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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s1.t5: 3. Kapitel. Der Ozean

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s1.t5

Language
German

3. Kapitel. Der Ozean

c7.s1.t5.1

Es ist bereits gesagt und durch einige Stellen belegt worden ²), dass nach der Ansicht der vedischen Inder der Ozean die Erde rings umströmen soll. Weiterhin scheint nun die Anschauung zu herrschen, dass diese Strömung des Ozeans von Osten nach Süden gerichtet ist.

c7.s1.t5.2

² S. 9 f.

c7.s1.t5.3

Śatapathabr. VII. 1. 1. 13: „Mit dem Ozean umgibt er deshalb dieselbe [d. i. diese irdische Welt], nach allen Seiten, weil der Ozean diese Welt nach allen Seiten umströmt; nach rechts [oder Süden] gewendet [stellt er die Steine auf], weil der Ozean diese Welt in einem Graben umströmt“ (samudréṇa hainam tat páritanoti, sarvátas, tásmād imám lokám sarvátaḥ samudráḥ páryeti, dakṣiṇāvṛt, tásmād imám lokám dakṣiṇāvṛt samudráḥ páryeti). Ähnlich heisst es Śatapathabr. IX. 1. 2. 3: „. . . von allen Seiten [besprengt er den Altar], weil der Ozean diese Welten von allen Seiten umströmt, nach rechts [oder Süden] gewendet, weil der Ozean diese Welt nach Süden hin umströmt“ (. . . sarvátas, tásmād imám lokánt sarvátaḥ samudráḥ páryeti, dakṣiṇāvṛt, tásmād imám lokán dakṣiṇāvṛt samudráḥ páryeti).

c7.s1.t5.4

Der Ozean bewegt sich.

c7.s1.t5.5

Der Ozean umströmt die Welt nach rechts.

c7.s1.t5.6

Die Eigenschaften des Ozeans.

c7.s1.t5.7

Rgv. V. 78. 8: „Wie sich der Wind, wie sich der Wald, wie sich das Meer bewegt“ (yáthā vāto yáthā vánaṃ yáthā samudrá éjati).

c7.s1.t5.8

Rund um den Ozean bewegen sich Sonne und Mond.

c7.s1.t5.9

Atharvav. VII. 81. 1 (XIV. 1. 23 und teilweise XIII. 2. 11): „Vorwärts und rückwärts durch ihre wundervolle Macht bewegen sich die beiden Jünglinge spielend rund um den Ozean; der eine sieht alle lebenden Wesen, und du, der andere, bist dagegen geboren, um die Jahreszeiten einzurichten“ (pūrvāparáṃ carato māyáyaitaú śíśū krīḍantau pári yāto 'rṇaváṃ, víśvānyó bhúvanā vicáṣṭa ṛtúṃr anyó vidádhaj jāyase návaḥ).

c7.s1.t5.10

Alle Flüsse der Erde eilen dem Ozean zu, können ihn aber nicht füllen.

c7.s1.t5.11

Rgv. I. 71. 7: „Agni begleiten alle Speisen, wie dem Meere die sieben jugendlichen Ströme zugehen“ (agním víśvā abhi pŕkṣaḥ sacante samudráṃ ná sravátaḥ saptá jahvíḥ). Rgv. V. 85. 6: „Diesen mächtigen Zauber des weisesten Gottes hat fürwahr keiner mit Erfolg angegriffen, dass das einzige Meer die schimmernden Ströme hinein sich ergiessend nicht füllen“ (imám ū nú kavítamasya māyāṃ mahím devásya nákir á dadharṣa, ékaṃ yád udná ná pṛṇánty énīr āsiñcántīr avánayaḥ samudrám). In gleichem Sinne drücken sich die Stellen aus Rgv. I. 55. 2, 190, 7, III. 36. 6, 46. 4, VI. 36. 8, VII. 49. 2, 95. 2, VIII. 6. 4. 35, 44. 25, IX. 88. 6.

c7.s1.t5.12

Der irdische Ozean enthält Reichtümer ebenso wie der himmlische, wie Himmel und Erde, und die Gewinnsüchtigen streben zu ihm hin.

c7.s1.t5.13

Rgv. I. 47. 6: „Reichtum, vielbegehrten, bringt uns aus dem Meere oder vom Himmel her“ (rayím samudrád utá vā divás páry asmé dhattam puruspŕham). Rgv. VII. 6 7: „Alle in den Tiefen geborgenen Reichtümer hat Vaiśvānara, der Gott, bei der Sonne Fortgang an sich genommen, vom unteren Meere und vom obern hat Agni sie genommen, vom Himmel und von der Erde“ (á devó dade budhnyà vāsūni vaiśvānarā údita sūryasya, á samudrád āvarād á párasmād ágnir dade divá á pṛthivyáh). Ähnlich äussern sich Stellen wie Rgv. I. 56. 2, 48. 8, IX. 97. 44.

c7.s1.t5.14

An einer Stelle des Rgveda werden dem Meere sieben Böden zugeschrieben.

c7.s1.t5.15

VIII. 40. 5: „Richtet, wie’s Nābhāka tat, brahma an Indra und Agni; die ihr das Meer mit sieben Böden, seitwärts die Öffnung, aufdecket, o Indra...“ (prá bráhmāṇi nabhākavád indrāgníbhyāṃ irajyata, yá saptábudhnam arṇaváṃ jíhmábāram aporṇutá índra...).

c7.s1.t5.16

War in den bisher angeführten Stellen nur von einem die Erde umspülenden Ozean die Rede, so lehren uns andere Stellen, dass man denselben je nach den Himmelsrichtungen in mehrere Meere einteilte. Von zwei Ozeanen, einem östlichen und einem westlichen Ozean sprechen folgende Stellen.

