Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2: Die Beeinflussung der indischen Systeme durch Babylon
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2
- Language
- German
Contents
- c6.s2.36 — 4 parts
Die Beeinflussung der indischen Systeme durch Babylon
c6.s2.1
Nachdem nun die drei Systeme der indischen Kosmographie in ihren Hauptzügen mit einander verglichen und ihre Ähnlichkeiten und Abweichungen im Ganzen nur als Folgen einer inkonsequenten Einführung bestimmter Ideen in ein ursprünglich einfaches und einheitliches Weltbild erkannt worden sind, ist es unsere nächste Aufgabe zu untersuchen, ob jene Ideen autochthon sind, d. h. ob sie selbständige Ergebnisse einer wenn auch primitiven einheimischen Wissenschaft darstellen oder ob sie das geistige Eigentum eines anderen Kulturvolkes sind und von den Indern uur übernommen und in ihrem kosmographischen System verwertet wurden.
c6.s2.2
Innere Gründe für die Annahme einer Beeinflussung in kosmographischer Beziehung. Der erste Teil dieser Doppelfrage lässt sich nun eigentlich schon durch folgende einfache Überlegung mit grosser Wahrscheinlichkeit in negativem Sinn beantworten. Zum Aufbau eines Weltsystems, mag dieses noch so phantastisch und unrichtig sein, gehört nämlich eine längere Beschäftigung mit Fragen, die diesen Gegenstand speziell betreffen. Mag die Spekulation in diesem System nun eine noch so grosse Rolle spielen, es wird und muss jedenfalls eine Reihe von Punkten enthalten, die auf Erfahrung beruhen. Je zahlreicher diese Punkte der Erfahrung sind, um so begrenzter ist das Feld, das der Spekulation für ihre Betätigung zur Verfügung steht und um so natürlicher und wahrer wird das ganze Bild sein. Sodann beruhen aber auch eine ganze Anzahl von Ideen, die auf den ersten Blick ein reines Produkt der Spekulation zu sein scheinen, wie z. B. jene von den sieben Himmelssphären letzten Endes ebenfalls auf der Erfahrung, nämlich auf der Kenntnis der sieben Planetenbahnen. Sie sind also weiter nichts, als unrichtige Schlussfolgerungen, die die Spekulation aus dieser Erfahrungstatsache gezogen hat. Würden sich die Inder nun ganz selbständig ihr kosmographisches System aufgebaut haben, so müssten sie hierzu eine Reihe von Erfahrungstatsachen gesammelt und sich deswegen längere Zeit hindurch rein theoretisch mit geographischen, astronomischen und ähnlichen Dingen beschäftigt haben, mochte diese Forschung auch mit den primitivsten Mitteln ausgeführt worden sein und auch nur halbrichtige Resultate geliefert haben. Eine derartige theoretische Beschäftigung hätte nun wenigstens einige literarische Niederschläge hinterlassen, mindestens aber in der uns erhaltenen Literatur einen gewissen empirischen Sinn ihrer Verfasser erkennen lassen müssen. Anstatt dessen bezeugen uns die älteren Literaturdenkmale aber nur ein Interesse für rein spekulative weltfremde Ideen und eine Abneigung für historische und reale Dinge. Was wir in ihnen über die Welt, ihre Teile oder ihr Aussehen erfahren, sind grösstenteils aber nur rätselhafte Andeutungen, Anspielungen und Vergleiche in rein spekulativem Zusammenhange, die gesammelt nur ein sehr mangelhaftes und lückenreiches Bild von den einstigen Vorstellungen über den Kosmos ergeben können. Die jüngere Literatur bietet uns dagegen teils ausführliche Traktate, die je nach ihrer Richtung übereinstimmend das Weltbild ausführlich behandeln, teils Andeutungen, die aber zu ihrem Verständnis die genaue Kenntnis des ganzen kosmographischen Systems voraussetzen; es finden sich jedoch nirgendwo Anhaltspunkte, die die Entstehung der einzelnen Ideen, die, wie in dem voraufgehenden Abschnitt ausführlich dargelegt worden ist, das erschlossene ursprünglich einfache Weltbild erweitert und entwickelt haben, irgendwie wirklich motivieren könnten. Wir finden nur Resultate, aber nicht die Lösung für dieselben. Infolgedessen ist schon aus inneren Gründen die Annahme berechtigt, dass die Hauptideen in Indien nicht selbständig entstanden, sondern von aussenher importiert und von den Indern in der ihnen charakteristischen Weise verarbeitet worden sind.
