Pramāṇa · Search · About · API

Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s3.1.1

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s3.1.1

Language
German

c5.s3.1.1

Die Richtung der Kharoṣṭhī von rechts nach links liess von Anfang an keinen Zweifel darüber, dass die Grundlagen derselben von den Semiten entlehnt sind, und die grosse Ähnlichkeit mehrerer Buchstaben, wie *da*, *na*, *ba*, *ra* und *va*, mit aramäischen Zeichen veranlasste E. Thomas, eine engere Verbindung der Kharoṣṭhī mit diesen zu vermuten¹. Diese Ansicht ist unbestritten geblieben, neuerdings aber durch I. Taylor und A. Cunningham genauer gefasst, indem sie die Einführung der aramäischen Schrift in Indien den ersten Achämeniden zuschreiben². Hiefür sprechen folgende Gründe. 1) Die A. Ed. aus dem Panjab gebrauchen für »Schrift, Edict« das Wort *dipi*, eine Entlehnung aus dem Altpersischen, und bilden daraus für »schreiben« und »schreiben lassen«, *dipati* und *dipapati*, vgl. o. § 2, B. 2) Das Gebiet, auf welchem, insbesondere in der älteren Zeit, die Kharoṣṭhī vorkommt, umfasst gerade die Teile von Indien, die wahrscheinlich den Persern von ca. 500—331 a. Chr., sei es mit oder ohne Unterbrechung, unterworfen waren. 3) Unter den persischen *Sigloi* finden sich solche mit einzelnen Buchstaben sowohl der Kharoṣṭhī als auch der Brāhmī³, was auf Prägungen in Indien während der Perserzeit schliessen lässt, sowie auf einen längeren Gebrauch der Kharoṣṭhī im 4. Jahrh. a. Chr., wofür auch einige starke Varianten der Buchstaben des 3. Jahrh. und die stark abgeschliffenen Formen mehrerer Ligaturen, wie *sta* und *spa*, deutlich zeugen, s. u. § 11.