Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.95
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.95
- Language
- German
c6.s1.95
Nur das buddhistische Weltbild der historischen Zeit scheint auf den ersten Blick eine abweichende Auffassung zu enthalten, die mit der eben skizzierten ursprünglichen Vorstellung von der Erde unvereinbar ist. Nach seiner Beschreibung liegt in der Mitte der zentrale Weltberg Meru, umgeben von sieben grossen durch Ringmeere getrennten goldenen Gebirgsringen, deren Höhe und Entfernung von einander nach innen hin in geometrischer Progression zunimmt. Diesen entsprechend verhält es sich dann auch mit der Tiefe und Breite der sie trennenden Ringmeere⁹). Den äussersten siebenten Gebirgsring umströmt der grosse den Menschen bekannte Ozean, in dem nach den Hauptrichtungen der Windrose einsam die vier von kleineren Inseln umgebenen Welteilande liegen sollen¹⁰). Diese Auffassung von der Erde ist nun keine natürlich gegebene, sondern sie dokumentiert sich auf den ersten Blick als ein Produkt der Spekulation. Auch das buddhistische System musste ursprünglich einmal von der Urform des Erdbildes, der zusammenhängenden Erdscheibe, ausgehen. Schon die Namen der vier Welteilande — im Osten liegt Pūrvavideha, im Süden Jambūdvīpa, im Westen Aparagodāna oder Aparagodānīya und im Norden Uttarakuru¹¹) — erinnern an Teile des einheitlichen brāhmanischen und jainistischen Erdbildes und weisen hierdurch schon darauf hin, dass sie ursprünglich einmal als eine zusammenhängende einheitliche Fläche vorgestellt und nur durch den Eintritt der Idee von den sieben Gebirgsringen und Ringmeeren auseinandergerissen wurden. Die Idee dieser Gebirgsringe und Ringmeere ist aber eine relativ junge, und der buddhistische Pāli-Kanon mit Ausnahme der jüngeren Jātaka und Pāli-Kommentare enthält noch keinerlei Angaben über dieselben, auch da nicht, wo man solche unbedingt erwarten sollte¹²), bietet aber anderseits einige Stellen, die noch deutlich die ältere Auffassung von der einheitlichen Erdscheibe erkennen lassen. So wird Aṅguttara-Nikāya 4. S. 89 und übereinstimmend Sutta-Nipāta S. 102 f. von einem Cakravartin gesprochen, der die vom Ozean umgebene Erde beherrscht¹³), Aṅguttara-Nikāya 4. S. 90 heisst es, dass dieser Cakravartin mit Gerechtigkeit in diesem Erdkreise (pathavīmaṇḍala) die Herrschaft ausgeübt habe¹⁴). Dīgha-Nikāya 2. S. 174 und 3. S. 60 wird von der Erde gesagt, dass sie vom Ozean umgeben sei¹⁵).
Cites (3)
- Suttanipāta — Pāli
- Dīghanikāya — Pāli
- Aṅguttaranikāya — Pāli