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Es haben nun auch schon mehrere Forscher die Ansicht ausgesprochen, dass die Inder hinsichtlich ihrer kosmographischen Anschauungen von aussen her stark beeinflusst worden seien. Meines Wissens hat als erster Karl Theodor Johannsen ¹) — der Vollständigkeit halber sei er erwähnt — die Kosmologie des Manu mit der des Moses verglichen und den gemeinsamen Ursprung dieser beiden Kosmologien angenommen. Mit mehr Autorität hat denn Albrecht Weber in seinem 1853 geschriebenen Aufsatze „Die Verbindung Indiens mit den Ländern im Westen“ ²) bei einem gelegentlichen Vergleiche des indischen Dvīpa- mit dem persischen Keshvar-System die Vermutung ausgesprochen, dass ersteres „etwa gleichzeitig mit den sieben Planeten und der siebentägigen Woche, in seleucidischer Zeit von den Chaldäern nach Indien übergegangen ist, in welch letzterem Falle die Annahme näher liegen würde, dass auch die Perser dasselbe ebenfalls von den Chaldäern entlehnt hätten“. Weiter sagt er in der „Analyse der in Anquetil du Perron’s Übersetzung enthaltener Upaniṣad ³)“ bei Besprechung der Nṛsiṃhatāpanīya-Upaniṣad: „Die Vermutung liegt nahe, dass die Siebenzahl [er spricht von den 7 Dvīpa] mit den sieben Planeten in Verbindung steht.“ Er habe bereits früher — die vorhin angeführte Stelle ist gemeint — „die Vermutung angestellt, dass der gemeinsame Ursprung“ des indischen und persischen Systems „bei den Chaldäern zu suchen sei“. Auch Friedrich Spiegel ¹) konnte sich die selbständige Entstehung des indischen Dvīpa- und des ihm sehr ähnlichen persischen Keshvar-Systems in Indien und Iran nicht gut vorstellen und hielt es für möglich, „dass die beiden arischen Völker dies Weltsystem von aussen her empfangen haben“. Sodann vertritt P. Jensen in seinem Werke „Die Kosmologie der Babylonier“ ²) die Ansicht, dass das indische und das persische Weltsystem babylonischen Ursprungs sei, und auch Ernst Leumann, der dem genannten Werke ³) einen kurzen Abriss über die kosmographischen Anschauungen der Inder beigefügt hat, sagt am Schlusse desselben, „dass in den früheren Jahrhunderten unserer Zeitrechnung von irgend welcher Seite her das Dogma von der Siebenzahl der Erdteile eindrang, welches die Jaina unberührt liess, das Mahā-Bhārata aber leichthin, die Purāṇen dagegen vollständig beeinflusste“. Endlich stellt William Fairfield Warren in seinem Buche „The earliest cosmologies, New-York 1909“ die These auf, dass alle kosmographischen Systeme der alten Welt Ableger des altbabylonischen Weltsystems gewesen und mithin auch die Systeme der Inder babylonischen Ursprungs seien.
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¹ Die kosmogonischen Ansichten der Inder und Hebräer nach Zusammenstellung der Manuischen und Mosaischen Kosmogonie. Altona 1833.
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² in: Indische Skizzen 1857. S. 108.
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³ in: Indische Studien Bd. 9 (1865) S. 77.
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¹ Eran, Berlin 1863 S. 256. In seinem Aufsatze „Studien über den Zend-Avesta“: 4 über den Cultus der Gestirne und die Weltansicht der Parsen in den verschiedenen Epochen ihrer Entwicklung in Z. D. M. G. Bd. 6 (1852). S. 78 ff. hatte er S. 85 die Ansicht vertreten, dass das System der Keshvars im Avesta aus Indien stamme.
c6.s2.8
² Strassburg 1890 S. 182 f.
c6.s2.9
³ S. 177 ff.
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Nach dem Urteil der genannten Forscher kommt für eine Beeinflussung Indiens in kosmographischer Beziehung also nur Babylon in Frage, wo ja bekanntlich von altersher die Sternkunde besonders gepflegt wurde und infolgedessen auch die Bedingungen gegeben waren, um ein Weltsystem zu entwickeln, das den naturwissenschaftlichen Kenntnissen der damaligen Zeit entsprechen konnte.
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Welche kosmographischen Anschauungen herrschten denn nun in Babylon?
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Mit der Beantwortung dieser Frage haben sich bereits eine Reihe von Forschern beschäftigt, ihre Ergebnisse sind aber nicht vollständig übereinstimmend, was wohl einerseits in der Lücken- und Rätselhaftigkeit des Materials, anderseits aber wohl auch in dem Umstande begründet zu sein scheint, dass man zu wenig Kritik angewandt und ältere und jüngere Vorstellungen unterschiedslos miteinander verknüpft hat, ohne der historischen Entwicklung der kosmographischen Ideen hinreichend Rechnung zu tragen. Aus der in Betracht kommenden Literatur, die in Eberhard Schrader: Die Keilschriften und das Alte Testament, 3. Aufl. von H. Zimmern und H. Winckler, Berlin 1903 S. 615 ff. verzeichnet und in den Anmerkungen zu dem Abschnitt über Babylon in Warren’s Buch „The Earliest Cosmologies“ und in Alfred Jeremias: Handbuch d. altorient. Geisteskultur, Leipzig 1913 ergänzt wird, gewinnt man unter Zugrundelegung einer gewissen logischen Reihenfolge und Entwicklung der Ideen etwa folgendes Bild von den kosmographischen Vorstellungen des alten Babylon.
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Zweifellos ist man auch hier einmal von einem einfachen und natürlichen Weltbilde ausgegangen und hat sich die Erde als eine nach den vier Himmelsrichtungen orientierte ⁴) und von dem Ozean (apsū) um- und unterflossene Scheibe ⁵) vorgestellt. Den Ozean soll wieder ein „Ringwall“ (šupuk šamī) rings umschliessen ¹). Überdeckt dachte man sich beide von dem sichtbaren Firmamente, einem festen Gewölbe, das auch Himmel des Anu genannt wird, auf dem Fundamente des Himmels (išid šamī), d. i. auf dem Horizonte ruht ²) und von den Gewässern des himmlischen Ozeans überflutet werden soll ³). Während man jenseits desselben den kirib šamī, das „Innere des Himmels“, also den Wohnort der Götter verlegte ⁴), geht schon aus den sumerischen und babylonischen Namen für die „Totenwelt“ hervor ⁵), dass der Glaube an ein unterirdisches Jenseits bis in die ältesten Zeiten zurückgeht. Diese Vorstellungen, die zum Teil auch dem ersten Kapitel der Genesis zu Grunde liegen, muss man als die älteste Phase des babylonischen Weltbildes betrachten.
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⁴ Über die Einteilung der Erde in vier Quadranten (kibirtu) s. Jensen: a. a. O. S. 163 ff.; A. Jeremias: Das Alte Testament 3. Aufl. 1916 S. 184. Ders.: Handbuch S. 48 ff. S. a. Delitzsch: Entstehung d. ältesten Schriftsystems. Leipzig 1897 S. 171 ff.
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⁵ S. Jensen: a. a. O. S. 243 ff. Jeremias: Handbuch S. 61.
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Die erste Entwicklung und Erweiterung desselben geschah logisch — vielleicht lässt sich in den babylonischen Keilschriftfragmenten auch einmal eine gewisse Chronologie der Hauptideen nachweisen — infolge einer astronomischen Orientierung des Weltalls durch die Idee des durch šad mātāti, d. i. „grosser Berg der Länder“ näher erläuterten Harsag(gal)-kurkura, der nach Jensen „ursprünglich und eigentlich die Erde als einen Berg bezeichnet“ ⁶), der „auf dem apsū, dem Weltwasser“ ruht, sich denn aber auch zu der Bedeutung „Berg auf der Erde“ entwickelt hat ⁷), eine Vorstellung, auf die der Ausdruck „šad Arali“ ⁸) und besonders die Stelle IV. R. 27 No. 2 (Hymnus an Bīl) hinweist ⁹) wo von dem „Himmelsberg“ gesprochen wird, „dessen Gipfel den Himmel erreicht, dessen Fundament [im] klaren apsū (Urwasser) begründet ist“. Deutlicher wie Jensen sprechen sich Delitzsch ¹⁰) und Hommel ¹¹) dafür aus, dass man in dem Harsag(gal)kurkura einen gewaltigen zweizipfligen Berg zu sehen hat, der sich in der Mitte der Erde erhebt, genau über der Aralū oder Unterwelt, bis zum Firmamente reicht und von Göttern bewohnt wird. Er gilt also als der Götterberg im äussersten Norden und erscheint als solcher noch in einer Reihe von Stellen der biblischen Literatur, die deutlich den Einfluss der von Babylon ausgehenden altorientalischen Weltanschauung bekunden ¹²).
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Eine weitere Entwicklung erfuhr das babylonische Weltbild dann durch die Einführung der Idee der Dreizahl, die sich in der Annahme von drei (oder vier) Himmelssphären äussert ¹³). Diese Idee scheint für Babylon selbst bisher in den Keilschriftfragmenten direkt noch nicht belegt zu sein, wird aber wohl in den verschiedenen Denkmälern der altorientalischen Weltanschauung hinreichend bezeugt. So zeigen W. Bousset ¹⁴) und W. Lücken ¹⁵) an einigen Bei-
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1) S. Jensen: a. a. O. S. 40 f. 2) S. Jensen: a. a. O. S. 9 ff., 253 f.
3) S. Jensen: a. a. O. S. 5, 254 Schöpfungsbericht Tafel IV. Z. 140, Jeremias: a. a. O. S. 52 f.
