Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s6.50
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s6.50
- Language
- German
c4.s6.50
vereinigen und dadurch weitere Schlüsse ermöglicht werden. Wir haben im ersten Theil dieses Abschnitts mannichfache Gruppen von Fällen kennen gelernt, in welchen ein solches Zusammentreffen in der That stattfindet und darum die Auflösung der Einheit, welche in der Ueberlieferung die metrisch disparaten Elemente umschliesst, gerechtfertigt ist; und unsre Untersuchungen über die Ordnung der Saṃhitā werden uns weiter auf Schritt und Tritt zeigen, wie da, wo überlieferte Liedeinheiten zu zerschneiden sind, überaus häufig das Metrum den Punct anzeigt, an welchen der Schnitt gehört. In andern Fällen aber wird die Prüfung, zu welcher wir durch den Wechsel der Versmaasse aufgefordert werden, ausser Stande sein, sonstige Verdachtsgründe zu ermitteln; dann wird ein Vorsichtiger die Ueberlieferung zwar eben um des Metrums willen für nicht verdachtfrei, aber doch auch für eines Gebrechens nicht überführt erachten. In manchen Fällen endlich werden wir sogar Momente entdecken, welche direct für die Zusammengehörigkeit des metrisch Verschiedenen eintreten. In dem Liede IV, 7 folgen auf einen Jagatīeingang zuerst Anushtubh-, dann Trishtubhverse: aber kein Agnilied kann fliessender und unverdächtiger verlaufen als dieses, dessen verschiedene Theile durch mannichfache Beziehungen mit einander verbunden sind. Kein Vers kann besser an seiner Stelle stehen, als die Anushtubh VII, 103, 1, welche das in Trishtubh verfasste Froschlied eröffnet, oder die Satobṛhatī, welche als dritter Vers des Agniliedes III, 23 zwischen Trishtubhs erscheint ¹). Auch die bekannte Anushtubh IV, 24, 10 (das Lied ist in Triṣṭubh) hat man, wie ich meine, mit mindestens fraglichem Recht verworfen. Der Dichter, so fasse ich den Zusammenhang auf, preist Indra und empfiehlt zugleich sich selbst als den Vermittler der göttlichen Hülfe, so zu sagen als den Vermiether des Gottes. Aber man soll sich desselben zeitig versichern; wer heute (adya V. 7) dem Gott opfert, dessen Freund ist er. Sobald sich Noth erhebt, verlangen Alle nach Indra; als Kampf entbrannte, feilschten die Leute thörichten Sinnes ¹); sie boten zu wenig, und ohne verkauft zu haben ging ich — der priesterliche Inhaber des Gottes — zufrieden nach Hause. Und hier fährt der Sänger fort (10): »Wer kauft diesen meinen Indra für zehn Milchkühe? Wenn er ihm die Feinde getödtet hat, dann soll er ihn mir wiedergeben.« Es ist doch nicht nur der äusserliche Anklang von krīṇāti an das avikrīto in V. 9, wodurch dieser Vers mit dem vorigen verbunden wird ²), sondern es zieht sich durch V. 10 gemeinsam mit dem Vorangehenden derselbe kaum irgendwo ³) im Rigveda in solcher Ausdrücklichkeit wiederkehrende Vorstellungskreis hindurch: wer den Gott zu spät kaufen will und mit dem Preise geizt, erreicht nichts; darum: wer kauft jetzt? Von der warnenden Betrachtung über die Geizigen hebt sich die unmittelbare, an die Hörer gerichtete Einladung zum Kauf doch immerhin als etwas andres ab, und mit dieser Nuance mag der Wechsel des Metrums in Verbindung stehen. Vielleicht wird unser Geschmack durch diesen Wechsel befremdet, aber für die Annahme einer Interpolation auf Grund des metrischen Anstosses liegt, wie ich meine, in diesem Fall wie in ähnlichen Fällen keine Wahrscheinlichkeit, geschweige denn ein zwingender Grund vor.
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit