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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s6.1

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s6.1

Language
German

c7.s6.1

Bei einer Reihe satzphonetischer Erscheinungen des Veda zeigt es sich, dass derselbe Auslaut vor demselben Anlaut des nächsten Wortes verschiedene Gestalten annimmt je nachdem die Verbindung der beiden Worte eine engere oder eine losere ist. Bald lässt allein die engere Verbindung — insonderheit bei den Encliticis, aber nicht allein bei diesen — die lautlichen Wirkungen zwischen Auslaut und Anlaut zu Stande kommen, welche den im Wortinnern geltenden Lautgesetzen entsprechen; bald begünstigt, wo diese Wirkungen regelmässig eintreten, die losere Verbindung in höherem Maasse als die engere die Aufhebung der Regel durch das Eindringen anderweitiger, insonderheit der Pausaformen: denn die letzteren gewinnen natürlich am leichtesten an denjenigen Stellen des Satzinnern Geltung, an denen der lockere Zusammenhang der Worte ein dem Satzende mehr oder weniger angenähertes Aussehen herbeiführt. Wenn abhy anûshi gesagt wird, aber abhi (überliefert abhy) amhuro gât, so zeigt uns dies den Einfluss der Wortnähe auf die Lautgestalt und zeigt zugleich, wie derartige Erscheinungen dem ausgesetzt waren, in der Tradition nivellirt zu werden. In andern Fällen sind die Schicksale, welche dieselben im Lauf der Ueberlieferung erlitten haben, günstigere gewesen. So bei der Erhaltung von -as, -ish, -ush vor k und p (dem sog. Upâcâra) im Fall der grösseren, dem Eintreten der Pausaformen -aḥ, -iḥ, -uḥ im Fall der geringeren Wortnähe¹); entsprechend bei der Erhaltung von -ish, -ush vor t, welches dann cerebralisirt wird, und andrerseits dem Auftreten von -is t-, -us t- (agnish ṭam brahmaṇâ saha, sadhish ṭava, nish ṭatakshuḥ, aber ûtibhis tireta)²); ebenso bei dem Uebergang des anlautenden s in sh nach vorangehendem »nâmin«-Vocal³) (adhi shṇuṇâ, pari shicyate, aber sûrishu syâma), wo sich, obwohl die Ueberlieferung offenbar von Verwirrung ganz frei nicht ist, doch das Moment, wie ich es nennen möchte, der grösseren oder geringeren Wortnähe mit Sicherheit als das Entscheidende erweist. Auch durch die natürlich gleichfalls vielen Störungen ausgesetzte traditionelle Behandlung der Cerebralisirung des n nach r und sh des voraufgehenden Wortes (Prât. 372 fgg.; pra ṇonumaḥ, svar ṇa, pra ṇaḥ⁴), aber pra nûnam, pra navyasâ) blicken die Wirkungen der Wortnähe deutlich hindurch; in diesem wie in den vorangehenden Fällen liefern die Verbindungen von Präposition und Verbum ein Hauptcontingent der Materialien für den Fall der stärkeren Beeinflussung der Worte unter einander. Es sei endlich noch an die oben (S. 431 fg.) besprochene Erhaltung von Verbindungen wie -âms c- bei grösserer, ihre Verdrängung durch -âñ c- bei geringerer Wortnähe erinnert.

Cites (1)