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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.24

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.24

Language
German

c6.s2.24

Auf die Idee der Dreizahl folgte nicht nur logisch, sondern auch chronologisch die der Siebenzahl. Da sie die letzte Phase der Entwicklung des babylonischen Weltbildes darstellt, so hat sie natürlich viel deutlichere Spuren in der Literatur hinterlassen. Die Kenntnis der sieben Planeten hat zweifellos die Vorstellung von den sieben Weltsphären erzeugt, die sich nicht nur in der Annahme von sieben Himmelswelten geäussert hat, sondern auch auf Mittel- und Unterwelt in Anwendung gebracht worden ist ⁵). Man teilte nämlich einerseits die Erde nach den vier Hauptrichtungen der Windrose in vier Erdquadranten ein ⁶), eine Einteilung, die jedenfalls die ältere ist, anderseits wird uns aber auch von einer solchen in sieben tubuqāti berichtet, wofür Jensen die Bedeutung „umschlossene Räume“ unzweifelhaft feststellt ⁷). Während nun dieser Gelehrte das Wort durch „sieben Welträume“ übersetzt und dieselben als sieben durch Mauern (?) getrennte „konzentrische Parallelzonen der (als Berg gedachten) Erde verstehen“ will ⁸), sind dieselben nach Hugo Winckler ⁹) ursprünglich als sieben übereinanderliegende Weltregionen anzusehen, die dann später auf die Erde übertragen worden seien. Es besteht nun kein Zweifel mehr, dass „die siebenstufigen Tempeltürme der Babylonier wie auch die mit 7 Mauern umgedachte Stadt Erech“ ähnlich wie die in Herodot I. 98 geschilderte Stadt Ekbatana die kosmische Idee von den 7 tubuqāti veranschaulichen sollen, und dass die Überlieferungen und Ausgrabungen in gegenseitiger Ergänzung zu der Schlussforderung berechtigen, dass jene „mit den sieben Planetengöttern und den diesen zugeschriebenen Farben in Verbindung“ gebracht worden sind ¹⁰). Endlich wurde die Idee der Siebenzahl auch auf die Unterwelt in Anwendung gebracht. In der Erzählung „die Höllenfahrt der Ištar“ wird berichtet, dass Ištar, um das Innere der „Totenstadt“ zu erreichen, sieben Tore durchschreiten musste und ebenfalls wieder sieben Tore, um hinauszugelangen ¹). Auch noch ein anderer Text spricht von den „sieben Türen der Erde“ und ihren sieben Verschlüssen. Hieraus darf man nun wohl „als Grundgedanken die Vorstellung herausschälen von einem weiten Raume mit Häusern bestanden und von einer Hauptmauer und sechs weniger hohen Mauern umgeben“ ²), wodurch also vielleicht eine Übertragung der tubukāti-Idee auf die Unterwelt dargestellt wird. Im Innern soll diese „Totenstadt“ einen Palast enthalten „wohl den Wohnsitz der Allatu“ (d. h. die Mächtige) ³) und ferner einen „dauernden Palast, worin die Anunaki, die Götter der unteren Welt hausen“. Als Ergänzung dieser bisher bekannten babylonischen Überlieferungen über die Unterwelt darf man jedoch auch die mit babylonischen Ideen stark durchsetzte jüdische Tradition ansehen, die nicht nur von sieben Pforten der Hölle berichtet, sondern geradezu sieben Höllen lehrt ⁴) und diese Vorstellung ihrerseits wieder an den Mohamedanismus weitergegeben hat ⁵).