Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s6.40
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s6.40
- Language
- German
c4.s6.40
Sonstige Mischungen der Versmaasse treten — abgesehen von dem Fall der Trishtubh und Jagatî — verhältnismässig selten so auf, dass vereinzelte Ricas in dem einen Metrum in ein Lied, das durchgehend ein andres Versmaass zeigt, hineingestreut sind; in der Regel handelt es sich vielmehr um Sûktas mit fortwährendem oder doch sehr häufigem Wechsel der Metra, so dass kein einzelnes Versmaass als dominirendes angesehen werden kann. Affinitäten solcher Metra, die eine besondre Neigung zur Vereinigung mit einander bekunden, machen sich im einen wie im andern Fall häufig wenn auch keineswegs ausnahmslos geltend. Die hervortretendste Erscheinung dieser Art betrifft die Triṣṭubh und Jagatî. Wie in der nachlässigeren Praxis namentlich späterer vedischer Dichter innerhalb des einzelnen Verses Triṣṭubh- und Jagatîpâdas oft unterschiedslos durch einander gemengt werden, so wird von demselben laxeren Standpunkt aus offenbar auch ein Wechsel ganzer Triṣṭubh- und ganzer Jagatîverse nicht eigentlich als ein Wechsel des Metrums empfunden. Abgesehen von den besprochenen Erscheinungen, die das Liedende und den Liedanfang betreffen, scheint es mir verfehlt, Regeln oder ein Streben nach Symmetrie in diesem Wechsel entdecken zu wollen ¹). — Aehnlich wie Triṣṭubh und Jagatî, wenn auch mit viel geringerer Häufigkeit, wechseln Gâyatrî und Anuṣṭubh. Eine einzelne Gâyatrî zwischen Anuṣṭubhs finden wir X, 19, 6 ²); 176, 2; eine Anuṣṭubh zwischen Gâyatrîs IV, 30, 8; V, 61, 5 ³); VI, 53, 8; sonstige Mischungen der beiden Metra finden sich z. B. I, 187; VIII, 55; X, 9, 6 fgg. (= I, 23, 20 fgg.). — Ein weiteres Gebiet von Versmaassen, deren Affinität sie dazu geeignet macht, neben einander verwandt zu werden, tritt insonderheit in den Strophenliedern des achten Buchs wie auch in vielen Dânastutis hervor: es sind die aus achtsylbigen Pâdas allein oder in Verbindung mit zwölfsylbigen Pâdas gebildeten Metra, also Gâyatrî, Anuṣṭubh, Paṅkti, Kakubh, Bṛihatî, Uṣṇih, Purauṣṇih, während Triṣṭubh, Jagatî, Virâj (3 × 11 Sylben) diesem Kreise fern, dagegen sich unter einander nahe stehen. Deutlich erkennt man diese Gruppirung der Metra z. B. im Liede VIII, 9. Die 21 Verse sind der Reihe nach: 1—3 Bṛihatî Gâyatrî Gâyatrî; 4—6 Bṛihatî Kakubh Bṛihatî; 7—9 Anushṭubh; 10—12 Trishṭubh Virâj Jagatî; 13—15 Anushṭ. Bṛih. Bṛih.; 16—18 Anushṭubh; 19—21 An. Gây. Gâyatrî. Es scheint mir klar, dass, wie ich in dieser Zusammenstellung bereits angedeutet habe, Ṭricas vorliegen. Zwar fehlen die dem achtsylbigen und acht-zwölfsylbigen Kreise fernstehenden Metra nicht ganz, aber sie fallen in einen einzigen Ṭrica hinein, welcher ausschliesslich aus ihnen besteht (10—12). Zwei Ṭricas (7—9. 16—18) sind ganz aus Anushṭubh gebildet; einer (19—21) zeigt die oben (S. 148) besprochene typische Form Anushṭubh und zwei Gâyatrîs; die übrigen drei Ṭricas endlich bestehen aus Versmaassen des besprochenen Affinitätskreises, aus Anushṭubh, Gâyatrî, Bṛihatî, Kakubh¹). So weist, wenn ich mich nicht täusche, die scheinbare Regellosigkeit des Liedes — Bergaigne bezeichnet es als sûkta métriquement informe — in der That eine zwar nicht annähernd fest geordnete, aber doch auch der Ordnung nicht vollkommene entbehrende Gliederung auf ²).
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit