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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t48: d) Garuḍapurāṇa

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t48

Language
German

d) Garuḍapurāṇa

c7.s2.t48.1

Aufzählung der Höllen. Garuḍap. 105 4 ff. werden folgende 12 Höllen aufgezählt: 1. Mahāraurava, 2. Raurava, 3. Tāmiśra, 4. Lohaśaṅku, 5. Pūtigandhasamākula, 6. Haṃsābha, 7. Lohitoda, 8. Saṃjīvananadīpatha, 9. Mahānilayakākola, 10. Andhatāmiśravāpana, 11. Avīcī, 12. Kumbhapāka.

c7.s2.t48.2

Aufzählung der Sünden, die den Aufenthalt in den Höllen nach sich ziehen. Der Brāhmanenmörder, der Schnapstrinker, der Dieb, der Ehemann, der das Ehebett des Lehrers betritt, diese Bösewichter kommen in die Höllen. Die vier Kardinalsünden sind folgende:

c7.s2.t48.3

Verachtung der Lehrer, Verachtung der Veda sind dem Brāhmanenmord gleich.

c7.s2.t48.4

Genuss verbotener Speise, falscher Handel und Wandel, das Küssen eines unreinen Mädchens sind dem Schnapstrinken gleich.

c7.s2.t48.5

Das Rauben von Pferden usw. ist dem Diebstahl von Geld gleich.

c7.s2.t48.6

Der geschlechtliche Verkehr mit den Weibern und Töchtern von Freunden, ferner mit Blutsverwandten, in einer niederen Kaste geborenen oder dem gleichen Geschlecht entstammenden Weibern ist dem Ehebruch mit dem Weibe des Lehrers gleich, desgleichen der Verkehr mit der Schwester von Vater und Mutter, der Gattin des Onkels mütterlicherseits und der Schwester, der Mitgemahlin der Mutter, der Schwester, der Tochter des Lehrers, der Gattin desselben und der eigenen Tochter.

c7.s2.t48.7

Die Nebensünden (upapāpa) sind die Tötung eines Menschen nach Abschneidung des Gliedes und die eines verliebten Weibes, die Tötung von Kühen, Bestehlung der Brāhmanen, Schuldenmachen, Nichtanlegen des Feuers, Verkauf von Waren, das Heiraten eines jüngeren Bruders vor dem ältern, das Lernen oder Annehmen von einem Diener, das Unterrichten der Diener, Ehebruch, Verheiratetsein eines jüngeren Bruders bei dem Ledigsein des älteren, Wucher, Verkauf von Salz, Mord von guten Śūdra, Vaiśya und Kṣatriya, die Lebensfristung durch ein verachtetes Gewerbe, allem Entsagen (? nyāsitva), Nichthalten eines Gelüdbes, das Spiessen (? śūlyam), der Verkauf einer Kuh, das Imstichlassen von Eltern und Freunden, der Verkauf von Teichen und Lusthainen, eines Mädchens und von Schmucksachen, das Opfern für einen, der vor dem älteren Bruder heiratet, das Verschenken eines (schon versprochenen?)

c7.s2.t48.8

Mädchens, Hinterlist, Verletzung eines Gelübdes, Beginn einer Tätigkeit zum eigenen Vorteil, der Besuch bei einem schnapstrinkenden Weibe, das Verlassen des (Veda-)Studiums, des Feuers, des Sohnes und der Verwandten, das Folgen einer schlechten Lehre und der Verkauf seines Weibes. Dieser Aufzählung folgt die Angabe der Busse für jede Sünde.

c7.s2.t48.9

e) Mahābhārata.

c7.s2.t48.10

Svargārohaṇap. 40 ff. wird der Besuch des Yudhiṣṭhira in der Hölle erzählt. Begleitet von dem Götterboten, gelangt er auf einem furchtbaren Wege, angefüllt mit allen erdenklichen Schrecknissen, bedeckt mit ekelhaften Dingen und bedroht von Ungeheuern zu der furchtbaren, übelriechenden Hölle Kuṇapa, dem schwer zu passierenden mit heissem Wasser angefüllten Flusse (d. i. wohl Vaitaraṇī), dem mit scharfen Messern bedeckten Schwertblätterwalde (Asipatravana), der glühenden Karambhavālukā¹), den eisernen Felsen (ayasīḥ śilāḥ), zum Kupferkessel (lohakumbha) mit Öl und zum Kūṭaśālmalika-Baum, mit seinen spitzen Dornen.

c7.s2.t48.11

¹ So in der Calcutta-Ausgabe 1839, in der kommentierten Bombay-Ausgabe (1863) Karambhavālukāḥ erklärt durch śvetasūkṣmavālukā bhrāṣṭravālukā.

c7.s2.t48.12

f) Mārkaṇḍeyapurāṇa.

c7.s2.t48.13

Mārkaṇḍeyap. 10. 75 ff. und fortgesetzt 12. 1 ff. finden wir folgende Höllenschilderung. Nach dem Tode wird der Mensch von den Dienern Yama's fortgeführt und während der ersten zwölf Tage sieht er noch sein Haus und geniesst das Wasser, die Mehlklöse usw., die ihm auf der Erde gespendet werden. Nach den zwölf Tagen erblickt er die Stadt des Yama, die aus Eisen besteht und ein furchtbares Aussehen hat. Ist sie erreicht, so erfährt er von Yama, der schrecklich anzusehen ist und eine grausige Umgebung hat, zu der Mṛtyu, Kāla, Antaka usw. gehört, sein Schicksal nach der guten oder bösen Seite hin. Nach dieser Einleitung erfolgt die Schilderung der sieben Höllen Raurava, Mahāraurava, Tamas, Nikṛntana, Apratiṣṭha, Asipatravana und Taptakumbha.