4) S. Jensen: a. a. O. S. 10, 254. 5) S. Jensen: a. a. O. 215 ff.
6) S. Jensen: a. a. O. S. 201 ff., 254 f. 7) S. Jensen: a. a. O. S. 207.
8) S. Jensen: a. a. O. S. 207 f. šad Arali bedeutet hiernach „Berg des Untergrundes der Erde“.
9) S. Jensen: a. a. O. S. 207. Jeremias: D. Alte Testament S. 568.
10) Delitzsch: Wo lag das Paradies. Leipzig 1881 S. 117 ff.
11) Hommel: Aufsätze und Abhandlungen 3. 1, München 1901. S. 344 ff.
12) S. E. Schrader: Die Keilschriften und das Alte Testament 3. Aufl. 1903 S. 355, 617.
13) S. Schrader: a. a. O. 617. Jeremias: Handbuch S. 40 f.
14) Die Himmelsreise der Seele in: Archiv f. Religionswissenschaft Bd. 4 (1901) S. 140 ff., 234 ff.
15) Michael. Göttingen 1898 S. 92 ff. Er zeigt hier durch die Gegenüberstellung zweier Textversionen „in einem von den Christen angeeigneten und überarbeiteten ursprünglich jüdischen Apokryphon, im Testam. XII Patriarcharum, Levi 3“, dass die ältere Version nur drei Himmel kennt, während die jüngere überarbeitete von sieben spricht. S. a. Winckler: Himmels- und Weltbild der Babylonier. Leipzig 1901, S. 35.
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spielen, dass die Vorstellung von der Dreizahl der Himmel der von der Siebenzahl voraufgegangen ist und also eine ältere kosmographische Vorstellung bildet. Auch in Avesta geht die Dreizahl der Siebenzahl vorauf, wie Bousset ¹) nachweist, und Eberhard Schrader hält Bousset's Ansicht ²), dass die Dreizahl der Himmel in den in Frage kommenden semitischen Literaturdenkmälern eine eranische Entlehnung sei, für äusserst fraglich, weil dieselbe „doch sehr an die Dreiteilung der Weltherrschaft unter Anu, Bêl, Ea oder noch mehr an die Verteilung der Himmelsherrschaft an Sin, Šamaš, Ištar“, also an Babylon erinnert, und „gerade diese letztere Trias könnte sehr wohl die gemeinsame Quelle für die Unterscheidung eines Sonnen-, Mond- und Sternhimmels sowohl im Parsismus, wie in der Stoa gewesen sein ³).“ Vielleicht dürfen wohl auch „die drei- oder vierstufigen Tempeltürme“ im babylonischen Kulturbereich als bildliche Darstellungen dieser Idee gelten ⁴), wie ja auch die siebenstufigen Tempeltürme als eine kosmische Nachbildung des Sieben-Himmels-Baues anzusehen sind. Eine Anwendung dieser Idee auf Mittel- und Unterwelt kann bisher wohl noch nicht belegt werden, doch ist es möglich, dass weitere Forschungen vielleicht doch noch deutlichere Spuren derselben nicht nur für Babylon, sondern im ganzen babylonischen Kulturbereich erweisen werden.
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¹ a. a. O. S. 155 ff.
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² a. a. O. S. 169.
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³ Schrader a. a. O. S. 617 A. 9.
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⁴ S. Hommel: Geschichte Babyloniens und Assyriens. Berlin 1885 S. 19. Hilprecht: Babylon. Exped. Vol. 1. Pl. XXX „Ausgrabungsbefund beim Turm des Bel-Tempels zu Nippur“, Epping: Astronomisches aus Babylon. Freiburg 1889 S. 150 f.
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Auf die Idee der Dreizahl folgte nicht nur logisch, sondern auch chronologisch die der Siebenzahl. Da sie die letzte Phase der Entwicklung des babylonischen Weltbildes darstellt, so hat sie natürlich viel deutlichere Spuren in der Literatur hinterlassen. Die Kenntnis der sieben Planeten hat zweifellos die Vorstellung von den sieben Weltsphären erzeugt, die sich nicht nur in der Annahme von sieben Himmelswelten geäussert hat, sondern auch auf Mittel- und Unterwelt in Anwendung gebracht worden ist ⁵). Man teilte nämlich einerseits die Erde nach den vier Hauptrichtungen der Windrose in vier Erdquadranten ein ⁶), eine Einteilung, die jedenfalls die ältere ist, anderseits wird uns aber auch von einer solchen in sieben tubuqāti berichtet, wofür Jensen die Bedeutung „umschlossene Räume“ unzweifelhaft feststellt ⁷). Während nun dieser Gelehrte das Wort durch „sieben Welträume“ übersetzt und dieselben als sieben durch Mauern (?) getrennte „konzentrische Parallelzonen der (als Berg gedachten) Erde verstehen“ will ⁸), sind dieselben nach Hugo Winckler ⁹) ursprünglich als sieben übereinanderliegende Weltregionen anzusehen, die dann später auf die Erde übertragen worden seien. Es besteht nun kein Zweifel mehr, dass „die siebenstufigen Tempeltürme der Babylonier wie auch die mit 7 Mauern umgedachte Stadt Erech“ ähnlich wie die in Herodot I. 98 geschilderte Stadt Ekbatana die kosmische Idee von den 7 tubuqāti veranschaulichen sollen, und dass die Überlieferungen und Ausgrabungen in gegenseitiger Ergänzung zu der Schlussforderung berechtigen, dass jene „mit den sieben Planetengöttern und den diesen zugeschriebenen Farben in Verbindung“ gebracht worden sind ¹⁰). Endlich wurde die Idee der Siebenzahl auch auf die Unterwelt in Anwendung gebracht. In der Erzählung „die Höllenfahrt der Ištar“ wird berichtet, dass Ištar, um das Innere der „Totenstadt“ zu erreichen, sieben Tore durchschreiten musste und ebenfalls wieder sieben Tore, um hinauszugelangen ¹). Auch noch ein anderer Text spricht von den „sieben Türen der Erde“ und ihren sieben Verschlüssen. Hieraus darf man nun wohl „als Grundgedanken die Vorstellung herausschälen von einem weiten Raume mit Häusern bestanden und von einer Hauptmauer und sechs weniger hohen Mauern umgeben“ ²), wodurch also vielleicht eine Übertragung der tubukāti-Idee auf die Unterwelt dargestellt wird. Im Innern soll diese „Totenstadt“ einen Palast enthalten „wohl den Wohnsitz der Allatu“ (d. h. die Mächtige) ³) und ferner einen „dauernden Palast, worin die Anunaki, die Götter der unteren Welt hausen“. Als Ergänzung dieser bisher bekannten babylonischen Überlieferungen über die Unterwelt darf man jedoch auch die mit babylonischen Ideen stark durchsetzte jüdische Tradition ansehen, die nicht nur von sieben Pforten der Hölle berichtet, sondern geradezu sieben Höllen lehrt ⁴) und diese Vorstellung ihrerseits wieder an den Mohamedanismus weitergegeben hat ⁵).
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⁵ S. Winckler: Himmels- und Weltbild der Babylonier S. 34, Jeremias: Handb. S. 42 f., 63 ff.
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⁶ S. Jensen: a. a. O. S. 163 ff. Jeremias: Handbuch S. 50 f.
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⁷ S. Jensen: a. a. O. S. 166 ff., Schrader a. a. O. S. 615.
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⁸ S. Jensen: a. a. O. S. 255, Schrader a. a. O. S. 615,
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⁹ S. Winckler: Geschichte Israels II S. 108 f. Anm. 6.
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¹⁰ S. Schrader a. a. O. S. 616 f., Jeremias: Das Alter der babylonischen Astronomie 2. Aufl. Leipzig 1909 S. 44.
c6.s2.31
¹ S. Jensen: a. a. O. S. 232. Jeremias: Hölle u. Paradies bei den Babyloniern. Leipzig 1900 S. 7ff.
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² auch Hommel: Aufsätze S. 347.
c6.s2.33
³ S. Jeremias: Hölle u. Paradies S. 16 ff.
c6.s2.34
⁴ E. Bischoff: Babylonisch-Astrales im Weltbilde des Thalmud und Midrasch. Leipzig 1907 S. 36. Jensen: a. a. O. S. 233.
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⁵ S. A. Geiger: Was hat Muhammed aus dem Judentume entlehnt. Bonn 1833 S. 65 ff. D. Feuchtwang in: Zeitschrift f. Assyriologie Bd. 4 (1889) S. 42 ff.
c6.s2.36.1
Wenn man die kosmographischen Ideen der Inder und der die Babylonier, die hier ebenfalls unter dem Gesichtspunkte einer logischen Entwicklung dargestellt sind, miteinander vergleicht, so sieht man, dass beide Systeme auf den natürlichen Grundlagen der primitiven Erkenntnis aufgebaut und durch die gleichen Ideen erweitert und entwickelt worden sind. Aber schon die älteste für uns erreichbare Phase des Weltbildes, die doch eigentlich noch ganz auf der Grundlage dieser primitiven Naturerkenntnis fusste und sich folglich immer und überall selbständig entwickeln konnte, enthält in Indien sowohl wie in Babylon eine ganz überraschende Parallele, die auf eine gewisse Abhängigkeit hindeuten könnte, und das ist die Vorstellung von einem himmlischen Ozean oberhalb des Firmamentes. Diese Vorstellung, die sich auch bei einigen anderen Völkern des vorderen Orients wiederfindet, wird durch die primitive Naturerkenntnis nicht notwendig vermittelt und findet sich infolgedessen auch nicht bei allen Völkern, z. B. nicht bei Hesiod, deren Weltbild noch auf einer ziemlich einfachen Stufe der Entwicklung steht und für die vergleichende Kosmographie von besonderem Interesse ist. Mithin darf dieselbe also bereits als ein Erzeugnis der Spekulation gelten.
