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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s5.3

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s5.3

Language
German

c5.s5.3

Hier ist es ebenso klar wie allbekannt, dass in jedem unter den Büchern II—VII die Liedersammlung einer Sängerfamilie, in IX dagegen die Sammlung aller an den Gott Soma pavamâna ²) gerichteten Hymnen vorliegt. Weniger leicht ist die Beantwortung der Frage, wie es kommt, dass eben nur jene Somalieder, nicht aber in derselben Weise auch die Agnilieder, die Indralieder u. s. w. je nach den Gottheiten zu eignen Sammlungen vereinigt wurden, sondern dass aus diesen nach den Familien, denen sie zugehören, Sammlungen völlig andrer Art, in deren jeder sich mehr oder minder alle Götter vertreten finden, gebildet worden sind. Eine erschöpfende Antwort auf diese Frage wird man natürlich nicht in dem Sinne erwarten, dass der von den Anordnern der Saṃhitâ thatsächlich eingeschlagene Weg als der einzig denkbare, jeder andere als ausgeschlossen zu erweisen wäre. Aber einigermaassen verständlich wird der betreffende Hergang doch, wenn man sich die eigenthümliche rituelle Natur der Pavamânalieder vor Augen stellt. Es wäre nicht möglich, aus dem Hymnenschatz des Ṛigveda eine zweite ähnlich compacte Masse von inhaltlich und formell so durchaus gleichartigen Liedern auszuziehen. Dächte man sich etwa die Agnihymnen zu einer Sammlung vereinigt, so würden sie eine geradezu unübersehbare Varietät ritueller Situationen darbieten verglichen mit der Eintönigkeit dieser Lieder an den Pavamâna. Er fliesst durch das Sieb von Schafhaar — er strahlt zum Himmel — die Lieder tönen über ihn, der des Indra Heldenkraft mehrt: mit diesen wenigen Wendungen ist in der That der Inhalt des neunten Maṇḍala ziemlich erschöpfend wiedergegeben. Diese Lobpreisungen aber wurden nicht, wie die Mehrzahl der Opferhymnen, von den Hotâras, sondern von den Sâmansängern vorgetragen; unter allen nach den Gottheiten abzugrenzenden Liedergruppen war dies die einzige, die, wie es scheint, wenigstens ursprünglich jenen Sängern ausschliesslich zugehörte und deren Kenntniss für Hotarpriester ein überflüssiger Ballast gewesen wäre. Ist nun auch im Allgemeinen eine principielle Scheidung von Hotar- und Udgâtartexten bei der Anlage der Ṛik-Saṃhitâ nicht versucht worden, so lässt sich doch begreifen, dass sie eben an diesem Puncte sich als besonders leicht durchzuführen und besonders zweckmässig, weil die Belastung der Hotâras mit entbehrlichem Lernstoff vermeidend ¹), aufdrängte.