Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.2
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.2
- Language
- German
c4.s3.2
Unter den Erklärungsversuchen dieser Art steht J. Halévy's an und für sich bedenkliche Theorie mit den oben besprochenen litterarischen und paläographischen Zeugnissen im Widerspruch, welche keinen Zweifel darüber lassen, dass die Brāhmī mehrere Jahrhunderte vor dem Anfange der Maurya-Periode allgemein gebraucht wurde und eine lange Geschichte gehabt hatte, sowie mit der Thatsache, dass unter den mit Inschriften versehenen Münzen eine grössere Anzahl älter als die Maurya-Periode ist. Schwieriger ist es, zwischen Weber's Ableitung aus dem ältesten nordsemitischen Alphabet und Deecke-Taylor's Ableitung aus einer alten südsemitischen Schrift die Wahl zu treffen. Weder die eine noch die andere kann als *a priori* unmöglich abgelehnt werden, da die Resultate der neueren Forschungen auch für das sabäische Alphabet ein sehr hohes Alter wahrscheinlich machen⁸ und darauf hindeuten, dass es nicht bloss älter ist als die ältesten indischen Inschriften, sondern auch zu einer Zeit existirte, aus der keine Zeugnisse über den Gebrauch der Schrift in Indien vorhanden sind. Nach diesen Ergebnissen stellt sich die Frage jedoch etwas anders als früher. Es handelt sich nicht mehr darum, ob die Brāhmī aus einem unbekannten Vorläufer des sabäischen Alphabetes abzuleiten ist, sondern um die directe Ableitung der indischen Zeichen aus den sabäischen Buchstaben. Bei allen Ableitungsversuchen sind besonders drei Grundsätze im Auge zu behalten, ohne welche eine befriedigende Lösung der Aufgabe nicht möglich ist.