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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.108

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.108

Language
German

c6.108

Von grösserer Tragweite als die eben berührte Frage ist diejenige nach dem Verhältniss der im weissen Yajurveda vorliegenden Textgestalt (V) zum Text von X. Dass, wie wir es oben ausgesprochen haben, die Spruchsammlungen für die Schichtung des Feueraltars in V, in T und in M durchaus nichts anderes sind, als drei Redactionen einer und derselben Grund-Saṃhitâ, wird Niemand bezweifeln, der jene Texte vergleicht. Darin liegt aber auch, dass es für die in jene Saṃhitâ aufgenommenen Rigverse so zu sagen eine Grund-Yajustextgestalt gegeben hat; wir wollen sie W nennen. Für uns also erwächst die Aufgabe, die Vorgänge zu ermitteln, in welchen von W ausgehend die so verschiedene Gestalt von V einerseits, von X (= TM) andrerseits sich festgestellt hat. Sieht man nun zunächst, wie dies versuchsweise zu thun nahe liegt, in V und X zwei einfach parallel stehende Abkömmlinge von W, deren vergleichsweiser Werth nur noch zu bestimmen wäre, so würde offenbar die fast ausnahmslose Uebereinstimmung von V mit dem ausserhalb dieser Traditionsfamilie stehenden, hohe Autorität beanspruchenden R zu dem Schluss führen, dass W, die Quelle von VX, nahezu denselben Text hatte wie R, und dass, wo X von diesem in V mit grosser Treue bewahrten Texte abweicht, diese Abweichungen eben secundär sind: anders würde sich, sofern wirklich der Text von V wie von X einfach der gewissenhafter oder willkürlicher fortgepflanzte Text von W ist, eine solche durchgehende Uebereinstimmung mit R auf der einen der beiden Seiten unmöglich begreifen lassen. Die Consequenz dieser Auffassung wäre von höchster principieller Wichtigkeit: wir würden alle schwarzen Yajus-Lesarten, sofern ihnen, wie dies die Regel ist, die Uebereinstimmung des weissen Yv. mit dem Rv. entgegensteht, von vorn herein als secundäre Abweichungen von W abzuweisen haben; W selbst aber, der zu reconstruirende Grundtext des Yajurveda, würde als fast durchgehend mit unserm Riktext identisch anzusetzen sein: eine Bestätigung für das Alter des letzteren, wie sie weitergehend sich kaum denken lassen würde.