Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s9: § 64. Kehlkopfkrankheiten
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s9
- Language
- German
§ 64. Kehlkopfkrankheiten
c36.s9.1
— Am häufigsten wird die Heiserkeit (*svarabheda*) erwähnt. Sie entsteht durch übermässig lautes Sprechen oder Recitiren, Gift, Verletzungen, Kälte, und zerfällt in sechs, auf den Grundsäften, Verfettung und Schwindsucht beruhende Arten. Die Stimme ist heiser, langsam und rauh wie ein Esel schreit, oder der Hals brennt, oder ist voll von Schleim und das Sprechen sehr erschwert, oder die Stimme wie von Rauch erstickt und ganz gehemmt, oder ganz im Hals steckend und unverständlich. Verordnet wird lauwarmes Wasser, zerlassene Butter und Melasse mit verschiedenen Zusätzen u. s. w. als Getränk, ferner Brech- und Purgirmittel, Klystiere und Nasenmittel, Räucherungen und Leckmittel u. a. (C. 6, 26, 112; Su. 6, 53; S. 3, 5, 272; 4, 7; A. 3, 5, 24—7; 4, 5, 46; M. 133—5; Vṛ. 13).
c36.s9.2
Unter *rohiṇī*, *rohiṇikā* (Rötung) ist eine starke, mit mannigfachen Schmerzen verbundene Geschwulst an der Zungenwurzel (im Hals?) zu verstehen, die spätestens nach drei Tagen den Tod bringt, von einem geschickten Arzt aber rasch geheilt werden kann (C.). Der Tod erfolgt durch Erstickung, indem Fleischauswüchse den Hals verschliessen. Es gibt auch leichtere Formen, namentlich eine durch Blut bewirkte, bei der zahlreiche kleine Pusteln auftreten. Die heilbaren Fälle sind mit Blutentziehung, Brechmitteln, Räucherungen, Mundwasser und Nasenmitteln zu behandeln (Su. Vṛ. Bh.). Durch eine Verhärtung des Schleims in der Kehle entsteht die Geschwulst *galagraha* (C.). Hiermit verwandt ist vielleicht *kaṇṭhaśālūka*, eine von Schleim herrührende, wie Dornen oder stechende Insekten (*śūka*) schmerzende, harte und rauhe Geschwulst in der Kehle, die durch Operation zu beseitigen ist. Eine Geschwulst oberhalb der Zunge, wie eine Zungenspitze geformt, heisst *adhijihva* und ist bei Eiterung gefährlich. Unheilbar ist die hohe und ausgedehnte Geschwulst *valaya*, die den Durchgang der Speisen verhindert. Ob der ebenfalls lebensgefährliche *balāsa*, der Atembeschwerden und Schmerzen hervorruft, dem vedischen *balāsa* entspricht, ist zweifelhaft, da *balāsa* auch allgemein den Schleim als Krankheitserreger bezeichnet. Direkt tödlich oder doch höchst gefährlich sind auch *śataghnī*, eine harte, schmerzhafte, den Hals versperrende Geschwulst mit vielen Fleischauswüchsen; *galavidradhi* »Abscess in der Kehle«, eine den ganzen Hals ausfüllende Geschwulst; *galaugha* »Kehlenschwellung«, auch eine grosse Geschwulst, die das Atmen, Essen und Trinken hindert; *svaraghna* »Stimmverderber«, eine Verstopfung der Luftwege durch Schleim, mit Heiserkeit, Asthma, Trockenheit; *māṃsatāna* »Fleischklumpen« (Polyp in der Kehle, B.-R.), eine herabhängende Geschwulst, die allmählich die Kehle ausfüllt u. a. Im Ganzen werden 18 Krankheiten der Kehle (*galaroga*) unterschieden, einschliesslich der fünf *rohiṇī*; ob auch Krupp und Diphtheritis dabei sind, lässt sich bei der Allgemeinheit der Beschreibungen nicht entscheiden (C. 1, 18, 32; Su. 2, 16, 45 ff.; 4, 22, 57 ff.; S. 6, 25, 270; A. 6, 21, 42 ff.; M. 346—50; Vṛ. 58, 53 ff.).
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