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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.33

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.33

Language
German

c6.s1.33

Die Erde, die nach Länge und Breite nur 1 Rajju misst, soll aus unzähligen Ringkontinenten und Ring-Ozeanen bestehen. Der Zentral-Kontinent Jambūdvīpa mit seinem Durchmesser von 100 000 Yojana gilt hinsichtlich der Ausdehnung als Einheit für die ihn abwechselnd umlagernden Ozeane und Kontinente, deren Breite vom Zentrum aus in geometrischer Progression zunimmt ¹). Die „Menschenwelt“, der Manusyaloka, umfasst nur die beiden innersten Kontinente Jambūdvīpa und Dhātakīkhanda und die innere Hälfte des dritten, Puṣkaradvīpa, sowie die sie trennenden Ringmeere Lāvaṇoda und Kāloda mit ihren Inseln ²). Ein gewaltiges unübersteigbares Ringgebirge auf dem letztgenannten Kontinente, das Mānuṣottara-Gebirge, trennt diesen Teil der Erde von der Aussenwelt ab ³). Innerhalb dieses abgeschlossenen Raumes gedeiht nur das Leben, bestehen nur die Existenzbedingungen für die Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt und wandern die Gestirne ihre Bahnen ⁴). Ausserhalb desselben gibt es kein Leben, stehen die Sonnen, Monde und Sterne, deren Anzahl von Kontinent zu Ozean und wieder von Ozean zu Kontinent im Verhältnis zu ihrer Ausdehnung proportionell zunimmt, ewig an derselben Stelle und herrscht trotz der phantastischen Ausstattung der dort liegenden Länder, zu denen nur die Bewohner der Himmelsregionen oder die dunklen dämonenartigen Gottheiten der Unterweltsräume Zutritt haben, eine ewig-tote Starre ⁵). Dieser Manusyaloka, der eine Ausdehnung von 4 500 000 Yojana hat ⁶), und der Jambūdvīpa mit seinem Durchmesser von 100 000 Yojana bilden hinsichtlich dieser Masse wieder eine gewisse Richtlinie für andere kosmische Zentralräume, deren Natur und Lage ausführlicher beschrieben werden soll. Kommt nun die Idee, dass die bewohnte Welt sich aus den genannten 3 Kontinenten und 2 oder 3 Ringmeeren zusammensetzt, eine gewisse, wenn auch nur imaginäre Berechtigung — über dieselbe soll später gesprochen werden ⁷) — zu, trotzdem sie auf falschen naturwissenschaftlichen Voraussetzungen fusst, so ist die Annahme von all jenen zahllosen nicht belebten Kontinenten und Meeren — für eine Reihe werden uns in den Texten nur die Namen berichtet — nur ein Produkt einer ins Groteske gehenden phantastischen Spekulation, für deren Wirksamkeit uns die jetzt zu erörternde Lehre über den Aufbau der Himmels- und Unterweltsräume entsprechende Gegenstücke liefert. Da aber nun die Spekulation immer erst später an eine ältere realere oder doch irgendwie begründete Vorstellung herantritt und diese mit ihren Ideen umspinnt, so dass der ursprüngliche Kern auf den ersten Blick kaum mehr zu erkennen ist, so darf auch jene Vorstellung von der Zusammensetzung der Menschenwelt gewiss als das Primäre gelten gegenüber der Idee von den zahllosen unbelebten Kontinenten, die die Spekulation erst später als das Sekundäre angebaut hat.