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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.38

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s2.38

Language
German

c6.s2.38

Die Welthüter-Idee Noch zwei Punkte des indischen und babylonischen Weltbildes haben eine so grosse i. Indien u. Babylon. Ähnlichkeit, dass es nahe liegt, auch bei diesen an eine Beeinflussung Indiens durch Babylon zu denken. Nach der Lehre der Brāhmanen steht das Weltall unter dem Schutze von vier Welthütern, und zwar soll der Osten dem Indra, der Süden dem Yama, der Westen dem Varuṇa und der Norden dem Soma ²), nach anderen Quellen dem Kubera ³) gehören. Auf der Gipfelfläche des Weltberges Meru liegen rings um die Stadt der Brahman herum die Städte der acht Welthüter, wobei den genannten vier auch die für die vier Zwischengegenden zuzählen sind ⁴). Anderseits sollen die vier ersteren auch noch auf der Gipfelfläche des Mānasottara-Gebirges vier Städte besitzen ⁵), deren Namen mit denen der entsprechenden Götterstädte auf dem Meru eine solche Ähnlichkeit haben, dass die Abweichungen wohl nur auf eine schlechte Überlieferung derselben zurückzuführen sind. Nach den Jaina-Schriften sind die Lokapāla himmlische „Markgrafen“, die in Ober- und Unterwelt den Schutz der vier Weltgegenden ausüben sollen. Bei den Śvetāmbara führen sie die Namen: Soma (O.), Yama (S.), Varuṇa (W.) und Vaiśramaṇa (N.), und nach der Lehre der Digambara heissen sie übereinstimmend mit denen der Brāhmanen: Indra, Yama, Varuṇa und Kubera ⁶). Wenn sie nun auch im jainistischen System je als besondere Rangstufe der beiden gegensätzlichen Götterklassen der Bhavanavāsin und Vaimānika genannt werden und ihre kosmische Stellung in diesem System infolgedessen schon eine etwas andere ist als in dem der Brāhmaṇen, so zeigt sich doch bei genauerem Zusehen, dass denselben auch hier die gleiche ältere Vorstellung zu Grunde gelegen haben muss. Bei den Buddhisten sind die Welthüter zu den vier Grosskönigen (cāturmahārājika) geworden, die mit ihren Heerscharen die Abhänge des Meru bewohnen und die Götterwelt gegen einen Angriff der Unterweltsgötter schützen sollen. Ganz abweichend von den Brāhmaṇen und Jaina führen sie die Namen: Dhṛtarāṣṭra (O.), Virūḍhaka (S.), Virūpākṣa (W.) und Vaiśravaṇa (N.) ¹. Vergleicht man nun die Lehren unserer drei Systeme mit einander, so ergibt sich, dass die Anschauungen über die Welthüter in dem brāhmaṇischen System höchstwahrscheinlich in einer älteren Form erhalten sind, während Jainismus und Buddhismus dieselben etwas modifiziert haben. Als Grundform dieser Vorstellungen darf man wohl die Idee herausschälen, dass jede der vier Weltgegenden einer bestimmten Gottheit als Schutzgebiet angehören soll. Auch in Babylon haben ähnliche Vorstellungen geherrscht. Die vier Haupt-Weltrichtungen hat man hier den vier Planetengöttern: Marduk (O.), Ninib (S.), Nebo (W.) und Nergal (N.) zugewiesen, die in dieser Reihenfolge die vier Planeten Jupiter, Saturn, Merkur und Nergal vertreten sollen ². Wenn nun auch diese beiden Gruppen von je vier Gottheiten in Indien und Babylon an und für sich nichts mit einander zu tun haben, so bilden die Anschauungen dieser beiden Länder dennoch eine eigenartige Parallele, insofern nämlich in beiden bestimmte Gottheiten auf bestimmte Himmelsgegenden verteilt worden sind. Da diese Verteilung in Babylon aber immerhin einen tieferen astronomischen Sinn hatte, so darf man wohl annehmen, dass sie von hier aus nach Indien eingewandert und dort mehr mythologisch ausgedeutet worden ist.