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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.122

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.122

Language
German

c6.s1.122

Ist das Gesagte im grossen und ganzen alles, was uns die vedische Literatur über die Himmelswelt und ihr Aussehen zu erzählen weiss, so sind ihre Berichte über die Unterwelt noch um einiges dürftiger. Der grösste Teil der hier in Frage kommenden Stellen spielt nur auf einen mythischen urzeitlichen Kampf an, der von den Göttern, den Bewohnern der lichten Himmelsregionen, und ihren Gegnern, dem finstern Dämonengeschlecht der Asura, ausgefochten wurde ⁴), und ein paar andere Stellen besagen nur, dass die Götter der lichten Welthälfte als Sieger hervorgingen und die besiegten Asura zu dem untersten Dunkel oder zum Süden, jener Region, die zur Region der Götter, dem Norden, im Gegensatz steht, verbannt wurden ⁵), wodurch wohl erklärt werden soll, dass die Unterwelt der Wohn- und Machtbereich dieser zu den oberweltlichen Göttern in dualistischem Gegensatz stehenden Götterklasse wurde. Und wie ein naiver Glaube die lichten Himmelsräume mit ihren sinnlichen Freuden als endgültige Bestimmungsräume für jene annahm, die er im diesseitigen Leben als Gute und Fromme betrachtet hatte, so bestimmte er den Abgrund oder die schwarze oder tiefste Finsternis ⁶) der Unterwelt als den Strafort für den persönlichen Feind, in dem ein Volk auf primitiver Kulturstufe in seiner egoistischen Art ja stets den Bösen sieht. Wenn die Stellen der vedischen Literatur, die vom Schicksal des Übeltäters im Jenseits reden, verhältnismässig so nichtssagend und einsilbig sind, dass man lange die Existenz der Höllenidee für diese Zeit in Abrede stellte ⁷), so muss man doch logischer Weise die Wurzeln dieser Vorstellung, die in der Folge eine so gewaltige Rolle gespielt hat, bereits in jenem Zeitraume suchen, in der auch die korrespondierende Vorstellung von einem himmlischen Elysium entstanden ist.