Pramāṇa · Search · About · API

Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c9.s2.8

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c9.s2.8

Language
German

c9.s2.8

Diese Thatsachen, sowie die Unvollständigkeit der Überlieferung für die älteste Zeit machen eine sichere Erklärung des Ursprungs des Systems für jetzt sehr schwierig. BHAGVĀNLĀL INDRĀJĪ vermutete, dass es indischen Ursprungs sei und auf einer besonderen Verwendung der Buchstaben und Silben zur Zahlbezeichnung beruhe, obschon er in den andern indischen Systemen derselben Art keinen Schlüssel zu finden vermochte, und ich schloss mich 1877 dieser Ansicht an. Auch KERN²¹ stimmte im allgemeinen bei, erklärte aber die Zeichen für 4 und 5 als in Buchstabenform gebrachte Anordnungen von vier und fünf Strichen. BURNELL dagegen leugnete, dass die älteren »Cave numerals«, ausser in seltenen Fällen, Silben ähnlich sind und betonte die Unmöglichkeit ein Princip zu finden, nach dem der Gebrauch der in den MSS. ohne Zweifel verwendeten Silben zur Bezeichnung von Zahlen erklärt werden kann. Er wies auf die Übereinstimmung der Principien des Systems mit denen des demotischen der Ägypter hin, welches (wie auch das ältere hieratische) besondere Zeichen für 1—9, 10—90, 100 und 1000 (aber auch für 10000 u. 100000) besitzt. Er gelangte hiedurch sowie durch die Ähnlichkeit der demotischen Zeichen für 1—9 mit den indischen zu der »vorläufigen« Annahme, dass die »Cave numerals« aus Ägypten entlehnt, aber in Indien weiter entwickelt und schliesslich zu Silbenzeichen geworden seien. E. C. Bayley endlich suchte in seiner ausführlichen Abhandlung nachzuweisen, dass, obschon die Grundprincipien des Systems aus dem hieratischen der Ägypter stammen, nur wenige Zeichen aus dieser Quelle und aus dem hieroglyphischen Systeme entlehnt sind, die grössere Mehrzahl aber aus phönicischen, »bactrischen« (Kharoṣṭhī), oder akkadischen Zahlen und Buchstaben besteht, während für einige ein fremder Ursprung nicht nachzuweisen ist. Bayley's Erklärungsversuch bietet schon durch die Annahme von Entlehnungen aus vier oder fünf verschiedenen, teils älteren, teils späteren Quellen, grosse Schwierigkeiten. Seine Vergleichung der hieratischen Zahlzeichen mit den indischen und seine Bemerkungen über die Übereinstimmung der Inder und Ägypter in der eigentümlichen Bezeichnung der Hunderter bewegen mich, Bhagavānlāl's Hypothese aufzugeben und mit Burnell, dem sich auch Barth angeschlossen hat²², anzunehmen, dass die Elemente des indischen Systems aus Ägypten entlehnt sind. Wahrscheinlich sind sie aus den hieratischen Zeichen abzuleiten und es steht zu vermuten, dass die Inder dieselben in Buchstabenzeichen verwandelt haben, wozu die ihnen schon früher geläufige Bezeichnung von Zahlen durch Wörter (vgl. § 35 A) den Anstoss gab. Diese Ableitung, deren Einzelheiten im Anhange zur 2. Auflage meiner *Indian Studies III* gegeben sind, bietet allerdings nicht geringe Schwierigkeiten und ist keineswegs sicher. Sicher sind dagegen zwei wichtige Punkte, 1) dass die indischen Buchstabenzahlen, wie die Varianten in den A. Ed. und die 50 in der für die linksläufige Schrift passenden Stellung zeigen, schon im 3. Jahrh. a. Chr. eine längere Geschichte gehabt haben und 2) dass die Zeichen von brahmanischen Schulmännern entwickelt sind, da dieselben zwei Formen des der Schulphonetik angehörigen Upadhmānīya für 80 u. 90 einschliessen.

Linked texts (1)