Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.16
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.16
- Language
- German
c6.s1.16
Die Kugelform als beherrschendes Element des brāhmanischen Weltbildes in jüngerer Zeit. Deutlicher wie die Literatur der älteren Zeit äussern sich die Berichte der jüngeren Epoche der brāhmaṇischen Kosmographie in der epischen und didaktischen Literatur Indiens über die Kugelform des Weltalls. Nach diesen wird der unendliche Raum mit unzähligen von einander abgeschlossenen Weltbäuden angefüllt. Diese Welten heissen Brahma-Eier (brahmāṇḍa) ⁹) und haben, wie ja schon der Name selbst sagt, die Form eines Eies, wenn man nicht etwa annehmen will, dass das Wort „aṇḍa“ mangels eines geeigneteren und prä-ziseren Ausdruckes einfach die Kugelform bezeichnen sollte. In der Mitte soll die Erde mit ihren Kontinenten und Meeren liegen, darüber das Himmelsgebäude mit seinen verschiedenen Stockwerken, und die untere Hälfte des Welteies sollen die Unterweltsräume (Pātāla und Höllen) einnehmen. Der Horizontal-Durchmesser eines solchen Welteies mit der dasselbe umgebenden Eischale soll 50 Koṭi (=500 000 000) Yojana betragen ¹⁰). Ein solches Weltall bildet den eigentlichen Weltkern, der im Sinne der Sāṅkhya-Philosophie zwiebelförmig von den Schichten der groben Elemente (mahābhūta), nämlich dickem Wasser, dickem Feuer, dicker Luft und dem Äther, dann weiterhin von den feineren Schichten des Bhūtādi (d. i. Ahaṃkāra, Bewusstsein) und Mahān (d. i. Buddhi, Intellekt) umgeben wird, also von Schichten, die sich in dieser Reihenfolge vollkommen umschliessen, und deren Durchmesser nach aussenhin um das je Zehnfache zunimmt¹¹).