Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.s1.3
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.s1.3
- Language
- German
c6.s1.3
Unter den vielen Hunderten von Pratîkas und sonstigen Textfragmenten des Ṛigveda, welche im Aitareya und Kaushîtaka angeführt werden, begegnet, was den Wortlaut des Textes anlangt — über Versumstellungen und Aehnliches wird später gesprochen werden — keine einzige Abweichung³). Dies Factum ist doch nicht in dem Maasse, wie es den Anschein haben könnte, beweisend für ein absolutes Feststehen des Textes und zwar eines und desselben Textes in den beiden grossen Brâhmaṇaschulen. Denn auch dann, wenn die Ordner jener Brâhmaṇas Schwankungen in Bezug auf den Riktext vorfanden, ist doch in der uns vorliegenden Gestalt der Ritualbücher die durchgehende Uebereinstimmung der Citate mit unserm Ṛigveda nicht nur erklärlich, sondern eben das, was erwartet werden muss. Gelangte nach der Entstehung der Brâhmaṇas eine andre Textgestalt irgend welcher Pratîkas oder sonstiger Stellen, als der Brâhmaṇa-verfasser sie im Auge hatte, zur allgemeinen Anerkennung, so konnte nicht allein die betreffende Fassung in das Brâhmaṇa eindringen: wir dürfen vielmehr sagen, sie musste es, unter der Hand von Theologen, für welche jenes der geheiligte, allein berechtigte Wortlaut war, und für die es sich von selbst verstand, dass die Śruti keinen andern als eben jenen Wortlaut aufführen konnte. Man vergegenwärtige sich, wie das Śatapatha Brâhmaṇa in seiner Mâdhyandinarecension den Mâdhyandinatext der Vâj. Saṃhitâ bestätigt, wie aber daneben dieselbe Saṃhitâ in einer zweiten Recension vorliegt, und wie dem entsprechend das Brâhmaṇa gleichfalls eine zweite, ohne Zweifel 1) den Textlesarten der Kâṇva-Saṃhitâ sich anschliessende Fassung aufweist. Hier also, wo uns die Saṃhitâ in zwei Redactionen überliefert ist, liegt die entsprechende Variabilität des Brâhmaṇatextes noch heute direct vor. Werden wir nun auch aus anderweitigen Gründen beim Text des Ṛigveda in der Zeit der Brâhmaṇas viel geringere Schwankungen erwarten, als etwa bei der Vâj. Saṃhitâ, so ist doch soviel klar, dass überhaupt die Annahme solcher — in diesem Fall aus unsrer Ueberlieferung der Ṛik-Saṃhitâ und darum auch der Brâhmaṇas verschwundenen — Schwankungen mit der uns sich zeigenden Beschaffenheit der Brâhmaṇatexte keineswegs im Widerspruch steht.
Cites (2)
- Śuklayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Śatapathabrāhmaṇa — Yājñavalkya & Śāṇḍilya (Vedic teacher), Sanskrit