Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s2.t2: 1. Dimensionen und Umgebung desselben
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s2.t2
- Language
- German
1. Dimensionen und Umgebung desselben
c9.s2.t2.1
Der bekannteste Teil der Menschenwelt, die den Zentral-Kontinent und die nächsten anderthalb Ring-Kontinente umfasst, ist der Jambūdvīpa, „die Insel des Rosenapfelbaumes“. Sein Durchmesser beträgt, wie schon gesagt, 100 000 Yojana und sein Umfang nach der jainistischen Berechnung der Zahl π = √10 = 3,16227 ¹), 316227 Yojana, 3 Gavyūta, 128 Dhanus und noch etwas mehr als 13¹/₈ Aṅgula ²).
c9.s2.t2.2
² Jīvābhigamas. Bl. 438 f.; Jambūdvīpaprajñapti Bl. 14 b f.; Jambūdvīpasamāsa S. 19 usw.; Trailokyadīpikā Bl. 15 b.
c9.s2.t2.3
Rings umgibt ihn ein Wall (jagatī) nach Art einer Stadtmauer ³). Dieser ist 8 Yojana hoch, an der Basis 12 und an der Spitze 4 Yojana breit und hat also einen mittleren Durchmesser von 8 Yojana. Er besteht aus Diamant (vajra), ist klar und besitzt überhaupt alle jene Eigenschaften, wie sie die jainistische Phantasie derartigen Gegenständen in der bekannten stereotypen Weise beilegt. Diesen Wall umgibt ringsum ein Gitter (jālakataka) ⁴) aus Edelstein, ¹/₂ Yojana hoch und 500 Dhanus breit. Mitten auf diesem Wall erhebt sich eine ringförmige Lotusterrasse (padmavaravedikā) ⁵), ¹/₂ Yojana hoch und 500 Dhanus breit, also von derselben Ausdehnung wie das den ganzen Wall umgebende Gitter. Diese Terrasse ist aus Kostbarsten hergestellt, was sich die indische Phantasie denken kann; so sind die Fundamente aus Diamant, die Stützen aus Riṣṭa (eine Edelsteinart), die Pfosten aus Beryll, die Balken aus Gold, die Riegel, die die einzelnen Teile zusammenhalten, aus Rubin, die Verbindungsteile aus Diamant usw. ⁶). Auf dieser Terrasse breitet sich nun wieder ein paradiesischer Garten aus mit Hainen, Teichen und Gruppen, so phantastisch, wie sie nur die Inder erdenken konnten. Über die Einzelheiten der Schilderung dürfen wir wohl hinweggehen, da sie ganz belanglos und sehr weitschweifig sind ⁷).
c9.s2.t2.4
¹ s. Jacobi: Tattvārdhādigamas. (Z. D. M. G.) S. 314.
c9.s2.t2.5
³ Jambūdvīpaprajñapti Bl. 15 a ff.; Jīvābhigamas. 439 a; Trailokyadip. 43 b. Siehe auch hierzu die Schilderung in der Upamitibhavaprapañcakathā des Siddhārṣi, Prastāva 2 (ed. H. Jacobi in Bibl. Ind. Nr. 1228 S. 147); Lokaprakāśa S. 468 ff.
c9.s2.t2.6
⁴ Jīvābhigamas. Bl 440 b Komm: jālāni jālakāni bhavanabhittiṣu loke 'pi prasiddhāni teṣām kaṭakaḥ samūho jālakatakaḥ.
c9.s2.t2.7
⁵ Eine solche Terrasse ist überall mit kostbaren Lotussen verziert. Hiravijaya sagt in seinem Kommentar zur Jambūdvīpaprajñapti Bl. 33: tasyāṃ tu vedikāyāṃ tatra pradeśe uparitale vedikābāhāsu vedikāstambheṣu vedikāphalakeṣu ca sarvaratnamayāni śatapatrasahasrapatrāṇi rūpāṇi padmāni vartante, tena padmavarā. Siehe auch die weitere Ausführung in Prabhācandra's Kommentar zur Jambūdvīpasamgr. zu Vers 11.
c9.s2.t2.8
⁶ Jīvābhigamas. Bl. 441 ff.
c9.s2.t2.9
⁷ Die nähere Ausführung s. Jīvābhigamas. 441 ff.; Lokaprakāśa S. 468 ff.
c9.s2.t2.10
Die vier Tore des Jambūdvīpa. Der Jambūdvīpa hat vier Tore: Vijaya, Vaijayanta (Vej⁰), Jayanta und Aparājita (Aparājita), in der Reihenfolge von Osten nach Süden. Diese sind 8 Yojana hoch und 4 Yojana breit und tief ⁸). Das östliche Tor, Vijaya, liegt über der Mündung des Flusses Śītā in den Ozean und das westliche, Jayanta, über der Mündung der Śītodā. Jedes Tor hat seine Gottheit, die nach demselben benannt ist ⁹). Da der Jambūdvīpa kreisrund ist, so ist die Entfernung der einzelnen Tore von einander, also der Bogen zwischen denselben, nach jainistischer Berechnung etwas weniger als 79 052 1/2 Yojana.
c9.s2.t2.11
⁸ Jambūdvīprajñapti Bl. 35 b ff.; Jīvābhigamas. Bl. 492; Jambūdvīpasamāsa S. 19; Lokaprakāśa S. 472 ff.
c9.s2.t2.12
⁹ Die nähere Beschreibung des Vijaya-Tores s. Jīvābhig. 492—630. Die übrigen sind genau so.
Linked texts (1)
- Tattvārthasūtra — Umāsvāti, Sanskrit