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Das Ramayana: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c5.s2.1

Das Rāmāyaṇa: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c5.s2.1

Language
German

c5.s2.1

Wie wir in Übereinstimmung mit der Tradition annehmen, dass das Râmâyaṇa in dem Heimatlande seines Helden entstanden und zuerst verbreitet worden ist, so werden wir auch ein gleiches für das Mahâbhârata annehmen müssen. Die Hauptrolle spielen in demselben die Völker der westlichen Hälfte Indiens. Dort also werden die Sagen, welche den Kern des Mahâbhârata bilden, nicht nur entstanden, sondern auch zunächst von den *sûta* besungen worden sein. Diese epischen Gesänge scheinen aber nie in ein einheitliches Epos nach Art des Râmâyaṇa umgegossen, sondern nur in einen zusammenhängenden epischen Cyklus zusammengefasst worden zu sein. Da nun der Schauplatz des Mahâbhârata ein viel weiterer ist, als im Râmâyaṇa, soweit die historischen und an der Haupthandlung teilnehmenden Völker in Betracht kommen, so ist wohl möglich, dass der in einem Teile des Gebietes ausgebildete epische Cyklus in anderen Teilen nach anderen politischen und religiösen Gesichtspunkten einschneidende Veränderungen, ja Umdichtung erlitt. Auf diese sehr verwickelten Fragen werden wir weiter unten zurückkommen. Was uns hier zunächst angeht, ist das Verhältnis der beiden Epen zu einander. Denn indem beide über die Grenzen ihrer beiderseitigen Ursprungs- und Heimatsländer hinausgetragen wurden, mussten sie schliesslich in Berührung geraten. Wie weit war damals die Entwickelung des Râmâyaṇa und die des Mahâbhârata gediehen? Hierauf können wir eine ganz positive Antwort geben: das Râmâyaṇa war in der Hauptsache abgeschlossen, während die Dichtung des Mahâbhârata noch im Flusse begriffen war. Die Gründe hierfür sind folgende: