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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t50.23

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t50.23

Language
German

c7.s2.t50.23

Die jährliche Bewegung der Sonne um die Erde. Steht die Sonne nun über dem Äquator, so dass die auf ihm liegenden Gegenstände keinen Schatten werfen, so ist die Zeit des Äquinoktiums; die Sonne erscheint sowohl den Göttern als auch den Dämonen am Horizont. Tritt sie nun in das Sternbild Aries, so wendet sie sich nach Norden; für die Bewohner der nördlichen Hemisphäre nimmt alsdann der Tag zu und die Nacht ab, in der südlichen herrschen die umgekehrten Lichtverhältnisse. Von jetzt an geht am Nordpol die Sonne nicht mehr unter, und die erste Hälfte des Göttertages, der ein halbes Jahr währt, hat begonnen, während in der Hemisphäre der Dämonen die Sonne nicht mehr aufgeht und damit die erste Hälfte der Nacht der Dämonen, die die gleiche Dauer hat, eingetreten ist. Die Bewegung der Sonne nach Norden dauert an, solange sich die Sonne durch die drei Sternbilder Aries, Taurus und Gemini bewegt. Während dieser Zeit sehen die Bewohner des Meru im Norden sie stets über dem Horizont, und sie steigt für dieselben immer höher, bis sie am Ende von Gemini eine Höhe von 24° über demselben erreicht hat. Zur gleichen Zeit sehen die Bewohner von Avanti die Sonne genau über ihrem Kopfe stehen, und die Sonnenstrahlen werfen hier und in den Orten gleicher Breite keinen Schatten mehr. Avanti liegt nämlich 213 1/3 Yojana nördlich vom Äquator. Da bei dem Erdumfang von 3200 Yojana 8 8/9 Yojana einen Grad ausmachen, so liegt folglich Avanti 24° nördlich vom Äquator, und dieser Stadt also der nördliche Wendekreis. In der gleichen Weise wie die Sonne nun nach Norden geht, muss sich ihr Lichtfeld — sie scheint ja nur stets eine Erdhälfte — ebenfalls nach Norden verschieben, und dieses muss deshalb, wenn sie im nördlichen Wendekreise steht, auch ebensoviel im Norden über den Meru hinausragen, wie es im Süden vom Pol zurückgetreten ist. Hat die Sonne nun das Ende von Gemini erreicht, so wendet sie sich beim Eintritt in das Sternbild Cancer wieder um und beginnt den Lauf nach Süden. In der nördlichen Hemisphäre nimmt nun der Tag wieder ab und die Nacht um das gleiche Stück wieder zu, bis die Sonne wieder über dem Äquator steht und Tag- und Nachtgleiche eingetreten ist. Während dieser Rückbewegung hat für die Bewohner des Meru die Sonnenhöhe täglich abgenommen, bis sie am Tage des Äquinoctiums nunmehr am Horizont erscheint, aber auch den Asura am Südpol wieder sichtbar wird. Mit diesem Tage beginnt die Nacht der Götter und der Tag der Dämonen. Die Sonne bewegt sich nun nach Süden bis zum 24. Breitegrad, genau der Nordbewegung entsprechend, und auch ihr Lichtfeld schiebt sich in der gleichen Weise im Norden vom Meru zurück und tritt um das gleiche Stück über den Südpol hinaus. Steht die Sonne im Sternbild Caper, so hat sie den 24. Breitegrad südlich vom Äquator erreicht, und für die nördliche Hemisphäre ist das Wintersolstiz eingetreten. Es ist Mitternacht für die Götter und Mittag für die Asura. Mit diesem Tage beginnt die Sonne wieder nach Norden zu wandern, die zweite Hälfte der Götternacht und des Dämonentages beginnt, bis sie wieder das Ende des Sternbildes Pisces erreicht und über dem Äquator steht, Tag und Nacht also wieder gleiche Länge haben.