Das Ramayana: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c4.s2.25
Das Rāmāyaṇa: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c4.s2.25
- Language
- German
c4.s2.25
Endlich sei noch ein Fall erwähnt, in dem sich die Anfänge verschiedener Versionen desselben Gegenstandes nebeneinander erhalten haben. So herrscht im Anfange des 6. Buches, wo die Verbannung Vibhîshaṇa's erzählt werden soll, grosse Verwirrung. Im 6. Gesange tritt der Rat der Râkshasa zusammen, ebenso im 10., im 11. und im 12. Gesange! Es kann hier gar kein Zweifel bestehen, dass die Anfänge von vier Liedern, die denselben Gegenstand behandelten, einfach an einander gereiht sind. Es ist kaum der Versuch gemacht, aus den verschiedenen Versionen eine einheitliche Erzählung herzustellen. Ich will nur auf diese Thatsache hinweisen, ohne eine Rekonstruktion des Ursprünglichen zu unternehmen. Wahrscheinlich wagten die Diaskeuasten es nicht, Überliefertes beiseite zu schieben, wie uns denn häufig, namentlich in C, Verse erhalten sind, die sich nicht construiren lassen, weil in ihnen das Prädikat fehlt, und ähnliches: es sind das eben Bruchstücke von Versen, die man lieber in ihrer jetzigen, obgleich fragmentarischen Form bewahren, als kurzerhand entfernen wollte. Man sieht daraus, wie gewissenhaft oder, wenn man will, wie oberflächlich die Redaktoren verfuhren, und wir dürfen daher hoffen, dass ein eingehendes Studium uns mit grösserer Sicherheit und Vollständigkeit die Geschichte und Komposition des Râmâyaṇa werde erkennen lassen, als dies z. B. bei den homerischen Epen der Fall ist.
Cites (1)
- Vālmīkirāmāyaṇa — Vālmīki, Sanskrit