Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s3.1
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c7.s3.1
- Language
- German
c7.s3.1
Um den Anfang des 6. Jahrh. erscheinen in den nördlichen Inschriften des Ostens wie des Westens, T. IV, C. X—XII¹, deutliche Ansätze zu einer neuen Entwicklung, welche zunächst zu den Formen der Gayā-Inschrift von 588/9 p. Chr., T. IV, C. XIII—XIV, und der wahrscheinlich nicht viel späteren Praśasti von Lakkha-maṇḍal, T. IV, C. XV—XVI, führt². Characteristisch für dieselbe ist, dass die Zeichen meist schräg von links nach rechts gelegt sind und am unteren oder rechten Ende spitze Winkel zeigen, sowie dass auf die oberen Enden der Verticalstriche durchweg kleine Keile aufgesetzt sind und auch die unteren Enden verticaler oder schräger Striche, wie oft im Bower-MS., keilförmig gemacht oder doch von links nach rechts abgeschrägt werden. Diese Eigentümlichkeiten finden sich in einer grossen Anzahl von Inschriften der nächsten vier Jahrhunderte wieder und ich möchte danach die Charactere der ganzen Gruppe unter dem Namen des »spitzwinkligen« Typus zusammenfassen. Früher³ ist derselbe oft »Nagelkopftypus« (nailheaded) genannt worden. FLEET dagegen sagt in seiner Ausgabe der Gayā-Inschrift⁴ nur, dass die Zeichen der nördlichen Classe von Alphabeten angehören. Vielleicht hiess dieser Typus in Indien selbst Siddhamātṛkā (*lipi*). Denn Bērūnī⁵ berichtet, ein Alphabet dieses Namens sei zu seiner Zeit (ca. 1030 p. Chr.) in Kashmīr und Benares gebräuchlich gewesen, während die Nāgarī in Mālva verwendet sei. Wenn die in Benares gewöhnliche Schrift der von Kashmīr ähnlich war, so kann sie die langen Deckstriche nicht gehabt haben, welche die Nāgarī stets characterisiren. Bērūnī's Angaben sind leider zu ungenau, um die Frage mit voller Sicherheit zu entscheiden.