Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s5.65
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s5.65
- Language
- German
c4.s5.65
Man bemerkt leicht, dass die Zahlen, bei welchen die Dreitheilung nicht aufgeht, durch 3 dividirt stets den Rest 1 geben, was bei acht Fällen schwerlich bloss zufällig sein kann. So drängt sich die Annahme auf, dass im achten Maṇḍala als ein häufig vertretener Typus sich Lieder finden, die nach Triaden gegliedert sind, am Ende aber einen ausserhalb dieser Gliederung stehenden einzelnen Schlussvers haben. Die speciellere Betrachtung der betreffenden Lieder lässt in der That an der Existenz eines solchen Typus keinen Zweifel übrig. Zu den Fällen, in welchen derselbe besonders deutlich characterisirt ist, gehört z. B. der 38. Hymnus. Die Ṭrica-Theilung markirt sich auf den ersten Blick dadurch, dass immer durch je drei Verse derselbe letzte Pâda wiederkehrt (1—3 indrâgnî tasya bodhatam; 4—6 indrâgnî â gataṃ narâ; 7—9 indrâgnî soma-pîtaye); dann folgt als zehnter Vers, für sich alleinstehend ¹): âhaṃ sarasvatîvator indrâgnior avo vṛiṇe yâbhyâṃ gâyatram ricyate. — Nicht weniger in die Augen fallend zeigt sich derselbe Bau im Liede 93 ²), wo Ṭrica für Ṭrica der Zusammenhang im Innern jeder Verstriade Continuität, am Anfang derselben einen Abschnitt zeigt. In eigenthümlicher Weise verschärft sich die Characteristik der Ṭrica-Theilung dann noch bei den Versen 19—21; ihre Anfangsworte sind kayâ, kasya, abhî shu ṇaḥ — in offenbarer Nachahmung des Ṭrica, welcher als Text des Vâmadevya-sâman zu besonderer Geltung gelangt ist (IV, 31, 1-3): kayâ naṣ citra' â bhuvat, kas tvâ satyo madânâm, abhî shu ṇaḥ sakhînâm. Von Vers 25—33 folgen sodann drei Ṭricas, die als solche durch den Refrain eines jeden gekennzeichnet sind; bei Vers 33 hört der letzte aus diesem Sûkta entnommene Triadenausschnitt des Sv. auf. So bleibt Vers 34 als Schlussvers übrig, von Grass-mann, wie bei diesen Schlussversen stehend der Fall ist, in den Anhang verwiesen, in der That aber an seinem Orte zu belassen als ebenso unverdächtig wie durch den Typus, durch welchen er erfordert wird, geschützt. — Wenn man nach diesen Vorbildern etwa noch das Lied 102 behandelt, wird man auch hier zu einer wesentlich andern Auffassung gelangen als Grassmann. Von den 22 Versen dieses Sûkta wird für die ersten 15 durch den Sâmaveda ohne Weiteres die Trica-Theilung erwiesen; 16—18 stellen sich dem Inhalt nach gleichfalls als ein Trica heraus. Es bleiben vier Verse übrig. Die Methode verlangt natürlich zu prüfen, ob gegen 19—21 als letzten Trica und 22 als Schlussvers irgend ein Bedenken besteht. Man sieht leicht, dass das nicht der Fall ist, dass vielmehr die Verse 19—21 deutlich durch den Gedanken zusammengehalten werden: Agni, nimm statt der kostbaren Opfergabe auch die geringere an. So ist Alles in bester Ordnung; überdies tritt für die Zusammengehörigkeit wenigstens von Vers 20 und 21 noch das Agni-Ritual des Yajurveda ein ¹). Grassmann nun sieht richtig, dass Vers 22 an das Ende des Ganzen gehört, aber indem er den Typus der Trica-Theilung mit überschüssigem Schlussvers verkennt, muss er zur Wahrung der Triaden einen Vers tilgen, und so reisst er willkürlich Vers 21 von seiner durch den Zusammenhang wie durch den Yajurveda geschützten Stelle los: eine Operation, zu welcher, sobald der hier vorliegende Typus erkannt ist, auch der Schein eines Grundes fehlt.
Linked texts (2)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Sāmavedasaṃhitā — Sanskrit