Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.69
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.69
- Language
- German
c6.69
Es sei gestattet, die gegen diese Sätze zu richtenden Bemerkungen, welche auch für die uns beschäftigenden textgeschichtlichen Fragen von principieller Wichtigkeit sein dürften, an eine scheinbar weit abliegende Stelle anzuknüpfen, an ein Sûtra des Śâṅkhâyana Gṛihya II, 11, 13, wo es in Bezug auf die Reihenfolge der dem vedischen Schüler zu überliefernden Texte heisst: »wenn der Veda, endend mit dem Śamyu-Bârhaspatya-Lied (d. h. dem Schlusshymnus der von Śâṅkhâyana adoptirten Saṃhitâ) vorgetragen ist und (der Lehrer ihm dann noch) das geheime Pensum mittheilen will,« u. s. w. Was das »geheime Pensum« (rahasya) ist, sehen wir aus andern Stellen desselben Sûtra¹): es sind verschiedene Abschnitte des Âraṇyaka, d. h. nicht, wie häufig erklärt wird, der für die ὑλόβιοι (vânaprastha) bestimmten Texte, sondern der um ihrer höheren mystischen Heiligkeit willen vom Lehrer dem Schüler im Walde statt im Dorf mitzutheilenden Texte. Also während man in der Regel gewöhnt ist, unter den vedischen Texten auf die Saṃhitâ das Brâhmaṇa, auf das Brâhmaṇa das Âraṇyaka folgend zu denken, wird hier, wie man sieht, eine Beschreibung des Lehrpensums gegeben, bei welcher nach der Saṃhitâ direct das Âraṇyaka folgt. Wo bleibt das Brâhmaṇa? Liest man die speciellen Vorschriften des Śâṅkhâyana über den vedischen Unterricht, so findet man eingehende Bestimmungen über das Studium der Saṃhitâ und nicht minder eingehende Bestimmungen über das Studium des Âraṇyaka, aber vom Studium des Brâhmaṇa — in diesem Fall des Kaushîtaki Brâhmaṇa — ist mit keinem Wort die Rede.
Linked texts (1)
- Śāṅkhāyanagṛhyasūtra — Śāṅkhāyana, Sanskrit