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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c9.s2.9

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c9.s2.9

Language
German

c9.s2.9

B. Die decadischen Ziffern. — Für das decadische oder Stellensystem, das jetzt mitunter *aṅkapallī* genannt wird, und dessen Ziffern *aṅka* heissen, wurden zuerst die Einer der eben beschriebenen Buchstabenzahlen nebst dem Zeichen der Leere oder Null²³ (*śūnyabindu*, gekürzt *śūnya* oder *bindu*, vgl. BW.) verwendet. Es ist wahrscheinlich eine Erfindung der indischen Astronomen und Mathematiker, die mit Hülfe des Abacus gemacht sein wird (Burnell, Bayley). Wenn Hörnle's sehr wahrscheinliche Schätzung des Alters der im Bakhshālī-MS. enthaltenen Schularithmetik richtig ist²⁴, so geht sie auf, oder vor den Anfang unserer Ära zurück. Denn in diesem Werke wird das Stellensystem durchweg gebraucht. Es war ferner Varāhamihira (6. Jahrh. p. Chr.) bekannt, da er das Wort *aṅka*, »die decadischen Ziffern« für 9 gebraucht (Pañcasiddhāntikā, 18, 33, vgl. § 35 A). Sein wesentlichster Bestandteil, die Null, wird in Subandhu's Vāsavadattā erwähnt, die von Bāṇa (ca. 620 p. Chr.) als ein berühmtes Werk gepriesen wird. Subandhu vergleicht die Sterne »mit Nullen (*śūnyabindavaḥ*), die der Schöpfer bei der Berechnung (des Wertes) des Alls wegen der absoluten Wertlosigkeit des Saṃsāra mit seiner Kreide -- der Mondsichel — überall auf das Firmament einzeichnete »das die Finsternis einem Tintegeschwärzten Felle ähnlich machte.«²⁵ Die Null, welche Subandhu beschreibt, bestand natürlich aus einem Puncte, wie die des Bakhshālī-MS. (C. IX). Das älteste epigraphische Beispiel des Gebrauches der decadischen Ziffern findet sich in der Gurjara-Inschrift von Saṃvat, d. h. Cedi-saṃvat 346 oder 595 p. Chr.²⁶, wo die Zeichen (C. I) den Buchstabenzahlen der Periode und Gegend entsprechen, vgl. die Valabhī-Col. der Taf. IX²⁷. Das letztere gilt auch für die 2 im Monatsdatum der oben (S. 75) erwähnten Cicacole-Kupferplatten, in dem auch die kreisförmige Null vorkommt, während ihre 8 ein Cursivzeichen aus *pu* ist. In einer andern Inschrift des 8. Jahrh. den Sāmaṅgaḍh Kupferplatten von Śakasamvat 675, treten nur zum Teil stark veränderte Cursivzeichen (C. II) auf. In den Proben²⁸ aus Inschriften des 9. und späterer Jahrh. (C. III—VIII und XIII), wo der Gebrauch der decadischen Ziffern die Regel wird, finden sich auch nur Cursivzeichen und dieselben zeigen im 11.—12. Jahrh., wie eine Vergleichung der westlichen in C. VII, der östlichen in C. VIII. und der südlichen in C. XIII lehrt, locale Unterschiede. Alle die gegebenen Ziffern sind aber entweder direct aus den Zeichen des älteren Systems oder aus gleichwertigen Buchstaben entwickelt. Das letztere gilt von der 9 in C. III, V, VI u. s. w., die häufig in späteren Inschriften als *O* in *Om* vorkommt, vgl. z. B. IA, 6, 194 ff., Nr. 3—6. Unter den Proben aus Handschriften in C. IX—XII zeigt die aus dem Bakhshālī MS. noch die alte 4 und 9. Für die tamulischen Ziffern, welche von denen des gewöhnlichen Systemes stark abweichen und die alten Zeichen für 10, 100 und 1000 bewahren, vgl. BURNELL, op. cit., 68 und Pl. 23.

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