Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s5.6
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c5.s5.6
- Language
- German
c5.s5.6
Uebrigens ist ohne Weiteres klar, dass Buch IX nicht, wie die Bücher II—VII, vor der Vereinigung dieser Bücher eine Sonderexistenz geführt haben kann, sondern dass es selbst erst ein Product jener Vereinigung ist. Denn die Entstehung der Pavamânahymnen vertheilt sich natürlich auf eben jene Familien der Gṛitsamadas, der Vasiṣṭhas u. s. w., welche auch die andern Bücher verfasst haben: das versteht sich von selbst und wird zum Ueberfluss durch Erscheinungen wie das Auftreten der für jene Familien characteristischen Refrains ausdrücklich bewiesen ²). Offenbar befand sich also ursprünglich ein Theil des jetzigen neunten Buches im Sonderbesitz einer jeden Familie, und eine grössere Sammlung der Pavamânahymnen, des »ṛishibhiḥ sambhṛito rasaḥ«, kann erst in der Zeit gebildet worden sein, als überhaupt jene aus getrennten Dichterkreisen hervorgegangenen Liedermassen zu einem Ganzen vereinigt wurden. Hier ist es nun wichtig zu bemerken, dass keineswegs allein mit den Büchern II—VII correspondirende Pavamâna-Materialien im neunten Buch auftreten, sondern ganz ebenso solche, die sich zu dem ersten, achten, ja sogar zu dem zehnten Maṇḍala stellen. Neben den Refrainzeilen von II und VII finden wir in den Pavamānatexten, in die Sphäre des ersten Buches weisend, die Nennung des Kakṣīvant (74, 8), die Schlusszeile der Nodhashymnen (93, 5) und diejenige der auf Kutsa zurückgeführten Sammlung (97, 58), ferner das characteristische Metrum der Parucchepalieder (111). Zum achten Buch stellt sich die Nennung des Medhyātithi 43, 3 und des Vyaśva 65, 7. Aber auch das zehnte Buch hat, wie kaum bezweifelt werden kann, seine Ableger zum neunten beigesteuert. Allerdings schwerlich in besondrer Reichlichkeit: sonst würden sich die für das zehnte Buch characteristischen moderneren Eigentümlichkeiten von Sprache und Metrum im neunten häufiger wiederfinden ¹), und auch überhaupt haben wir Grund für die Annahme, dass die uralte, mit dem Avesta sich berührende Poesie der Somahymnen frühzeitig unter den vedischen Dichtern zum Abschluss gelangt, also in der Zeit des zehnten Maṇḍala schwerlich mehr besonders lebhaft gepflegt worden ist: — es ist bezeichnend, dass die beiden Ārcika des Sāmaveda, in welchen bekanntlich eine nicht unerhebliche Zahl von Versen zu dem aus dem Ṛv. entnommenen Bestande hinzukommt, doch keinen einzigen ²) Pavamānavers enthalten, der sich nicht schon im Ṛigveda fände ³). Dass dieser Typus der Pavamânalieder, als das zehnte Maṇḍala entstand, schon ganz ausgestorben gewesen sei, wird man doch kaum wahrscheinlich finden: dann aber können, da es im zehnten Buch selbst keine solchen Hymnen giebt, dieselben eben nur im neunten ihre Stelle gefunden haben. Ein derartig seiner Entstehung nach mit dem zehnten Buche zusammenhängendes Gedicht an den Pavamâna scheint mir IX, 68 zu sein, von der Anukramaṇî dem Vatsaprî zugeschrieben; in der That weist die Uebereinstimmung des Schlusses adveshe dyâvâ-prithivî huvema etc. auf Zusammengehörigkeit mit X, 45 (Vatsaprî) hin.
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit