Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.18
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.18
- Language
- German
c4.s3.18
2) Ein entlehnter oder abgeleiteter Buchstabe wird verstümmelt, um ein Zeichen von ähnlichem Werte zu gewinnen: a) Aus *da*, Nr. 4, C. VI, a wird durch die Entfernung des unteren Endes das halbrunde *ḍa* der Kālsī-Version und der späteren südlichen Inschriften, C. VI, c, gebildet, ebenso aus dem nicht seitlich umgedrehten eckigen *da*, C. VI, g, das gewöhnliche eckige *ḍa*, C. VI, h, der A. Ed. (WEBER). b) Aus *tha*, Nr. 9, C. V wird *ṭha*, C. VI, a, durch Entfernung des Punktes im Centrum abgeleitet, und aus dem letzteren *ṭa*, C. VI, b, durch Halbīrung. Die Bildung des *ṭa* durch halbirtes *ṭha* wird dadurch veranlasst sein, dass die Aspiration häufig durch eine Curve ausgedrückt wird (s. u. 5). Das runde *ṭha* wurde deshalb als das Produkt eines unaspirirten Buchstabens und einer Aspirationscurve aufgefasst (WEBER). c) Aus dem dreieckigen *E*, Nr. 16, C. V, c—e, wurde das aus drei Punkten bestehende *I*, C. VI, B, a—c, gebildet, indem die Gestalt des älteren Zeichens durch die Punkte leicht angedeutet wurde (PRINSEP), wozu der Umstand beitrug, dass grammatisch *e* der Guṇavocal von *i* ist und deshalb eine leichtere Form des *E* zur Bezeichnung von *I* passend erschien. d) Durch Halbīrung des unteren Teiles von *va*, Nr. 6, C. V, b, wurde mit Regularisirung des am Fusse übrig bleibenden Striches das Zeichen für *U*, C. VI, a gewonnen, wozu die grammatische Thatsache, dass *u* in schwachen Formen häufig für *va* eintritt (*samprasāraṇa*), den Anstoss gab. e) Falls der später (Tafel IV, 38, VI) oft erscheinende kleine Kreis die ursprüngliche Form des Anusvāra, Nr. 13, C. VI, a—b, und der Punkt ein cursives Substitut dafür ist, so darf das Zeichen vielleicht als ein verstümmeltes kleines *ma*, C. V, a, angesehen werden, dessen oberer Winkel weggelassen ist. Ähnlich werden vocallose Consonanten während der ersten Jahrh. p. Chr. häufig durch kleine oben verstümmelte Zeichen ausgedrückt (s. Tafel III, 41, VIII), und es ist zu beachten, dass auch der Anusvāra der Kharoṣṭhī aus *ma* abgeleitet ist, s. § 9, B. 4.