften beruhen, unterscheiden sich hauptsächlich (cf. *gulma*) durch die dunkle, gelbe oder weisse Färbung der Haut und der Bauchsadern;
c36.s3.2.2
bei einer Störung aller drei Grundsäfte, die auch durch Gift oder durch Liebeszauber, bestehend in der Nahrung beigemischten Nägeln, Haaren, Urin, Kot, Menstrualblut von Frauen, verursacht sein kann, wird der Kranke bleich, magert ab und leidet an Durst. 5. *plīhodara* »Milzbauch« beruht auf einem Herabsinken und einer Vergrösserung der Milz, die hart wie Stein und gewölbt wie der Rücken einer Schildkröte die linke Seite des Bauchs ausfüllt, mit heftigen Beschwerden; die gleichen Symptome auf der rechten Seite heissen *yakṛddālyudara* »Leberanschwellung«. 6. *baddhaguda* »verstopfter After« entsteht durch verstopfende Speisen oder durch Haare oder Steine in den Speisen, indem sich dadurch der Kot im After anhäuft und nur in kleinen Quantitäten unter Beschwerden herauskommt, mit Durst, Hitze u. s. w. und Bildung einer Geschwulst zwischen dem Nabel und Herzen. 7. *parisrāvyudara* »fliessender Bauch« oder *chidrodara* »Riss-Bauch« entsteht durch Gräten, Knochen, Holz, Gräser und andere Fremdkörper (*śalya*) in den Speisen, welche die Eingeweide verletzen und das Auslaufen einer Flüssigkeit aus dem After mit den Faeces und eine Anschwellung unter dem Nabel bewirken, mit Verdauungslosigkeit und anderen Beschwerden. 8.
c36.s3.2.3
*udakodara*, *dakodara*, *jalodara* »Wasserbauch« entsteht durch das unzeitige Trinken von kaltem Wasser, indem der Bauch sich, wie mit Wasser gefüllt, stark vorwölbt, so dass er sich wie ein gefüllter Wasserschlauch anfühlt und anhört, mit Durst, Appetitlosigkeit, Ausfluss und Schmerzen am After, Schwäche, Husten und Asthma, Anschwellen der Füsse u. s. w. Dies ist die Bauchwassersucht, die schon in den Vedas von Varuṇa, dem Gott des Wassers, über den Sündigen verhängt wird, auch bei Manu 8, 82 als die »Fesseln des Varuṇa« erscheint, mit denen er den Meineidigen umschnürt. Auch bei den anderen *udara* kann Wasser entstehen, und sie sind dann in der Regel unheilbar, ebenso angeborene *udara*; an *baddhaguda* und *chidrodara* stirbt man meist nach 14 Tagen, von den übrigen *udara* sind die von Wind, Galle, Schleim, Milz, allen Säften, Wasser eines gefährlicher als das andere; verhängnisvolle Symptome sind auch Verbreitung der Geschwulst über alle gefährlichen Stellen des Körpers, die Haut feucht und dünn, Schmerzen in den Seiten, Kräfteverfall, geschwollene Augen, Durchfall und Erbrechen u. a. Wenn die leichteren Mittel erfolglos bleiben, soll bei dem von allen Säften herrührenden *udara* Gift, mit Getränken oder Speisen vermischt, oder in einer Frucht, in die eine zornig gemachte Schlange hineingebissen hat, dem Kranken gegeben werden; doch muss der Arzt hierzu die Erlaubnis seiner Freunde, Verwandten, Gattin, oder der Brahmanen, des Königs, der Guru einholen.
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Bei *baddhaguda* oder *chidrodara* soll der Arzt, auch hier nach eingeholter Erlaubnis, mit einem entsprechend grossen Messer den Bauch auf der linken Seite vier *aṅgula* (Fingerbreiten) unterhalb des Nabels aufschneiden (Laparotomie), die Gedärme vier *aṅgula* breit blosslegen und herausziehen, sie dann untersuchen und das eingedrungene Haar, den Kot, Stein u. dgl. beseitigen, bei *chidrodara* ebenso den Fremdkörper entfernen, den Ausfluss abwischen und die wunden Stellen von schwarzen Ameisen beissen lassen, worauf er ihre Körper abreisst, die Köpfe aber innen stecken lässt. Hierauf bestreiche er die Gedärme mit Honig und Butter, bringe sie wieder an ihren Platz und nähe die äussere Wunde des Bauchs zu (C. Su. S. A.). Bei »Wasserbauch« soll der Arzt, ebenfalls mit Erlaubnis, dem Kranken, während Freunde ihn festhalten und sein Leib bis zur Achselhöhle mit einem Tuch umwunden ist, links vier *aṅgula* unterhalb des Nabels mit einem *vrīhimukha* (»Reiskornspitze«, Trokar) einen Einschnitt machen, so tief als der breite Teil des Daumens, hierauf eine Röhre von Zinn oder anderem Material oder einen Federkiel hineinstecken und das Wasser der Wassersucht abzapfen, aber nicht auf einmal, da sonst Durst, Fieber und andere Complicationen entstehen würden, sondern allmählich binnen 16 Tagen. Die Wunde ist mit Öl und Salz einzureiben und zu verbinden und um den Leib ein Tuch zu wickeln. Die Diät soll sich sechs Monate lang auf Milch beschränken, nach einem Jahr tritt Genesung ein (C.
c36.s3.2.5
6, 13; Su. 2, 8; 4, 14; S. 3, 12; 4, 17; A. 3, 12; 4, 15; M. 236—42; Bh. 2, 3, 78—86; V. 535—61).