Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s5.36
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s5.36
- Language
- German
c5.s5.36
Man würde natürlich zu weit gehen, glaubte man das jüngere Alter, welches dem zehnten Buch im Ganzen beizulegen ist, in jedem einzelnen Liede an fassbaren Kennzeichen nachweisen zu können. Aber Kennzeichen dieser Art sind doch durch das ganze Buch in solcher Häufigkeit verbreitet, dass man das vollste Recht hat, als die Ursache, wegen deren irgend ein Lied nicht bei den übrigen Liedern der betreffenden Sängerfamilie³, sondern im zehnten Buch erscheint, die spätere Entstehungszeit des Liedes zu prä- sumiren. Schon die Art, wie die Sängerfamilien genannt werden, ist diesen Kennzeichen zuzurechnen: das entschiedene Zurücktreten solcher Begriffe und Benennungen wie der Kaṇvas, der Atris, der Vasisṭhas, dafür dann das Hervortreten von Individualitäten, des Gaya, Sohnes des Plati, des Bṛhaduktha etc.: entsprechend dem individuellen Character der kleinen Sammlungen und vereinzelten Lieder, welche das zehnte Buch bilden, in fühlbarstem Contrast zu jenen umfangreichen, aus der alterthümlichen Lebensgemeinschaft der grossen Geschlechter hervorgegangenen Familienbüchern. Vielleicht bestätigt auch hier Nichts die Regel so sehr wie die Ausnahme, Fälle, wie der von X, 65. 66: zwei Lieder an die Viṣve devâs, in welchen es ganz im Ton des siebenten Maṇḍala heisst Vasisṭhâsaḥ pitṛivad vâcam akrata (66, 14), devân Vasisṭho’ amṛitân vavande (65, 15 = 66, 15). Weshalb stehen diese Lieder nicht im siebenten Buche? Offenbar weil sie das Werk eines einzelnen späten Vasisṭhiden sind. Der identische Schlussvers der beiden gleich langen Parallelhymnen und eine Reihe sonstiger specieller Characteristica — es sei nur die Nennung der daivyâ hotârâ 65, 10 und 66, 13 hervorgehoben: die beiden einzigen Stellen des ganzen Ṛigveda, wo diese Dämonen ausserhalb von Âprîliedern angerufen werden — weist sie mit Bestimmtheit demselben Verfasser zu. Und dass dieser Verfasser jünger ist, als das siebente Buch, zeigt sich zur Genüge schon in dem einen Factum, dass in dem engen Raum dieser beiden Lieder zwei Absolutivformen auf -tvî erscheinen (janitvî, skabhitvî 65, 7), während im ganzen siebenten Buch nur eine einzige derartige Form vorliegt¹. Von sonstigen Indicien junger Herkunft sei nur noch der im spätern Ritual so gewöhnliche, dem Ṛv. nahezu fremde ¹) Dual agnîshomâ (66, 7) und der Ausdruck jñâtayaḥ (66, 14) bemerkt, der sich nur im zehnten Buch (dreimal) sowie an einer einzigen Stelle des siebenten (55, 5) findet, welche Stelle sich aber durch sichere Kennzeichen ²) als eine der spätesten Interpolationen erweist.
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit