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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c8.14

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c8.14

Language
German

c8.14

Hiermit sind, so weit ich sehe, die vorhandenen Zeugnisse über Abweichungen der Vâshkalaśâkhâ vom Śâkalatext erschöpft. Die Beschaffenheit unsrer Materialien macht es nicht wahrscheinlich, dass noch andere derartige Differenzen zwischen beiden Texten, welche in der Anukramaṇî zum Ausdruck kämen, vorgelegen haben; wir würden von denselben erfahren. In Bezug auf Varianten der Lesarten versagt, so weit meine Kenntniss reicht, die Ueberlieferung durchaus¹). Dass es sich um sehr tiefgreifende Differenzen handeln könnte, wird durch unsre früheren Untersuchungen über den Zustand des Textes in der Saṃhitâ- und Brâhmaṇa-zeit von vorn herein ausgeschlossen. Auf der andern Seite würde man doch wohl zu weit gehen, wollte man den Text der beiden Śâkhâs, bis auf die besprochenen Abweichungen der Anordnung, für geradezu identisch halten. Wir werden weiter unten zeigen, dass auch bei Yâska Textvarianten des Ṛgveda noch nicht vollständig aufgehört haben zu existiren. Auch die Vergleichung der in andern vedischen Schulen hervortretenden Verhältnisse spricht nicht für eine absolute Textgleichheit der beiden Ṛik-Śâkhâs. Was den Sâmaveda anlangt, so führen allerdings die von Weber (Ind. Stud. XVII, 315 fgg.) publicirten Anukramaṇîtexte der Naigeyaschule mit ihren Angaben der Pratîkas und ihren sonstigen Mittheilungen fast nirgends auf wirkliche Varianten zum gangbaren Texte. Die meisten unter den Abweichungen, welche Weber (S. 319) gesammelt hat, stellen offenbar keine Śâkhâdifferenzen, sondern reine Nachlässigkeiten der Anukramaṇî oder ihrer Handschriften dar. Vereinzelte Umstellungen, Hinzufügungen und Weglassungen von Versen bleiben aber doch bestehen, und eine Textdifferenz möchte man vermuthen, wenn das Daivatam zu II, 2, 1 angiebt pavasva pañca saumyâ’ uttamâyâ’ uttame sûryaḥ: der Text von Vers 139¹) enthält im Sv. so wenig wie im Ṛv. die mindeste Beziehung auf Sûrya, und so mag hier im Naigeyatexte ein andrer dritter Pâda — beispielsweise pavasva sûryo dṛiṣe Ṛv. IX, 64, 30, oder dergl. — gestanden haben²). In der Vâjasaneyi Saṃhitâ führt nicht nur das Prâtiśâkhya (Ind. Stud. IV, 67) auf Textvarianten, sondern solche liegen bekanntlich in dem Nebeneinanderstehen der Mâdhyandina- und der Kânvarecension direct, und zwar in nicht ganz geringer Zahl vor. Dass sie in der Yajusprosa weit-aus zahlreicher und bedeutender sind als in den Versen und insonderheit den alten Versen, entspricht der Natur der Sache. Darum fehlt es doch auch in diesen keineswegs an Varianten —: Varianten übrigens, in welchen bisweilen die verschiedenen Śâkhâs des einen Yajustextes Differenzen fort-setzen, die sich in viel älterer Zeit zwischen den grossen Hauptzweigen der Yajustradition gebildet hatten¹. Diese Quelle von Varianten fiel nun freilich für die Vâshkala- und Śâkalaśâkhâ fort, und auch sonst werden wir das Bild, welches uns die Kânva- und Mâdhyandinavarianten gewähren, nicht ohne Weiteres auf diese Śâkhâs übertragen dürfen, ohne die weitaus festere Consistenz der Rig-Ueberlieferung dabei in Anschlag zu bringen.

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