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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.43

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.43

Language
German

c6.s1.43

Wir wenden uns jetzt zur Betrachtung der Oberwelt. Der spindelförmige Bau derselben umfasst 10 resp. bei den Digambara 11 verschiedene Himmelsphären ⁸), die sich auf die 7 Rajju Höhe so verteilen, dass Saudharma und Īśāna die 1. Rajju, Sanatkumāra und Mahendra die 2. Rajju, Brahmaloka, Lāntaka die 3. Rajju, Śukra, Sahasrāra die 4. Rajju, Ānata und Prāṇata, Āraṇa und Acyuta die 5. Rajju, Adho-, Madhya- und Ūrdhva-Graiveyaka die 6. Rajju und Pañcānuttara die 7. Rajju einnehmen ¹). Diese Himmelssphären werden einerseits, wie ja schon die Aufzählung andeutet, zum Teil resp. bei den Digambara sämtlich in südliche und nördliche Hälften eingeteilt, von denen wieder jede als selbständige abgeschlossene Himmelsregion gilt ²), anderseits zerfallen sie insgesamt in 62 resp. nach der Lehre der Digambara in 63 verschiedene Etagen, deren Verteilung auf die einzelnen Himmelsphären von den beiden Jaina-Sekten verschieden angegeben wird ³). Jede Himmelsetage hat nun wieder eine ganze Anzahl mannigfach-geformter Wohnungen, Vimāna genannt, die im Raume so gruppiert sind, dass in der Mitte ein kreisrunder Indraka- oder Zentral-Vimāna liegt, von dem nach den vier Himmelsrichtungen Reihen von sogenannten Āvalikāpratiṣṭha- oder Pāṅkeya- oder Śreṇībaddha-Vimāna, d. h. Reihen-Vimāna strahlenförmig auslaufen ⁴). Die unterste Etage enthält nach jeder Hauptrichtung 62 Reihen-Vimāna, jede nächst höhere je eine weniger, bis endlich in der 62. Etage nach jeder Hauptrichtung nur mehr ein Reihen-Vimāna vorhanden ist ⁵). Die Zwischenräume zwischen den einzelnen Reihen werden von Puṣpavakīrṇa- oder Puṣpapakīrṇaka- oder einfach Prakīrṇaka-Vimāna, d. h. Füll-Vimāna eingenommen ⁶). Der Zentral-Vimāna der untersten Etage hat einen Durchmesser von 4 500 000 Yojana, liegt also der „Menschenwelt“ genau kongruent ⁷), und der Durchmesser des höchsten Zentral-Vimāna beträgt 100 000 Yojana ⁸), entspricht also hinsichtlich Grösse und Lage genau dem Jambūdvīpa. Der Breitenunterschied von 4 400 000 Yojana verteilt sich nun auf die dazwischen liegenden übrigen Zentral-Vimāna in Form einer arithmetischen Progression. Die Reihe der Zentral-Vimāna gleicht also einem über die „Menschenwelt“ gestülpten Trichter. Für alle übrigen Vimāna geben die Jaina-Schriften Grössenangaben nicht an, sondern sie teilen dieselben nur ein in Vimāna mit messbarer und unmessbarer Ausdehnung ⁹). Bedenkt man nun, dass die Zahl der Reihen- und Füll-Vimāna nach der Spitze zu von Etage zu Etage stetig abnimmt ¹⁰), so erscheint diese Einteilung auf den ersten Blick als ein Notbehelf der Spekulation, um der Idee der phantastisch grossen Rajju-Räume gerecht werden zu können. Fügt man dem dann noch bei, dass die horizontale Ausdehnung der einzelnen Himmelsetagen in der unteren Hälfte des spindelförmigen Himmelsraumes von 1 bis 5 Rajju zunehmen und in der oberen Hälfte wieder gleichmässig abnehmen soll, anderseits sich die Masse der Zentral-Vimāna diesen Grössenverhältnissen nicht anpassen, sondern von der Basis bis zur Spitze gleichmässig abnehmen, so ist die Schlussfolgerung berechtigt, dass auch hier wieder die Spekulation eine ursprünglich einfachere und natürlichere Vorstellung mit ihrem Beiwerk umwoben hat und so der zentrale Himmelstrichter, wenn ich mich so ausdrücken darf, das spekulative Ergebnis einer Umbildung der primären Vorstellung von der natürlichen Himmelskuppel darstellt.