c7.s2.t48.14

1. Raurava hat eine Ausdehnung von 2000 Yojana und ist für den Meineidigen und Lügner bestimmt. Hier ist ein knietiefes Loch, das mit glühenden Kohlen angefüllt und so dem übrigen Erdboden gleichgemacht ist. Die Diener Yama's stossen den Sünder in die Mitte dieser glühenden Fläche. Tag und Nacht läuft er über dieselbe, von dem heftigen Feuer verbrannt, und bei Schritt und Tritt wird sein Fuss zerrissen und zerfetzt. Er hat keine Ruhe bei Tag und Nacht und wird, nachdem er eine Strecke von 1000 Yojana zurückgelegt hat, von dieser Pein erlöst, um dann zur Abbüssung seiner Sünden in eine neue Hölle einzutreten.

c7.s2.t48.15

2. Mahāraurava hat eine Ausdehnung von sieben mal fünftausend (?)²) Yojana und einen Boden aus Kupfer, der glühend ist und wie der aufgehende Mond leuchtet. An Händen und Füssen gefesselt wird der Sünder von den Dienern Yama's auf denselben gelegt und rollt über seine Mitte. Von Raben, Kranichen, Wölfen, Eulen, Skorpionen und Schnaken wird er rasch zerrissen und brennend, zitternd und unaufhörlich verwirrt ruft er nach Vater, Mutter, Bruder und Freund. Nachdem er Myriaden mal Myriaden von Jahren ohne Pause diese Qualen erduldet hat, wird er von ihr erlöst.

c7.s2.t48.16

² yojanānām sahasrāṇi sapta pañca samantataḥ.

c7.s2.t48.17

3. Tamas ist von Natur aus sehr kalt und hat eine grausige Finsternis. In dieser irren die Menschen umher, und wenn sie sich begegnen, umarmen sie einander und halten sich innig umschlungen. Ihre Zähne zerschlagen sich unter dem Einfluss der Kälte, und Hunger, Durst und andere Leiden herrschen hier vor. Der eisige Wind, der Schneeflocken mit sich führt, zerreisst ihre Knochen, und das aus diesen herauströpfelnde Mark und Blut essen diese vom Hunger gequälten Unglücklichen. Sie irren umher und lecken sich bei ihren Begegnungen ab.

c7.s2.t48.18

4. Nikṛntana ist eine andere ausgezeichnete Hölle. Hier laufen Töpferscheiben beständig rund. Diese müssen die Menschen besteigen, die vermittelst eines schwarzen Fadens (Kālasūtra), den die Diener Yama’s an ihren Fingern tragen, in zwei Teile gespalten werden. Indessen entschwindet ihnen das Leben. In hundert Stücke werden sie zerschnitten, und diese vereinigen sich wieder zu einem Ganzen. In dieser Weise werden die Sünder tausende von Jahren hindurch zerschnitten.

c7.s2.t48.19

5. In Apratiṣṭha sind Räder und Schöpfräder die Ursache von Leiden für die Schuldigen. Einige, die man auf die Räder hat hinaufsteigen lassen, irren während Tausenden von Jahren ohne Unterbrechung umher. Ein anderer ist an das Schöpfrad gebunden wie der Eimer im Wasser. Sie irren umher, in einem fort Blut ausspuckend und Tränen vergiessend.

c7.s2.t48.20

6. Asipatravana hat einen Boden, der in einer Ausdehnung von tausend Yojana mit flammendem Feuer bedeckt ist. Unter den glühendheissen Sonnenstrahlen fallen die Menschen zu Boden. In der Mitte erblicken sie einen lieblichen Wald mit entzückenden Blättern, aber diese Blätter sind Schwertklingen. Hier bellen Myriaden von Hunden, kraftvoll, mit grossen Mäulern, grossen Zähnen, schrecklich wie Tieger. Diesen Wald mit seinem kühlen Schatten vor sich bemerkend, laufen die Verdammten von heftigen Leiden gequält auf ihn zu. Haben sie ihn aber erreicht, so beginnt ein Wind zu wehen, der die Schwertblätter schüttelt und die Schwerter auf sie herabregnen lässt. Dann stürzen sie zu Boden in ein flammendes Feuer, das den ganzen Boden erfüllt, und die schrecklichen Hunde beeilen sich, von ihren Körpern die verschiedenen Glieder abzureissen.

c7.s2.t48.21

7. Taptakumbha ist noch schrecklicher. Hier sind glühende Gefässe, die von allen Seiten mit Feuer umgeben sind und siedendes Öl mit Eisenstaub enthalten. In dieselben werden die Schuldigen kopfunten hineingeworfen. Hier kochen sie, befleckt mit der Markflüssigkeit, die aus ihren zerbrochenen Gliedern hervortropft. Ihre Schädel, ihre Augen und ihre Knochen werden von furchtbaren Geiern zerbrochen, die sie erheben und dann in diese Gefässe niederfallen lassen, wo sich unter dem Einfluss des Öls ihre Glieder wieder vereinigen. Dann werden die Unglücklichen in dem Öl von den Dienern Yama’s durch Umrühren in Bewegung versetzt.

c7.s2.t48.22

Eine zweite kurze Höllenaufzählung findet sich Mārkaṇḍeyap. 14. 87-88¹). Hier werden folgende sieben Höllen genannt: 1. Taptakumbha, 2. Peṣaṇa, 3. Karambhabālukā, 4. Yantrāvapīḍana, 5. Asipatravana, 6. Karapatreṇa pāṭanam, 7. Kālasūtra. Ein erläuternder Text ist dieser Aufzählung nicht beigegeben.

c7.s2.t48.23

¹ s. auch L. Feer: L’enfer Indien, in: Journal Asiatique. 9. Sér. (1893) T. 1. S. 121.

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