c6.s2.36.2
Wenn es nun auch zu gewagt ist, diese eigenartige Parallele schon zu einer Entlehnung Indiens von Babylon her stempeln zu wollen, so darf man doch wohl die Vermutung aussprechen, dass hinsichtlich dieser Vorstellung zwischen beiden Ländern eine gewisse geistige Verbindung besteht. Ferner ist die Entwicklung des ursprünglichen Weltbildes durch die Einführung der Weltbergidee in beiden Ländern theoretisch die gleiche, wenn man auch in Babylon in älterer Zeit der astronomischen Orientierung entsprechend, die dieser Vorstellung ja doch zu Grunde liegt, die Erde als den Berg Harsag-(gal-)kurkura, d. h. diebelde als nach Norden hin gewölbt angesehen haben sollte, während sich in Indien mit dieser Idee die Vorstellung des zentralen die Erde beherrschenden Berges Meru verbunden hat. In jüngerer Zeit hat man dann in Babylon, was ja auch Jensen und besonders Hommel annimmt, den Harsag- (gal-)kurkura aber als „einen Berg auf der Erde“, als den „grossen Berg (des) Bīl“ aufgefasst, und auch der von Babylon abhängige vorderasiatische Kulturkreis lässt noch die Vorstellung eines im Norden, d. i. doch wohl im Zentrum der Erdscheibe gelegenen von Göttern bewohnten gewaltigen Berges erkennen, und diese Vorstellung bildet mit dem ebenfalls von Göttern bewohnten Berge Meru der indischen Kosmographie eine vollkommene Parallele, für die wir eine Erklärung schliesslich nur in der Annahme einer Einführung dieser Idee aus Babylon finden können.
c6.s2.36.3
Eine weitere Übereinstimmung zwischen Indien und Babylon besteht hinsichtlich der Idee der Dreizahl. Wenn auch für Babylon selbst diese Idee noch kaum belegt zu sein scheint und sich dieselbe bisher nur in einigen Literaturdenkmälern des vorderasiatischen Kulturkreises in der Vorstellung von drei Himmeln vorfindet, so darf man doch annehmen, dass dieselbe nicht nur in Babylon, dem geistigen Zentrum desselben, geherrscht, sondern sogar ihren Ursprung hat und von hier aus einerseits nach Westen zu den Völkern Vorderasiens und anderseits nach Osten zu den Iraniern und Indern gewandert ist. Endlich stimmen Indien und Babylon noch in der Idee der Siebenzahl überein. Beide Länder kennen nämlich die Siebenzahl der Ober- und Unterwelten, und beide haben diese Idee auch auf die Mittelwelt projeziert, Indien in der Form der Dvīpa resp. der Gebirgsringe nach buddhistischer Auffassung, Babylon in der tubuqāti, also als Landringe, die man sich hier vielleicht als durch Ringmauern von einander getrennt vorgestellt hat. Hat man sich diese tubuqāti nun wirklich in der besagten Form gedacht, so würde diese Idee auch der von Herodot geschilderten Stadt Ekbatana zu Grunde liegen, bei der jede innerer Ringmauer die nächstäussere überragte.
c6.s2.36.4
Unter dieser Voraussetzung würde das System der Buddhisten mit seiner Vorstellung von den sieben Ringgebirgen die genaueste Nachbildung derselben enthalten, und Brāhmanismus und Jainismus zeigen alsdann in der Annahme von den sechs Gebirgsstreifen, die nach letzterem von beiden Seiten nach der Mitte zu in Breite und Höhe um das Doppelte resp. das Vierfache zunehmen ¹), vielleicht auch noch einen Niederschlag derselben.