c7.s1.t5.17

Rgv. X. 136. 5: „...er [der Asket] wohnt in beiden Meeren, im östlichen und im westlichen“ (ubhaú samudráv á kṣeti yáś ca púrva utáparaḥ). Śatapathabr. I. 6. 3. 11: „Er trieb zurück den östlichen und den westlichen Ozean...“ (ávaraṃ samudráṃ dadhāvāva pūrvam sa...) und X. 6. 4. 1 des gleichen Textes: „Der Tag in der Tat wurde hervorgebracht als die Mahiman(-Schale) vor dem Pferde, und sein Geburtsort ist das östliche Meer; die Nacht wurde hervorgebracht als die Mahiman(-Schale) hinter demselben, und ihr Geburtsort ist das westliche Meer“ (áhar vā ’áśvam purástān mahimán vajāyata, tásya pūrve samudre yóni, rátrir enam paścán mahimán vajāyata, tasyāpare samudre yónir...).

c7.s1.t5.18

Zwei Stellen des Atharvaveda scheinen vielleicht ebenfalls auf die Einteilung des Ozeans in zwei Meere (ein östliches und ein westliches) schliessen zu lassen. IV. 16. 3: „Diese Erde ist König Varuna's Besitz und jener hohe Himmel, dessen Enden weit auseinander sind. Die beiden Ozeane sind die beiden Körperhöhlen des Varuna, und in diesem kleinen Tropfen Wasser ist er enthalten" (utéyám bhūmir váruṇasya rájña utásaú dyaúr bṛhatí dūrėantā, utó samudraú váruṇasya kukṣí utásmínn álpa udaké nīlīnaḥ). IX. 5. 20: „Dieses Ungeborene trennte sich im Anfang von einander, seine Brust wurde die Erde, sein Rücken der Himmel, seine Mitte der Luftraum, die Himmelsgegenden wurden seine Seiten und die beiden Meere die Höhlen seines Körpers" (ajó vā idám ágre vyàkramata tásyóra iyám abhavad dyaúḥ pṛṣṭhám antárikṣam mádhyam díśaḥ pārśvé samudraú kukṣí).

c7.s1.t5.19

Neben der Einteilung des Ozeans in ein östliches und ein westliches Meer, scheint noch eine Einteilung desselben in vier Meere, wohl nach den vier Himmelsrichtungen, herzulaufen, wohl in ähnlicher Weise, wie man auch im ältesten Buddhismus den grossen Weltozean nach den vier Himmelsrichtungen in vier Meere einteilte. Von vier Meeren handeln folgende Stellen:

c7.s1.t5.20

Rgv. IX. 33. 6: „Von tausendfältigem Reichtum vier Meere, o Soma, von allen Seiten schaff uns durch deine Läuterung" (rāyáḥ samudrāṁś cátúro 'smábhyaṁ soma víśvátaḥ á pavasva sahasríṇaḥ). Atharvav. XIII. 3. 6: „Auf den gestellt sind die sechs Weiten, die fünf Weltgegenden, die vier Gewässer und die drei Silben der Verehrung" (yásmint sád urvíḥ páñca díśo ádhi śritáś cátasra āpo yajñásya tráyo 'ksárāḥ). Atharvav. XIX. 27. 3: „Drei sind der Erden, sagen sie, und drei der Himmel, drei sind der Atmosphären und vier der Ozeane, dreifach der Preishymnus. dreifach die Wasser" (tisró dívas tisraḥ pṛthivís, tríny antárikṣāṇi cáturaḥ samudrán, trivṛtaṁ stómam trivṛta āpa āhus).

c7.s1.t5.21

Von mehreren Ozeanen, ohne Angabe der Zahl, ist die Rede Rgv. VI. 50. 13: „Tvaṣṭr mit Göttern, den Frauen zusammen, Dyaus mit den Göttern, Pṛthivī mit den Meeren (sei uns gnädig)“ (tváṣṭā devébhir jánibhiḥ sajóṣā dyaúr devébhiḥ pṛthivī samudraíḥ).

c7.s1.t5.22

Bisweilen wird auch von drei Ozeanen gesprochen, wenn auch von drei Erden oder drei Himmeln die Rede ist. Ob wir uns nun die drei Ozeane als übereinanderliegende himmlische oder als in einer Ebene liegende irdische Ozeane zu denken haben, kann nicht entschieden werden.

c7.s1.t5.23

Atharvav. XIX. 27. 4: „. . . Drei Gewölbe des Himmels und drei Ozeane, drei glänzende, drei stillstehende, drei Mātariśvan, drei Sonnen als Beschützer, ordne ich für dich an“ (trín nākāṁs trínt samudrāṁs trín bradhṇāṁs trín vaiṣṭapán trín mātariśvanas trín súryān goptṝn kalpayāmi te). Bereits oben wurde schon die Stelle zitiert: Atharvav. XI. 7. 14: „Neun Erden, Meere, Himmel sind in den Rest gesetzt . . ." (náva bhūmīḥ samudrā ucchiṣṭé 'dhi śritá dívah . . .).

c7.s1.t5.24

Nach Atharvapariśiṣṭa XXIV: Vedilakṣaṇam V. 2 ist die Erde „mit drei Ozeanen umsäumt“ (trisāgarānta). Aus dem Zusammenhange des Textes ergibt sich, dass diese drei Ozeane als in einer Ebene gelegen vorzustellen sind und ihnen folglich ein Zentral- und zwei (sie trennende) Ringkontinente der Erde entsprechen müssen.

Cites (3)