Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.110
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.110
- Language
- German
c6.110
Es ist leicht zu sehen, auf welchem Wege die Entscheidung zwischen den beiden dargelegten Möglichkeiten zu erreichen sein muss. Geht die Uebereinstimmung von V mit R auf eine Uebereinstimmung von W mit R zurück, und beruht die Verschiedenheit der Stellung von V und von TM zu R auf der verschiedenen Genauigkeit, mit welcher die Texte V TM ihre gemeinsame Grundlage W wiedergeben, so muss die damit behauptete grössere Treue von V in der Reproduction des W-Textes sich gegenüber TM offenbar nicht allein in den aus dem Ṛigveda stammenden Versen, sondern ganz ebenso in den übrigen Yajus-Versen und -Sprüchen bewähren. Es ist leicht sich zu überzeugen, dass dies keineswegs der Fall ist; Niemand, der in einigem Umfang die betreffenden Vergleiche ausführt, wird bestreiten, dass zu zahllosen Malen der weisse Yajurveda einen minder ursprünglichen Text giebt, als die schwarzen Recensionen des Veda. Also inmitten der durch conservative Treue nichts weniger als ausgezeichneten Textform des weissen Yajus heben sich die dort erscheinenden Ṛig-Verse als etwas Besonderes heraus; sie zeigen der Textgestalt des schwarzen Yv. gegenüber ein durchaus andres Verhältnis, als in ihrer Umgebung herrscht; ihr, und eben nur ihr Text im weissen Yv. unterliegt in seiner durchgehenden Uebereinstimmung mit R einer festen Norm. Die Folgerung aus dem Allen liegt auf der Hand: jene Uebereinstimmung braucht schlechterdings nicht in dem Grundexemplar der Yajustexte vorhanden gewesen zu sein; im weissen Yv. ist sie durch vielfache Correctur derjenigen Verse, die aus dem Ṛv. stammen, nach dem Vorbilde des Ṛv.-Textes hervorgebracht worden. Auf diese Weise kann mithin die Textgestalt der Ṛigverse im weissen Yv. nur als ein für die Entstehungszeit der weissen Yajus-Saṃhitâ selbst beweisendes Zeugnis in Betracht kommen, nicht aber als eines, das über die schwarzen Yajurveden hinüberreichend und diese bei Seite schiebend die Grundgestalt des Yajurveda repräsentirte ¹).