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¹ S. 215 ff.
c6.s2.38
Die Welthüter-Idee Noch zwei Punkte des indischen und babylonischen Weltbildes haben eine so grosse i. Indien u. Babylon. Ähnlichkeit, dass es nahe liegt, auch bei diesen an eine Beeinflussung Indiens durch Babylon zu denken. Nach der Lehre der Brāhmanen steht das Weltall unter dem Schutze von vier Welthütern, und zwar soll der Osten dem Indra, der Süden dem Yama, der Westen dem Varuṇa und der Norden dem Soma ²), nach anderen Quellen dem Kubera ³) gehören. Auf der Gipfelfläche des Weltberges Meru liegen rings um die Stadt der Brahman herum die Städte der acht Welthüter, wobei den genannten vier auch die für die vier Zwischengegenden zuzählen sind ⁴). Anderseits sollen die vier ersteren auch noch auf der Gipfelfläche des Mānasottara-Gebirges vier Städte besitzen ⁵), deren Namen mit denen der entsprechenden Götterstädte auf dem Meru eine solche Ähnlichkeit haben, dass die Abweichungen wohl nur auf eine schlechte Überlieferung derselben zurückzuführen sind. Nach den Jaina-Schriften sind die Lokapāla himmlische „Markgrafen“, die in Ober- und Unterwelt den Schutz der vier Weltgegenden ausüben sollen. Bei den Śvetāmbara führen sie die Namen: Soma (O.), Yama (S.), Varuṇa (W.) und Vaiśramaṇa (N.), und nach der Lehre der Digambara heissen sie übereinstimmend mit denen der Brāhmanen: Indra, Yama, Varuṇa und Kubera ⁶). Wenn sie nun auch im jainistischen System je als besondere Rangstufe der beiden gegensätzlichen Götterklassen der Bhavanavāsin und Vaimānika genannt werden und ihre kosmische Stellung in diesem System infolgedessen schon eine etwas andere ist als in dem der Brāhmaṇen, so zeigt sich doch bei genauerem Zusehen, dass denselben auch hier die gleiche ältere Vorstellung zu Grunde gelegen haben muss. Bei den Buddhisten sind die Welthüter zu den vier Grosskönigen (cāturmahārājika) geworden, die mit ihren Heerscharen die Abhänge des Meru bewohnen und die Götterwelt gegen einen Angriff der Unterweltsgötter schützen sollen. Ganz abweichend von den Brāhmaṇen und Jaina führen sie die Namen: Dhṛtarāṣṭra (O.), Virūḍhaka (S.), Virūpākṣa (W.) und Vaiśravaṇa (N.) ¹. Vergleicht man nun die Lehren unserer drei Systeme mit einander, so ergibt sich, dass die Anschauungen über die Welthüter in dem brāhmaṇischen System höchstwahrscheinlich in einer älteren Form erhalten sind, während Jainismus und Buddhismus dieselben etwas modifiziert haben. Als Grundform dieser Vorstellungen darf man wohl die Idee herausschälen, dass jede der vier Weltgegenden einer bestimmten Gottheit als Schutzgebiet angehören soll. Auch in Babylon haben ähnliche Vorstellungen geherrscht. Die vier Haupt-Weltrichtungen hat man hier den vier Planetengöttern: Marduk (O.), Ninib (S.), Nebo (W.) und Nergal (N.) zugewiesen, die in dieser Reihenfolge die vier Planeten Jupiter, Saturn, Merkur und Nergal vertreten sollen ². Wenn nun auch diese beiden Gruppen von je vier Gottheiten in Indien und Babylon an und für sich nichts mit einander zu tun haben, so bilden die Anschauungen dieser beiden Länder dennoch eine eigenartige Parallele, insofern nämlich in beiden bestimmte Gottheiten auf bestimmte Himmelsgegenden verteilt worden sind. Da diese Verteilung in Babylon aber immerhin einen tieferen astronomischen Sinn hatte, so darf man wohl annehmen, dass sie von hier aus nach Indien eingewandert und dort mehr mythologisch ausgedeutet worden ist.
c6.s2.39
² S. 8.
c6.s2.40
³ Amarakośa I. 1. 1. 63, I. 2. 4. 1, Hemacandra; Abhidhānacintāmaṇi 169, Mahābhārata V. 3570, Varāhap. 76. 14.
c6.s2.41
⁴ S. 94 f.
c6.s2.42
⁵ S. 121.
c6.s2.43
⁶ S. 265, 305.
c6.s2.44
¹ S. 195 f.
c6.s2.45
² Jeremias: Handbuch S. 89 ff.
c6.s2.46
Babylonischer Einfluss ist in folgendem Punkte noch deutlicher erkennbar. Es ist schon erwähnt worden ³, dass den sieben Böden der Pātāla sieben verschiedene Farben zugeschrieben werden, die die Purāṇa stets in der gleichen Reihenfolge aufzählen, trotzdem die Namen der Pātāla in verschiedenen Versionen überliefert werden ⁴. Hinsichtlich dieser Farben und ihrer Reihenfolge zeigt sich nun bei den Pātāla und den Mauern der Herodot I. 98 geschilderten Stadt Ekbatana eine überraschende Ähnlichkeit. Herodots Schilderung hat durch die Ausgrabung mehrerer Stufentürme im babylonischen Kulturbereich eine hinreichende Bestätigung gefunden, und es besteht kein Zweifel mehr, dass die sieben Mauerfarben von Ekbatana die sieben Planetenfarben darstellen sollen. Die sieben Farben der Pātāla entsprechen nun den Farben Herodots in folgender Weise.
