Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s6.3
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c6.s6.3
- Language
- German
c6.s6.3
Dieser Schrift sehr ähnlich ist die der C. X—XI aus den Nasik-Inschriften des Andhrakönigs Gotamīputa Sātakaṇi (Nr 11 a—b), der die Kṣaharāta-Dynastie, vielleicht Nahapāna und Uṣavadāta selbst, vernichtete, und seines Sohnes Siri-Puḷumāyi oder Pulumāi oder Puḷimāvi (Nr. 14), der von Ptolemaeus unter dem Namen Siri-Polemaios oder -Polemios erwähnt wird⁸. Der einzige wesentliche Unterschied tritt in dem dreieckigen *dha* (24, XII; vgl. C. VII) hervor, das übrigens keineswegs constant ist. Ungefähr denselben Typus zeigen C. XII aus der Nasik-Inschrift des etwas späteren Andhrakönigs Gotamīputa Siriyaña-Sātakaṇi, C. XIII, aus der undatirten Inschrift Nasik, Nr. 20, und C. XIV aus Nasik Nr. 12, welche unter der Regierung eines Ābhīrakönigs Īśvarasena verfasst wurde⁹. In C. XII findet sich jedoch abweichend ein aus einer verschleiften Form entstandenes *ta* (21), ein verschleiftes *na* (25), dessen Ductus von der nördlichen Form in C. IV abweicht, ein *ra* mit stärkerer Curve (32) und ein nach links gebogenes *la* (33), ferner in C. XIII ein verschleiftes *ta*, und in C. XIV aus verschleiften Formen entstandenes *ta* und *na*, *ya* mit Curve links, nach links gebogenes *la*, cursives suffigirtes *ña* in *jñaḥ* (40) und ein dem nördlichen *ṛ* ähnliches *u* in *du* (23), das in etwas anderer Form in späteren Inschriften vorkommt, vgl. z. B. *bhuï* in T. VII, 30, XII, und das *ū* in *tū*, T. III, 21, XVII, XIX. Von der dritten Varietät, der verschnörkelten, geben C. XV—XVI aus den undatirten Inschriften von Kuda (Nr. 1—6, 11, 20) und von Junnar (Nr. 3) zwei etwas verschiedene Proben. Beide stimmen in der ornamentalen Behandlung von mittlerem *i* und *ī*. Die Kuda-Inschriften dehnen dieselbe aber auch auf die Enden aller langen Verticalstriche aus und zeigen Einkerbungen in den linken Verticalstrichen von *pa* (26) und *ba* (28, vgl. C. VI). In C. XVI ist auch das zweiteilige suffigirte *ya* in *yya* (40) und das *śa* mit der horizontalen Barre in *śrī* für *ṣrī* (41; vgl. 35, III—V und 41, V) beachtenswert. Ornamentale Formen, die denen der C. XV—XVI gleichen oder nahe kommen, finden sich auch in den annähernd datirbaren Inschriften des Andhrakönigs Puḷumāyi, Karle, Nr. 20, 22, und des Ministers der Gemahlin seines Nachfolgers Vāsiṭhīputa Sātakaṇi, Kaṇheri, Nr. 11, von denen die beiden ersten auch das verschleifte *ta* und ein *ṇa*, wie das von C. XVII zeigen, die letztere aber die zierliche Schrift der Kṣatrapa-Inschriften. Es ist somit zweifellos, dass alle drei Varietäten während des 2. Jahrh. p. Chr. im westlichen Dekhan und im Konkan zugleich gebraucht wurden¹⁰, und die Inschriften des Amarāvatī-Stūpa¹¹ beweisen, dass sich ihr Gebrauch auch auf die Ostküste von Indien erstreckte. Der Gebrauch jüngerer Schrifttypen neben einem älteren mit sporadischen weiter entwickelten Zeichen wird, wie in anderen Fällen, durch das Streben nach archaischen Formen für epigraphische Zwecke zu erklären sein.