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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s7.3

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s7.3

Language
German

c36.s7.3

§ 61. *Auszehrung und Lungenschwindsucht.* — Die Schwindsucht, noch jetzt einer der Hauptfeinde der Menschheit in Indien¹, »wird von manchen anderen Krankheiten begleitet und steht vielen anderen Krankheiten voran, heisst die Königskrankheit² (*rājayakṣman*), Schwindsucht (*kṣaya*), Auszehrung (*śoṣa*) und der Krankheiten König« (*rājarāṭ*. S. 3, 5, 1 -- A. 3, 5, 1). Auch die kürzere Bezeichnung *yakṣman* kommt vor, wie in den Vedas neben *yakṣma* die Composita *rājay.*, *ajñātay.*, *pāpay.* erscheinen; doch hat das vedische *yakṣma* wie die meisten urverwandten Wörter (z. B. asl. *jedza* »Krankheit«) wohl noch die Bedeutung »Krankheit« im Allgemeinen³. Schon vedisch ist auch die Sage, welche die Schwindsucht zuerst an dem periodisch dahinschwindenden Mond aufgetreten sein lässt⁴. Gewöhnlich werden vier Entstehungsarten dieses Leidens aufgezählt: übermässige körperliche Anstrengung, Unterdrückung der natürlichen Ausscheidungen, Schwinden der Grundbestandteile des menschlichen Körpers wie Samen, Lebenskraft u. a., und schädliche Speisen und Getränke. Nach einer anderen Version entsteht die Auszehrung durch sexuelle Ausschweifungen, Kummer, hohes Alter, körperliche Anstrengungen, weite Märsche, Fasten, Geschwüre und Wunden in der Brust (Su. 6, 41, 14). Die Anfangserscheinungen sind: Schnupfen, starkes Niesen, Schleim, süsser Geschmack im Munde, Verdauungs- und Körperschwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit nach dem Genuss gewisser Speisen, Erbrechen, Abnahme der Kräfte trotz Essens, Anschwellen der Füsse und des Mundes, auffallende Weisse der Augen, Verlangen nach Frauen, geistigen Getränken und Fleisch, Missstimmung, ungewöhnliches Wachsen der Nägel und Haare, der Kranke wird im Traum von Motten, Eidechsen, Schlangen, Affen, Raubtieren und Vögeln verfolgt u. a. Dann folgen die elf charakteristischen Symptome der Schwindsucht: Schnupfen, Asthma, Husten, Schmerzen in der Schulter und am Kopf, nebst Appetitlosigkeit, wenn die Krankheit oben ihren Sitz hat, häufigen aber festen Ausleerungen, wenn sie unten ihren Sitz hat, Erbrechen, wenn sie in den Eingeweiden, Seitenschmerzen, wenn sie auf der Seite, Fieber, wenn sie in den Gelenken sitzt (S. A.). Eine andere Aufzählung nennt: Schmerzen in den Schultern und Seiten, Brennen an Händen und Füssen, Fieber am ganzen Körper (M. 113 f.). Su. 6, 41, 9 unterscheidet sechs Symptome: Widerwillen gegen Nahrung, Fieber, Asthma, Husten, blutiger Auswurf und Heiserkeit. Ein von Alter Schwindsüchtiger ist mager, kraftlos, geschwächt an Verstand, Körperkraft und Sinnen, zitterig, appetitlos, seine Stimme dünn, wie wenn man auf ein zerbrochenes Metallgefäss schlägt, sein Speichel enthält keinen Schleim, er wird von Schwere und Unbehagen gequält, aus seinem Mund, seiner Nase und seinen Augen kommt Ausfluss, seine Stühle und seine Haut sind trocken und rauh. Bei Wunden (*kṣata*) in der Brust (Pneumonie?), die durch anstrengende Bewegungen, Lastentragen, (lautes) Lesen, Stoss oder Schlag, sexuelle Ausschweifungen oder (sonstige) Überanstrengung entstehen, kommt Blut, Eiter und Schleim, beim Husten erbricht der Kranke Gelbes, Rotes, Schwarzes und Braunes, seine Brust schmerzt und er fühlt sich sehr elend durch Glut im Körper, sein Mund und sein Atem sind übelriechend, seine Hautfarbe bleich, seine Stimme gebrochen (Su. 6, 41, 14—24).

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