Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.6
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c4.s3.6
- Language
- German
c4.s3.6
Wendet man diese Grundsätze auf die Ableitung der Brāhmī aus semitischen Zeichen an, so passt das sabäische Alphabet, sowie seine vielleicht etwas altertümlichere Abart, das lihyanische oder thamudäische⁹, trotz der unleugbaren Ähnlichkeit im Ductus und in zwei oder drei Buchstaben durchaus nicht. Die in den Arbeiten DEECKE'S und TAYLOR'S vorgeschlagenen Ableitungen entsprechen den unerlässlichen Bedingungen nicht und es dürfte überhaupt nicht möglich sein, selbst wenn alle unrichtigen Gleichsetzungen beseitigt und überall die ältesten indischen Zeichen zur Vergleichung verwendet werden, befriedigende Resultate zu gewinnen. In mehreren Fällen, wie bei *A*—*Aleph*, *ga*—*Gimel*, *ja*--*Zain*, *tha*—*Teth*, *pa*—*Phe*, *kha*--*Qoph*, *Ra*—*Resch*, würde es nötig sein, anzunehmen, dass auf indischem Boden Rückbildungen aus den sabäischen Formen in ältere nordsemitische stattgefunden hätten, während es bei anderen nicht gelingen würde, zwischen den sehr verschiedenen Formen der indischen und sabäischen Zeichen eine Verbindung herzustellen. Dagegen fallen diese Schwierigkeiten bei der directen Ableitung der Brāhmī aus dem ältesten nordsemitischen Alphabete weg. Die wenigen unhaltbaren Gleichsetzungen, welche der frühere Versuch enthält, lassen sich mit Hülfe von neu aufgefundenen Formen beseitigen und es ist nicht schwierig, die Principien zu erkennen, nach denen die semitischen Zeichen in indische verwandelt sind.