Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s1.4
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s1.4
- Language
- German
c4.s1.4
Während diese Mythen beweisen, dass die Inder, vielleicht schon um 300 a. Chr., jedenfalls aber schon in vorchristlicher Zeit, den Ursprung ihrer Schrift vergessen hatten, besitzen einige andere traditionelle Notizen einen grösseren positiven Wert. Die erwähnten Werke der Jaina enthalten eine Liste von 18 Alphabeten, und das Lalitavistara¹¹ zählt deren 64 auf, die zu Buddha's Zeiten existirt haben sollen. Unter den Namen der beiden Listen stimmen mehrere überein und sind besonders vier vorhanden, die, wie schon jetzt erkennbar ist, sicher auf historische Glaubwürdigkeit Anspruch haben. Neben der *brāhmī*-*bambhī* lassen sich noch zwei mit bekannten Schriftarten identificiren. Die *kharoṣṭhī*-*kharoṭṭhī* ist nach dem Fawanshulin¹² die von *Kharoṣṭha* »Eselslippe«¹³ erfundene linksläufige Schrift, welche früher »die Bactrische, Indobactrische, Arianische« u. s. w. genannt wurde. Die *drāviḍī*-*dāmiḷī* ist wahrscheinlich die teilweise unabhängige Abart der *brāhmī*, welche kürzlich auf den Reliquiengefässen aus dem Stūpa zu Bhaṭṭiprolu im Kistna-Districte¹⁴ gefunden ist. Ausser diesen drei ist der Name *puṣkarasārī-pukkharasāriyā* sicher historisch, da er sich augenscheinlich an das bei Pāṇini, Āpastamba u. a. vorkommende N. Gent. *Puṣkarasādi* oder *Pauṣkarasādi*, nordbuddhistisch stets *Puṣkarasāri*, anschliesst, womit ein oder mehrere alte Lehrer über Grammatik und Recht bezeichnet werden. Es ist nicht unglaubwürdig, dass ein Mitglied der Familie des *Puṣkarasad* sich in alter Zeit um die indische Schrift verdient gemacht und vielleicht das Alphabet umgestaltet hat.
Linked texts (3)
- Aṣṭādhyāyī — Pāṇini, Sanskrit
- Āpastambadharmasūtra — Āpastamba, Sanskrit
- Bhattiprolu