c6.s2.47
³ S. 24* f.
c6.s2.48
⁴ S. 144.
c6.s2.49
| Namen der Pātāla in der Version des Viṣṇupurāṇa | Die Farben der Pātāla | Die Farben Herodots |
| Atala | schwarz (kṛṣṇa) | weiss (Venus) |
| Vitala | weiss (śukla) | schwarz (Saturn) |
| Nitala | rot (rakta oder aruṇa) | purpurrot (Mars) |
| Gabhastimat | gelb (pīta) | blau (Merkur) |
| Mahā(tala) | kieselig (śarkara) | sandelfarben (Jupiter) |
| Sutala | steinern (śaila) | silbern (Mond) |
| Pātāla | golden (kāñcana) | golden (Sonne) |
c6.s2.50
Durch Vergleich mit anderen Angaben hat W. Bousset ¹) nun herausgefunden, dass bei Herodot die Farben „schwarz“ und „weiss“ vertauscht worden sind, da die so veränderte Farbenskala typisch ist und bei weitem mehr der Reihenfolge der Planeten entspricht, die den Namen der Wochentage zu Grunde liegt. Die Silberfarbe soll in Indien wohl durch die graue Steinfarbe und die Sandelfarbe — ein bestimmtes Rot oder Rotbraun —, durch die Kieselfarbe dargestellt werden. Die einzige wesentliche Differenz zwischen den beiden Farbenlisten besteht nun anscheinend darin, dass das Blau bei Herodot dem Gelb der Inder entspricht. Aber auch diese Differenz verliert ihre Bedeutung, wenn man die Schilderung der Farben und Attribute der Planetengötter nach dem Matsyap. 94. 4 ff. zu Hilfe nimmt. Hiernach kommt dem Merkur, dem sonst bekanntlich die blaue Farbe zugeschrieben wird, die gelbe (pīta) zu ²). Da nun, wie schon gesagt, die Farben Herodots mit den Planeten in Verbindung stehen, so muss auch für die indische Farbenreihe das Gleiche angenommen werden, und eine Erklärung für diese Übereinstimmung wird man nur in der Annahme einer Übertragung babylonischer Vorstellungen auf indisches Gebiet finden können. Zugleich ergibt sich aber auch die Schlussfolgerung, dass die Pātāla als Gegenstück zu den Himmelsregionen betrachtet und mit den Planeten irgendwie in Zusammenhang gebracht worden sind. Himmelsregionen und Pātāla gelten als zwei siebenstöckige Etagenbauten, die mit ihren Grundflächen einander berühren.
c6.s2.51
¹ a. a. O. 238 ff.
c6.s2.52
² S. 129.
c6.s2.53
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass sich auch hinsichtlich der Sternbilder des Tierkreises babylonischer Einfluss in Indien geltend gemacht hat. Es steht fest, dass der Ursprung desselben in Babylon zu suchen und dass er von hier aus an andere Völker, also auch nach Indien weitergegeben worden ist. In unseren Systemen spielt er nicht die gleiche Rolle, wie die ältere Nakṣatra-Reihe, und in den Texten werden nur einige Sternbilder gelegentlich der Schilderung des jährlichen Sonnenlaufes erwähnt ³). Erst die jüngere Astronomie hat sich eingehender mit dem Zodiakus beschäftigt. Auch für die Nakṣatra, die mit den chinesischen Sieu und den arabischen Manzil fast übereinstimmen, wird man den Ursprung in Babylon zu suchen haben, trotzdem ihre vollständige Nachweisung in den Keilschrifttafeln bisher noch nicht gelungen ist. Das „Prototyp“ für diese Sternenreihe glaubt Fr. X. Kugler gefunden zu haben auf dem Keilschriftfragment B. M. 86378 Rs. IV. 33—37, das die „Sterne, die in der Bahn des Mondes stehen“, aufzählt ⁴). Diese babylonische Sternliste beginnt ebenso wie die älteste Nakṣatra-Reihe mit den Plejaden, und ein Vergleich derselben mit der von Whitney aufgestellten Sternkarte ⁵) der Nakṣatra ergibt für Kugler’s Ansicht eine grosse Wahrscheinlichkeit.
c6.s2.54
³ S. 136.
c6.s2.55
⁴ Kugler: Sternkunde und Sterndienst in Babylon. Ergänzungen zum 1. und 2. Buch, T. 1 (1913) S. 70 ff.; s. a. Jeremias: Handbuch S. 102 f.
c6.s2.56
⁵ S. 36.
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